Der White Fleet II SGVP Global Value Equity im Porträt
Fonds der WocheWiedieserDeep-Value-FondsseinantizyklischesAktienkonzeptumsetzt
Value-Ansätze gibt es viele: Distress, Classic, Garp oder Blend. Der White Fleet II SGVP Global Value Equity verfolgt hingegen einen Deep-Value-Ansatz. Wie er diesen umsetzt.
Die Strategie des Fonds wird benchmarkunabhängig geführt. Ziel ist, den Wert des Kapitals langfristig zu steigern. Dafür werden Aktien deutlich unterbewerteter Unternehmen gekauft, deren Börsenkurs einen substanziellen Abschlag zum konservativ geschätzten inneren Wert aufweist.| Bildquelle: Birte Penshorn mit Midjourney
Der White Fleet II SGVP GlobalValueEquity Fund (ISIN: LU2066957221) ist ein globaler Aktienfonds mit einem klar ausgeprägten Deep-Value-Profil. Die Strategie des Fonds wird benchmarkunabhängig geführt. Ziel ist, den Wert des Kapitals langfristig zu steigern. Dafür werden Aktien deutlich unterbewerteter Unternehmen gekauft, deren Börsenkurs einen substanziellen Abschlag zum konservativ geschätzten inneren Wert aufweist.
Gesellschaft und der Hintergrund
Hinter dem Fonds steht die Zürcher Anlageboutique SG Value Partners, die 2020 gegründet wurde und sich als unabhängiger Spezialist für Deep-Value-Aktienstrategien im Markt positioniert. Inhaltlich und personell versteht sich die Gesellschaft jedoch nicht als Neustart, sondern als Fortsetzung eines über viele Jahre aufgebauten Investmentansatzes, der bereits 2003 bei der M.M. Warburg Bank begann und fünf Jahre später, ab 2008, bei Credit Suisse Asset Management fortgeführt wurde.
Die heutige Gesellschaft bündelt damit ein über mehr als zwei Jahrzehnte aufgebautes Know-how im globalen Value Investing. Die Assets under Management der Gesellschaft belaufen sich aktuell auf rund 250 Millionen Euro. Der Fokus liegt klar auf Aktienmandaten, die mit hoher Disziplin, Geduld und einem ausgeprägt fundamentalen Deep-Value-Ansatz verwaltet werden.
Handelnde Personen
Die personelle Beständigkeit gehört zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren des Fonds: Gregor Trachsel und Sven Sommer arbeiten seit vielen Jahren gemeinsam an globalen Value-Strategien und verantworten den Track Record der zugrundeliegenden Strategie seit Dezember 2004. Seit 2008 wird der Fonds in seiner heutigen globalen Ausrichtung verwaltet.
Trachsel ist Chief Investment Officer von SG Value Partners und prägt den Investmentansatz maßgeblich. Vor der Gründung von SG Value Partners leitete er das Value-Strategy-Team bei Credit Suisse Asset Management und bekleidete zuvor eine vergleichbare Funktion bei der M.M. Warburg Bank in Zürich. Frühere Stationen umfassen Tidemark Capital in New York, Strategie- und Investmentprojekte für das Family Office der Sandoz Foundation sowie eine Tätigkeit als Buy-Side-Analyst beim Vontobel US Value Fund. Er verfügt über einen BSBA der University of Denver und einen MBA der Columbia Business School.
Sommer ist Chief Executive Officer und ebenfalls seit vielen Jahren eng mit der Strategie verbunden. Vor SG Value Partners war er Senior Portfolio Manager im Value-Strategy-Team der Credit Suisse und zuvor bei der M.M. Warburg Bank für die traditionelle Vermögensverwaltung verantwortlich sowie Mitglied des Investment Committee. Seine Laufbahn begann mit einer Banklehre bei der Zürcher Kantonalbank, später folgte der Abschluss als diplomierter Betriebswirtschafter HF.
Ergänzt wird das Investmentteam unter anderem durch David Willi, der als Portfolio Manager bei SG Value Partners tätig ist und zuvor ebenfalls im Value-Strategy-Team der Credit Suisse arbeitete. Willi verfügt über einen Master in Maschineningenieurwissenschaften der ETH Zürich und trägt den Titel Chartered Financial Analyst. Innerhalb des Hauses unterstreicht seine Rolle, dass die Strategie nicht als One-Man-Show verstanden wird, sondern als Teamprozess mit gemeinsam erarbeitetem Research und gemeinsamer Beurteilung von Chancen und Risiken.
Zur erweiterten Führungsmannschaft zählen darüber hinaus Claudia Nussdorfer als Chief Operating Officer sowie Adrian Gmür im Relationship Management. Für Investoren ist diese Aufstellung wichtig, weil sie Stabilität, klare Verantwortlichkeiten und eine breite institutionelle Abstützung des Investmentprozesses bietet.
