Märkte bewegen Aktien, Zinsen, Politik. Und Menschen. Deshalb präsentieren wir dir hier die bedeutendsten Analysen und Thesen von Top-Ökonomen - gebündelt und übersichtlich. Führende Volkswirte und Unternehmensstrategen gehen den wichtigen wirtschaftlichen Entwicklungen clever und zuweilen kontrovers auf den Grund.
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Natixis-Chefstratege David Lafferty über die Corona-Krise
Am Zins schrauben bringt nichts
Die Verwüstungen, die der Coronavirus an den globalen Finanzmärkten angerichtet hat, sind enorm. Bis heute herrschen Unsicherheit und Verwirrung, da niemand weiß, wie weit sich die globale Pandemie ausbreiten wird. Vorerst glauben die meisten, dass es sich bei dem Ausbruch um ein relativ kurzfristiges Phänomen handelt, dem eine starke Erholungsphase folgt.
„Kurzfristig“ könnte jedoch auch bedeuten, dass seine Auswirkungen die Wirtschaftsaktivität in einer Zeitspanne von zwei bis drei oder aber auch neun bis zwölf Monaten dämpfen könnten. Die Ökonomen haben also zu tun, ihre Wachstumsprognosen für 2020 zu revidieren; nach unten gehen sie allemal. Denn der Ausbruch von Covid-19 wird wahrscheinlich die größte Herausforderung für die Weltwirtschaft seit der Weltwirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 sein.
Leider hat der Kater von 2008 das politische Instrumentarium erschöpft. Die kurzfristigen Zinssätze sind in den meisten entwickelten Märkten niedrig oder negativ, während die Bilanzen der Zentralbanken aufgebläht sind. Das verringert die Wirksamkeit weiterer Stimulierungsmaßnahmen der Geldpolitik.
In der Fiskalpolitik sind es die Haushaltsregeln in der Europäischen Union und die politischen Machtkämpfe in den USA, die – bei extrem hoher Verschuldung – die fiskalische Flexibilität einschränken. Politische Entscheidungsträger müssen also kreativer werden.
Ein guter erster Schritt wäre es, fiskalische Impulse dorthin zu lenken, wo es um die medizinische Reaktion auf den Virus geht. Weil die Pandemie vermutlich vor allem kurzfristig wirkt, werden große Konjunkturprogramme oder Infrastrukturinvestitionen wenig dazu beitragen, die Gesamtnachfrage dann anzukurbeln, wenn sie am meisten benötigt wird.
Eine direkte Ausrichtung von öffentlichen Ausgaben auf mehr Testkits oder mehr Quarantäne-Stationen in Krankenhäusern sowie eine Übernahme regionaler Ausgaben durch den Bundeshaushalt würde den Impuls schneller in die Wirtschaft bringen und gleichzeitig das eigentliche Problem angehen: die Verbreitung von Covid-19. Darüber hinaus ist es unwahrscheinlich, dass diese Art der Verwendung von Steuern auf politischen Widerstand stößt.
