Medizin: Weltweit werde intensiv an Impfstoffen gegen die Infektionskrankheit Covid-19 gearbeitet, erklärt das Robert Koch-Institut. | © cottonbro Foto: cottonbro

Debeka-Chef Thomas Brahm

„Krise zeigt Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems“

Thomas Brahm, Debeka Versicherungen

Dass Deutschland die Corona-Krise bisher besser gemeistert hat als die meisten anderen Staaten, liegt nach unserer Einschätzung nicht nur am schnellen und besonnenen Handeln aller Beteiligten, sondern vor allem auch an der Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheits­systems. Zwei Versicherungssysteme – die gesetzliche (GKV) und die private Krankenversicherung (PKV) – stehen im Wettbewerb zueinander, investieren aber in die gleiche Versorgungsinfrastruktur, die auch und gerade bei Pandemien allen Patienten zugutekommt.

Deutschland verfügt durch das Nebeneinander von GKV und PKV über ein finanziell und materiell sehr gut ausgestattetes Gesundheitssystem, das in der Corona-Krise sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich hohe Kapazitäten bereitstellen konnte. Deutschland hat beispielsweise mit Abstand die meisten Intensivbetten in der EU. Auch die hohe Zahl von Einbettzimmern in den Krankenhäusern, die zur Isolierung von Corona-Infizierten wichtig sind, gäbe es ohne die PKV gar nicht.

Wer angesichts der aktuellen Erfahrungen noch immer nach einer staatlich organisierten Bürgerversicherung ruft, wie sie etwa in England mit dem „National Health Service“ besteht, verkennt die Folgen, die ein solches System auch in Deutschland für die Patienten hätte. Die Corona-Krise zeigt einmal mehr: Wir können froh sein, dass wir mit unserem dualen System aus GKV und PKV ein so starkes und leistungsfähiges Gesundheitssystem haben. Wer daran etwas ändern will, bringt Deutschland in eine gefährliche Lage. Wir müssen nur über unsere Grenzen schauen und sehen, was passiert, wenn man Gesundheitssysteme ausbluten lässt.

Debeka baut Versicherungsbestand aus

Im ersten Halbjahr 2020 hat die Debeka Krankenversicherung unterdessen ihren Versicherungsbestand weiter ausgebaut. Mit 34.500 neu abgeschlossenen privaten Vollversicherungen wurde fast das Rekordergebnis des Vorjahres in Höhe von 35.600 erzielt. Der Bestand an Vollversicherten stieg um 15.000 auf 2.454.000. Auch die Zusatzversicherungen liegen mit 16.000 Abschlüssen auf Wachstumskurs. Mehr als jeder vierte Privatversicherte ist Debeka-Mitglied. Ich bin zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr unseren Marktanteil von knapp 28 Prozent weiter ausbauen werden. 

Die Leistungsausgaben erhöhten sich im ersten Halbjahr um 3,1 Prozent auf 2,483 Milliarden Euro, wobei der Anstieg im ersten Quartal 81 Millionen Euro betrug und im Corona-geprägten zweiten Quartal ein leichter Rückgang um 7 Millionen Euro zu verzeichnen war. Auf einzelne Leistungsbereiche heruntergebrochen ergibt sich bei ambulanten ärztlichen Behandlungen eine Steigerung um 2,0 Prozent, bei Arzneimitteln um 10,7 Prozent, bei allgemeinen Krankenhausleistungen um 2,6 Prozent und bei Chefarztleistungen um 0,6 Prozent. Lediglich bei den zahnärztlichen Leistungen ergab sich ein Rückgang um 1,8 Prozent.

Diese Zahlen zeigen, dass die teils massiven politisch motivierten Vor­würfe an die Private Krankenversicherung, sie profitiere von der Corona-Krise, unzutreffend sind. „Die Beteili­gung der PKV an den krisenbedingten Zusatzzahlungen bei den Krankenhausentgelten, die Sondervereinbarungen mit der Bundesärztekammer und der Bundeszahnärztekammer zur Beteiligung am Mehraufwand für Hygie­nemaßnahmen und vieles mehr gleichen den Rückgang der Behandlungs­fälle zu einem nicht unerheblichen Teil aus. Und wenn Versicherte aus Vorsichtsgründen in diesem Jahr keine Behandlung in Anspruch ge­nommen haben, werden im nächsten Jahr mehr Mitglieder eine Beitrags­rückerstattung erhalten als bisher. Das ist vertraglich vereinbart. Über­schüsse fließen an unsere Versicherten zurück.

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