Fondsprofil
Der SGVP Global Value Equity Fund ist ein Luxemburger Sicav-Aktienfonds mit globalem Anlageuniversum (inklusive Schwellenländer). Die Strategie ist ausdrücklich benchmarkunabhängig. Der Fonds hat keinen offiziellen Referenzindex, die Anlageentscheidungen werden also nicht relativ zu einem Index getroffen, sondern ausschließlich aus der Bewertung einzelner Unternehmen und dem erwarteten absoluten Wertsteigerungspotenzial abgeleitet. Am 5. Juli 2024 wurde der Fonds mit dem Credit Suisse Lux Global Value Equity Fund fusioniert. Entscheidend ist dabei, dass sich die Anlagestrategie infolge dieser Fusion nicht geändert hat, womit die inhaltliche und personelle Kontinuität des Ansatzes bestätigt wurde.
Anlageziel und Philosophie
Das Anlageziel des Fonds besteht darin, unter Beachtung des Grundsatzes der Risikostreuung eine langfristige Kapitalwertsteigerung zu erzielen. Investiert wird weltweit in börsennotierte Unternehmen, die nach Einschätzung des Managements mit einem erheblichen Abschlag auf ihren inneren Wert gehandelt werden.
Der Fonds ist eindeutig in der Tradition des klassischen Value Investing nach Benjamin Graham verankert. SG Value Partners verbindet diesen Ursprung mit einer modernen Deep-Value-Ausprägung, die gezielt dort sucht, wo der Markt aus Angst, Komplexität oder Informationsmangel attraktive Unternehmen vernachlässigt oder übermäßig abstraft.
Im Zentrum steht die Überzeugung, dass sich gerade bei vorübergehend unbeliebten, zyklischen, komplexen oder operativ belasteten Unternehmen besonders interessante Bewertungsineffizienzen ergeben können. Gesucht werden vor allem etablierte Firmen mit nachvollziehbarem Geschäftsmodell und belastbarem Leistungsausweis, deren aktuelle Bewertung in keinem angemessenen Verhältnis zur eigentlichen Ertragskraft steht.
Charakteristisch für den Ansatz ist die konsequente Orientierung an der Sicherheitsmarge. Kauf- und Verkaufsentscheidungen hängen nicht an kurzfristigen Kursbewegungen, sondern an der Differenz zwischen Marktpreis und konservativ ermitteltem innerem Wert.
Investmentprozess
Der Investmentprozess ist dreistufig aufgebaut und folgt den drei Schritten „Suchen, Beurteilen und Bewerten“. In der ersten Phase arbeitet das Team vorurteilslos, kreativ und opportunistisch. Als zentrale Quellen für neue Ideen dienen Finanzdatenbanken, Aktienführer, Zeitungen, Fach- und Branchenpublikationen sowie das Internet.
In der zweiten Phase wird das jeweilige Unternehmen wie ein unternehmerisches Investitionsprojekt analysiert. Dabei stützt sich das Team auf ökonomische Kriterien sowie auf firmen- und branchenspezifische Evaluationsmodelle, darunter auch Instrumente wie das Porter-Fünf-Kräfte-Modell.
Die dritte Phase gilt der konservativen Bewertung. Der innere Wert eines Unternehmens wird primär über die Discounted-Free-Cash-Flow-Methode ermittelt. Zusätzlich werden Vermögenswerte anhand von Reproduktionskosten sowie beobachteten oder geschätzten Marktpreisen beurteilt. Eine Investition kommt nur dann in Frage, wenn sich daraus eine erhebliche Unterbewertung ergibt, sprich, das Management sucht nach Fällen, in denen sich ein Dollar an wirtschaftlichem Wert für etwa fünfzig Cent erwerben lässt.
Ebenfalls wichtig ist der negative Auswahlprozess. Der Großteil der identifizierten Ideen wird verworfen. Weiterverfolgt werden nur die überzeugendsten Fälle, bei denen Unternehmensqualität, Branchenstruktur, Bewertungsabschlag und Risikoeinschätzung in Summe ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis ergeben.
Kriterien der Titelauswahl
Bei der Aktienauswahl verbindet das Management vier zentrale Punkte: Unternehmen, Branche, Bewertung und Risiko. Auf Unternehmensebene spielen eine gesunde Bilanz, vertretbare Verschuldung, konservative Unternehmensführung, robuste normalisierte operative Margen und hoher normalisierter freier Cashflow eine tragende Rolle.
Auf Branchenebene werden bevorzugt Geschäftsmodelle gesucht, die in oligopolistischen Strukturen tätig sind, hohe Markteintrittsbarrieren aufweisen und sich langfristig fundamental beurteilen lassen. Die Bewertungsfrage bleibt dennoch das dominierende Kriterium: Erst wenn die finanzmathematische Analyse eine signifikante Unterbewertung erkennen lässt, wird ein Titel überhaupt investierbar.
Ergänzend prüft das Team stets das Risiko eines Analysefehlers. Damit wird nicht nur gefragt, wie attraktiv eine Aktie erscheint, sondern auch, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die zugrundeliegende Einschätzung des inneren Werts oder der Geschäftsdynamik fehlerhaft sein könnte.
