DB Research: Deutschland schlittert in die Rezession

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„Die deutsche Konjunktur steht 2012 ganz im Zeichen der europäischen Staatsschuldenkrise“, meinen die Analysten der Research-Einheit der Deutschen Bank DB Research. Weder gesunde Staatsfinanzen noch die im internationalen Vergleich geringe Schulden privater Haushalte retten die deutsche Wirtschaft vor einem Konjunktureinbruch, sind die Experten überzeugt.

Schuld sei die hohe Exportabhängigkeit der Bundesrepublik: Der Export trägt mehr als ein Viertel zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. 60 Prozent aller Exporte gehen zudem in die anderen EU-Mitgliedsstaaten. „Die harten Konsolidierungsprogramme, die viele Euro-Länder aufgelegt haben, werden den deutschen Export im ersten Halbjahr 2012 merklich bremsen“, erwarten die DB Research-Analysten. Denn auch die hohe Nachfrage seitens der Schwellenländer wird diese Einbrüche nicht gänzlich kompensieren können.

„Das deutsche Exportwachstum dürfte somit in 2012 auf 1 ¾ Prozent sinken, während die Importe um 3 Prozent zulegen könnten“, so DB Research. Der Außenbeitrag dürfte 2012 so knapp ½ Prozent BIP-Wachstum kosten, nachdem er 2011 noch fast 1 Prozent-Punkt zum Wachstum beitrug.

Euro-Krise dämpft die Inlandsnachfrage


Die europäische Staatsschuldenkrise wird auch die Inlandsnachfrage in Deutschland dämpfen, befürchten die Analysten. So sank beispielsweise die Kapazitätsauslastung der Industrie aufgrund der schwächeren Nachfrage schon im 4. Quartal 2011. Dies senkte den Bedarf für Neuinvestitionen. „Darüber hinaus dürfte die extreme Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung der Staatsschuldenkrise in der Eurozone und der Weltkonjunktur sowie zunächst eher verhaltene Aktienmärkte die Stimmung der Unternehmer und damit deren Investitionsbereitschaft belasten“, erklären sie.

Der private Konsum dürfte hingegen das Wachstum stabilisieren. Wenn die Inflation abnimmt und die Rentenbeiträge gesenkt werden, dürften Menschen nach Berechnungen von DB-Research rund 2 Prozent mehr Geld in der Tasche haben, das sie für Konsumzwecke ausgeben können.

Nach einem Zuwachs von leicht über 3 Prozent in 2011 wird die deutsche Wirtschaft 2012 auf der Stelle treten, meinen die Experten. Nach einer technischen Rezession, also zwei Quartalen mit schrumpfendem BIP, im ersten Halbjahr, rechnen sie für die zweite Jahreshälfte mit einer deutlichen Erholung.

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