Union-Fondsmanager Carsten Hilck

Union-Fondsmanager Carsten Hilck

Dax hat Geburtstag: „Einige Autokonzerne könnten aus dem Dax weichen“

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Carsten Hilck managt für Union Investment den Deutschlandfonds UniFonds Net (WKN: 975020).

DAS INVESTMENT.com: Was war ihre erste Erfahrung mit dem Dax?  Gutes Geschäft?

Carsten Hilck: Der Dax als Aktienindex spielt für mich seit 1998 eine Rolle, weil ich damals das Fondsmanagement des UniDeutschland übernommen habe. Mit Dax-Werten habe ich aber seit 1994 Erfahrung. Als Market Maker bei der Dresdner Bank handelte ich die Titel Veba, Höchst und Dresdner Bank – interessant, dass es die mittlerweile alle nicht mehr gibt.

DAS INVESTMENT.com: Der beste Dax-Tag in ihrer Karriere?

Hilck: Der Tag, als ich gemerkt habe, dass selbst der schlimmste Dax-Tag meiner Karriere so schlimm gar nicht war.

DAS INVESTMENT.com: Der schlimmste Dax-Tag in ihrer Karriere?

Hilck: Oktober 2008, als die VW-Aktie wie aus dem Nichts binnen zwei Tagen von 200 auf über 1000 Euro emporgeschossen ist. Hintergrund war die geplante Übernahme durch Porsche. Der Kurs hatte schon in den Tagen zuvor kräftig angezogen. Ich war seinerzeit in VW untergewichtet und beobachtete den Anstieg erst überrascht, dann entsetzt. Später fiel die Aktie wieder, und zwar unter die alten Niveaus.

DAS INVESTMENT.com: Welche Hauptversammlung werden sie nicht vergessen?

Hilck: Die ziemlich chaotische Hauptversammlung der Deutschen Bank mit dem Abgang von Josef Ackermann und dem mit der Leitung überforderten, ebenfalls scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig im Jahr 2012. Aufgrund von diversen Anfechtungen wurde die Hauptversammlung auch unlängst wiederholt.

DAS INVESTMENT.com: Frisieren Sie mal den Dax. Wer muss rein, wer muss raus?

Hilck: Auf alle Fälle müssten ein paar Konsumtitel und einige Rohstoffwerte nachrücken. Dafür könnten der eine oder andere Automobilkonzern und einige Industriewerte weichen.

DAS INVESTMENT.com: Sind Länder-Indizes noch zeitgemäß in einer globalen Welt?

Hilck: Ein Index wie der Dax ist es sicherlich. Die 30 Unternehmen haben zwar ihren Sitz in Deutschland, sind aber international sehr aktiv. Der Vorteil für Investoren: Sie bekommen die globalen Ertragschancen von Konzernen wie BASF oder Siemens, aber in Verbindung mit der strengen deutschen Regulatorik und Aufsicht. Das halte ich für eine sehr gute Kombination.

DAS INVESTMENT.com: Ihr Kind/Enkel hat Taufe/Geburtstag. Schenken Sie dem Kind mal ihren „Lieblings-Index“ mit dem der/die Kurze in 25 Jahren ein solides Finanzpolster haben wird? Warum diese Wahl?

Hilck: Grundsätzlich bin ich als Fondsmanager Indizes gegenüber kritisch eingestellt. Ich würde eher ein Portfolio zusammenstellen und immer wieder den Markterfordernissen anpassen. Der eine oder andere Dax-Titel wäre aber bestimmt dabei.

DAS INVESTMENT.com: Welche derzeitigen Dax-Unternehmen sind auch in 25 Jahren noch im Dax?

Hilck: VW, BASF und SAP sind beispielsweise gut aufgestellte, ertragsstarke Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen. Bei denen mache ich mir keine Sorgen, dass sie rausfliegen.  

DAS INVESTMENT.com: Wo steht der Dax im Jahr 2038?

Hilck: Mit Sicherheit höher als heute.

DAS INVESTMENT.com: Mit welchem Lied kann man am besten auf 25 Jahre Dax anstoßen?

Hilck: Phil Collins „A groovy kind of love“ war zur Zeit der Dax-Gründung ein großer Hit und scheint mir thematisch und zum Anstoßen immer noch bestens geeignet.

DAS INVESTMENT.com: Durchstöbern Sie mal ihren Haushalt und ihre Garage: Wie viele der 30 Dax-Werte sind durch Produkte oder Dienstleistungen bei ihnen vertreten?

Hilck: Das dürften mindestens 20 sein – allerdings nicht alle drei Automobilhersteller und nicht beide Banken. Auch SAP nutze ich zu Hause nicht. Ob das Wohngebäude mit Heidelberg Cement gebaut ist, weiß ich nicht genau.

DAS INVESTMENT.com: 25. Hochzeitstag: Von welchem Dax-Unternehmen bekommt  Ihre Ehefrau ein Geschenk?

Hilck: Ein Urlaubsflug mit der Lufthansa wäre sicherlich eine gute Idee.


Den ersten Teil der Interview-Serie zum Dax-Geburtstag mit Stephan Albrech lesen Sie hier.

Teil 2 mit dem Gespräch mit Wolfgang Köbler lesen Sie hier.

Im dritten Teil stellt sich Max Otte den Fragen.


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