Portfoliokonstruktion und Risikomanagement
Der Fonds wird Bottom-up und diskretionär verwaltet. In einem normalen wirtschaftlichen Umfeld hält das Portfolio in der Regel zwischen 50 und 80 Positionen, die typische Bandbreite liegt bei 40 bis 60 Titeln bei einer durchschnittlichen Halte-dauer von rund vier bis acht Jahren.
Beim Portfoliomanagement verfolgt SG Value Partners grundsätzlich einen gleichgewichteten Ansatz. Neue Positionen werden ungefähr in Höhe der durchschnittlichen Positionsgröße aufgebaut. Damit soll verhindert werden, dass einzelne Überzeugungen ein übermäßiges Klumpenrisiko erzeugen oder sich das Management emotional zu stark in einzelne Investmentideen verliebt. Fremdwährungen werden nicht abgesichert, Derivate kommen nicht zum Einsatz; die Liquiditätsquote liegt typischerweise zwischen 1 und 3 Prozent.
SG Value Partners versteht Risiko nicht als kurzfristige Volatilität, sondern als Möglichkeit eines dauerhaften Kapitalverlusts. Entsprechend steht nicht die Glättung von Kursschwankungen im Vordergrund, sondern die Vermeidung struktureller Fehl-allokationen durch Sicherheitsmarge, Bilanzqualität, Diversifikation und laufende fundamentale Überprüfung aller Beteiligungen.
Ein weiterer Punkt im Risikomanagement: Abhängig von der Einschätzung der Marktgegebenheiten (Makro- und Mikro) erfolgt die Steuerung des Risikos durch die Kombination der Liquiditäts-Quote sowie den Einsatz von F&O zur Steuerung der Netto-Aktienquote, wenn die Fondsmanager den Markt als überbewertet und nahe dem Zyklus-Hoch ansehen.
Verkaufskriterien und laufende Überwachung
Ein Titel wird in der Regel verkauft, wenn der Aktienkurs den konservativ geschätzten inneren Wert erreicht oder überschreitet. Ebenso kommt ein Verkauf in Betracht, wenn sich die fundamentalen Grundlagen eines Investments verschlechtern, der innere Wert sinkt oder nicht mehr belastbar bestimmt werden kann.
Darüber hinaus überprüft das Management die Portfoliobestände fortlaufend und reagiert auf neue Opportunitäten. Steigt eine Position deutlich und verliert ihren Bewertungsvorteil, kann Kapital in attraktivere Ideen umgeschichtet werden, die aus Sicht des Teams eine größere Sicherheitsmarge bieten.
Rendite, Volatilität und Portfolio
Die Rendite der Strategie ist überdurchschnittlich und überzeugend. Der Fonds selbst ist zwar noch recht jung, allerdings ist die Strategie im Pendant von Warburg, welche auch vom Managementteam verwaltet wird, schon über 20 Jahre alt. Diese schlägt die Vergleichsgruppe der globalen All Cap Fonds deutlich.
Bei den Sektoren dominiert der Industriesektor mit rund 27 Prozent, gefolgt von nichtzyklischen Konsumgütern mit circa 15 Prozent, danach folgen Materialien mit knapp 14 Prozent, Kommunikationsdienstleistung mit knapp 12 Prozent sowie Finanzen und Energie mit rund 7,5 Prozent. Japan ist die am höchsten gewichtete Region mit ca. 16 Prozent, Italien folgt mit knapp 14 Prozent, die USA sind mit knapp 12 Prozent gewichtet, UK macht knapp 9 Prozent des Fondsvolumens aus und Frankreich ist mit circa 7,5 Prozent allokiert. Besonders interessant: Das Portfolio weist praktisch kaum Überschneidungen mit den üblichen globalen Aktienbenchmarks auf.
Zu den wichtigsten Alleinstellungsmerkmalen der Strategie zählen die Langfristigkeit, die Disziplin in der Umsetzung, das über Jahre unveränderte Anlageteam sowie die Bereitschaft, auch in kapitalintensive und gegebenenfalls unpopuläre Geschäftsmodelle zu investieren. Daraus entsteht ein Portfolio, das sich deutlich von den bekannten wachstumsorientierten Standardlösungen absetzt und gerade deshalb ein Portfolio optimal ergänzen kann.
Für welche Anleger der Fonds geeignet ist
Der Fonds richtet sich an Anleger, die einen langen Atem mitbringen und bereit sind, temporäre Phasen relativer Schwäche auszuhalten. SG Value Partners nennt ausdrücklich einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren sowie die Bereitschaft, kurzfristige Marktschwankungen und zwischenzeitliche Underperformance gegenüber Mainstream-Indizes zu ignorieren.
Der Ansatz dürfte besonders gut in Marktphasen funktionieren, in denen zyklische, substanzstarke und zuvor vernachlässigte Unternehmen wiederentdeckt werden oder eine operative Normalisierung und Bewertungsaufholung am Markt stattfindet. Herausfordernder ist das Umfeld typischerweise dann, wenn der Markt wie zuletzt stark von wenigen wachstumsstarken Large-Caps dominiert wird oder konjunkturelle Abschwünge Risikoaversion gegenüber kleineren, zyklischeren und schwellenländerbezogenen Titeln verstärken.
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