Die deutschen Großkonzerne machen Fortschritte bei der Gleichstellung in den obersten Führungsetagen. Wie eine aktuelle Analyse der Organisation „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar) zeigt, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ist der Anteil weiblicher Vorstände in den Dax-40-Unternehmen auf einen neuen Höchststand von 25,7 Prozent gestiegen. Damit wurde der bisherige Rekordwert vom Januar 2024 (23,5 Prozent) deutlich übertroffen.

Besonders bemerkenswert: Erstmals in der Geschichte des deutschen Leitindex stehen drei Frauen an der Spitze von Dax-Konzernen. Neben der Merck-Chefin Belén Garijo übernahmen im Oktober auch Bettina Orlopp bei der Commerzbank und Karin Radström bei Daimler Truck die CEO-Position.

Frauenanteil in Vorständen in 10 Jahren verdreifacht

Fidar-Gründungspräsidentin Monika Schulz-Strelow sieht in der Entwicklung einen klaren Beleg für die Wirksamkeit verbindlicher Quotenregelungen. Die Dax-Konzerne hätten den Frauenanteil in ihren Vorständen innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdreifacht – trotz anfänglicher Skepsis bezüglich der Verfügbarkeit qualifizierter Kandidatinnen.

Auch in den Aufsichtsräten setzt sich der positive Trend fort. Hier stieg die Quote im Dax auf 39,7 Prozent, was einem Zuwachs von über einem Prozentpunkt seit Januar entspricht.

Rheinmetall führend, Autobauer hinken hinterher

Bei der Geschlechterverteilung in den Vorständen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Unternehmen. Der Rüstungskonzern Rheinmetall weist aktuell den höchsten Frauenanteil auf, dicht gefolgt von der Commerzbank und Siemens Healthineers. Die rote Laterne tragen die Autobauer: Volkswagen und die Porsche SE bilden gemeinsam mit Heidelberg Materials das Schlusslicht.

Über alle 160 untersuchten Unternehmen aus Dax, MDax und SDax sowie 18 weitere börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Firmen hinweg liegt der durchschnittliche Frauenanteil in den Vorständen bei 20,3 Prozent – ebenfalls ein neuer Höchstwert.

Die gesetzliche Quote wirkt

Die 2016 eingeführte 30-Prozent-Quote für Aufsichtsräte und die seit 2022 geltende Pflicht zur Mindestbeteiligung von Frauen in größeren Vorständen zeigen messbare Effekte. Bei Unternehmen, die unter diese Regelungen fallen, liegt der Frauenanteil sowohl in Aufsichtsräten (38 Prozent) als auch Vorständen (24 Prozent) deutlich höher als bei nicht quotierten Firmen.

Schulz-Strelow betont jedoch, dass trotz der positiven Entwicklung von einer echten Parität noch keine Rede sein könne. Die Studie verdeutliche zudem, dass freiwillige Selbstverpflichtungen allein kaum zu substanziellen Verbesserungen führten.