Oliver Hansen

Oliver Hansen

Dax hat Geburtstag: „Der Commerzbank fehlt das Geschäftsmodell“

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DAS INVESTMENT.com: Was war Ihre erste Erfahrung mit dem Dax?  Gutes Geschäft?

Oliver Hansen:
1987 kaufte ich VW-Aktien, weil ich an das Unternehmen glaubte. Durch den ersten Crash im Herbst 1987 war mein erstes Aktiengeschäft  dann schnell in die Verlustzone gerutscht. Heute wissen wir, dass dieser Crash eine exzellente Kaufgelegenheit für Aktien war.

Die beste Dax- Entwicklung  in Ihrer Karriere?

Hansen:
Das war im Jahre 2009. Nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 waren die Märkte im freien Fall. Die Depression dauerte bis in den März 2009 an und fand nach dem Ausverkauf an Aktien seinen Tiefpunkt bei circa 3.800 Punkten. Niemand wollte mehr glauben, dass der Dax auch wieder steigen könnte. Doch schon kurz darauf gingen die Kurse nach oben und standen schließlich am Jahresende 2009 bei etwa 6.000 Punkten. Der Anstieg hatte mich vor allem deswegen so beeindruckt, weil zuvor die Stimmung vollkommen am Boden lag und niemand an eine Erholung glaubte.

Die schlimmste Dax-Entwicklung in Ihrer Karriere?

Hansen:
Das war im Herbst 2008. Die so genannte Finanzkrise war bereits rund ein Jahr  im Gange und auf einmal wurden Fragen gestellt, die man zuvor für absurd gehalten hatte, Dinge in Frage gestellt, die nie strittig waren. Den Höhepunkt markiert die Lehman-Pleite, die dazu führte, dass die Bürger sich sogar fragten, ob die Einlagen noch sicher seien und ob man „morgen“ noch an sein Geld kommt und überhaupt noch was dafür zu kaufen bekommt. Der Ausverkauf der Aktien war eingeleitet.

Welche Hauptversammlung werden sie nicht vergessen?

Hansen:
Die Telekom-Hauptversammlung am 28. Mai 2002. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Ron Sommer wurde durch die Kleinaktionäre ausgepfiffen. Ausgelöst wurde das Pfeifkonzert durch die Aussage, dass der Vorstand und die Manager gute Arbeit geleistet und deshalb eine Gehaltserhöhung verdient hätten.

Frisieren Sie mal den Dax. Wer muss rein, wer muss raus?

Hansen:
Die Unternehmen Commerzbank und Infineon sehen wir als Abstiegskandidaten, Bilfinger und Fuchs Petrolub dagegen langfristig als Aufstiegskandidaten. Die Commerzbank hat mittlerweile kein nachhaltiges Geschäftsmodell mehr. Die Bank versuchte in der Vergangenheit immer wieder erfolglos neue Geschäftsbereiche aufzubauen.

Infineon stieg in den Dax in der Boom-Phase des Neuen Marktes auf. Vor einigen Jahren konnte das Unternehmen einer Insolvenz gerade noch entkommen. Die Wettbewerbssituation für die Produkte des Konzerns ist intensiv und durch einen enormen Preisdruck gekennzeichnet. Deutschland ist als Produktionsstandort letztlich zu teuer. Zudem subventionieren  andere Staaten diese Branche stark - nicht zuletzt um ein Aushängeschild für die Fortschrittlichkeit ihres Landes vorzeigen zu können.  

Bilfinger bewies in den vergangenen Jahren, wie gewinnbringend das Geschäft mit Dienstleistungen für die Industrie- und Baubranche betrieben werden kann. Der Markt hierfür ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft, so dass wir für die Zukunft ein hohes Expansionspotential für den Bilfinger-Konzern sehen. Fuchs Petrolub wuchs in den vergangenen zehn Jahren außerordentlich stark und ist Marktführer in seiner Geschäftstätigkeit. Die Eintrittshürden für die Geschäftstätigkeit des Konzerns liegen hoch, so dass die aktuellen Margen des Konzerns noch lange auf einem hohen Niveau verharren dürften.

Sind Länder-Indizes noch zeitgemäß in einer globalen Welt?

Hansen:
Nein, da zum Beispiel Dax-Konzerne ihr operatives Geschäft in der Regel international ausgerichtet haben. Eine Abbildung der deutschen Volkswirtschaft über Aktiengesellschaften ist nicht sinnvoll.  

