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Klaus Möller ist Vorstand des Heidelberger Defino Instituts. Möller war Mitglied des Arbeitskreises zur Erstellung der DIN 77230 beim Deutschen Institut für Normung. | © Defino

Defino-Chef zum Umgang mit DIN 77230 „Normen nicht im eigenen Interesse zurechtbiegen“

Um gleich zu Beginn mit einem kapitalen Irrtum aufzuräumen: Normen sind keine Regulatorik. Sie entstehen nicht wie die politischen Oktroys der letzten Jahre in den Hinterzimmern der Macht auf Initiative von politischen Verbraucherschützern, die wie die Pädagogen des 19. Jahrhunderts überzeugt sind, dass nur ein System aus Androhung und Bestrafung wirklich zu Veränderungen führt. Selbsterkenntnis ist da nicht eingeplant.

Normen entstehen – unglaublich, aber wahr –, indem sich Marktteilnehmer, Wissenschaftler, Verbraucherschützer und Politiker eben von Selbsterkenntnis motiviert nach öffentlicher Ausschreibung durch das Deutsche Institut für Normung (DIN) gemeinsam an einen Tisch setzen. Ein DIN-Ausschuss wird nicht besetzt, sondern er findet sich, indem alle zusammenkommen, die zu dem Thema etwas zu sagen haben und es auch sagen wollen. Da kann keine Meinung ausgeschlossen werden und keiner kann das Gremium dominieren; denn Normen entstehen im Konsens.

Normen sind Einladungen

Wer die Idee zur Standardisierung eines Themas mit DIN umsetzen will, der gibt das Thema aus der Hand. Der kann ein Konzept einbringen, muss es aber einer völlig ergebnisoffenen Diskussion stellen, an deren Ende eine andere als die vom Initiator geplante Lösung stehen kann. Aber dieses Ergebnis ist dann eines, auf welches sich alle im Einvernehmen verständigt haben und das allen nutzt.

Normen zeigen Möglichkeiten zu mehr Glaubwürdigkeit, Nachvollziehbarkeit und damit zu mehr Verbraucherorientierung, zugleich auch zu mehr Effizienz und damit auch zu mehr Profitabilität.

Normen sind somit das genaue Gegenteil von „von oben aufoktroyiert“. Sie sind ein Stück Basisdemokratie. Sie sind mitnichten Regulatorik, sondern Einladung. Keiner muss, jeder darf.

Annehmen oder ablehnen, nicht zurechtbiegen

Der Reflex „Wie kriege ich das mit dem geringstmöglichen Aufwand geregelt? Oder wie kann ich so tun als ob, ohne dass es jemand merkt?“ ist auf Normen bezogen völlig unpassend. Normen sollte man akzeptieren oder die Finger von ihnen lassen. Man sollte sie nicht im scheinbar eigenen Interesse zurechtbiegen.

Diese Forderung gilt in besonderer Weise für die DIN 77230 „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“. Ihr Ursprung liegt in dem Bestreben, mehr Vertrauen der Verbraucher in die Arbeit ihrer Makler und Vermittler zu schaffen. Nach wie vor liegen beispielsweise die Versicherungsvertreter im Vertrauensindex der Gesellschaft für Konsumforschung GfK mit 22 Prozent auf dem vorletzten Platz vor den Politikern, und ihr Ansehen bewerten nur acht Prozent der Deutschen hoch.

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