Ihr Kind/Enkel hat Taufe/Geburtstag. Schenken Sie dem Kind mal ihren „Lieblings-Index“ mit dem der/die Kurze in 25 Jahren ein solides Finanzpolster haben wird?

Hansen:
Da entscheide ich mich zur Hälfte für den Dax, um die andere Hälfte in den Dow Jones zu investieren. So hat man die besten global agierenden Unternehmen und viele Weltmarktführer zusammen.

Welche derzeitigen Dax-Unternehmen  sind auch in 25 Jahren noch im Dax?

Hansen:
BASF, Allianz und Linde. Alle drei Konzerne sind in Ihrer Geschäftstätigkeit Weltmarktführer. Die genannten Unternehmen wachsen stärker als der Marktdurchschnitt und zeichnen sich durch ein vorbildliches Management aus. Zudem verfügen die Unternehmen über ein tragfähiges Geschäftsmodell, das aus unserer Sicht für eine erfolgreiche Zukunft spricht.

Wo steht der Dax im Jahr 2038?

Hansen:
Überträgt man die Verachtfachung des Dax von 1.000 auf 8.000 Punkte in den vergangenen 25 Jahren linear auf die künftigen 25 Jahre, ergäbe sich rein rechnerisch ein Dax-Stand von 64.000 Punkten.  Wir gehen aber eher von einem Stand von 40.000 Punkten aus, da für uns nicht absehbar ist, ob sich in den kommenden 25 Jahren ähnliche Produktivitätszuwächse wie in den vergangenen Jahren ergeben – allein schon wegen der demografischen Entwicklung in den meisten Industrieländern – und weil wir gegebenenfalls lieber positiv als negativ überrascht werden.

Mit welchem Lied kann man am besten auf 25 Jahre Dax anstoßen?

Hansen:
Der Song aus dem Jahr 1988 „Don`t worry - be happy“ gefällt uns sehr gut.

Durchstöbern Sie mal ihren Haushalt und ihre Garage: Wie viele der 30 Dax-Werte sind durch Produkte oder Dienstleistungen bei Ihnen vertreten?

Hansen:
Über die Hälfte aller Dax-Unternehmen liefern die Produkte oder Dienstleistungen in meinen Haushalt. Schon das Frühstücksfernsehen wird über die Deutsche Telekom geliefert. Zuvor war ich noch joggen mit meinen Laufschuhen von Adidas. Während ich nun mein Mineralwasser mit Kohlensäure von Linde trinke, läuft die Siemens-Kaffemaschine. Dabei studiere ich die Abrechnung meines letzten Aktienkaufs an der Deutsche Börse. Die Abrechnung kam mit der Deutschen Post. Schnell nehme ich meine Tablette von Bayer ein. Zuvor hatte ich im Bad die Sonnen-Creme von Beiersdorf verwendet. Parallel läuft die Waschmaschine, wieder von Siemens, und wäscht mit Henkel-Waschmittel. Der Strom für die Maschinen liefert die RWE. Mein Frühstücksei salze ich mit Salz der Firma K+S. Kurz gehe ich noch auf den Balkon, dessen Träger aus Thyssen-Stahl gemacht sind. Mein Haus, das mit Zement von Heidelberger Cement gebaut wurde, hat die Allianz versichert. Während meine Partnerin im VW Beatle Cabrio bereits zur Arbeit fährt, bleibt mir noch ein wenig Zeit, bevor ich in meinem Mercedes, dessen Reifen von Continental stammen, zum Flughafen fahre, um mit der Lufthansa auf Geschäftsreise zu fliegen. Und am Freitag fahre ich mit meinem BMW Motorrad dann zur Commerzbank, um mein Sparkonto aufzulösen, weil sich eine Anlage auf dem Sparkonto schon lange nicht mehr lohnt, denn ich habe ja inzwischen Dax-Aktien.

25. Hochzeitstag: Von welchem Dax-Unternehmen bekommt Ehemann/Ehefrau ein Geschenk? Und was gibt es?

Hansen:
Da schenke ich meiner Partnerin einen Mercedes SLK.


Alle bisher erschienen Interviews der Serie, unter anderem mit Max Otte, Anja Kohl und Christoph Bruns, finden Sie hier.

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