Preissteigerungen bei Rohstoffen haben noch im Jahr 2012 0,7 Prozentpunkte zur Inflationsrate beigetragen. (Foto: Paul Fleet / Fotolia)

Preissteigerungen bei Rohstoffen haben noch im Jahr 2012 0,7 Prozentpunkte zur Inflationsrate beigetragen. (Foto: Paul Fleet / Fotolia)

Deflation oder Inflation?

Das Deflationsrisiko in der Eurozone ist gering

Das schnelle Absinken der Inflation in der Eurozone seit Ende 2013 hat vielerorts Sorgen ausgelöst, dass Europa in eine Deflation abrutschen könnte.

Maxime Alimi und Ombretta Signori von AXA Investment Managers halten das Risiko, dass dies tatsächlich geschehen könnte, allerdings für gering. „Es gibt viele Gründe für die schwache Preisdynamik. Nur wenige davon hängen mit den wirtschaftlichen Bedingungen in Europa selbst zusammen“, schreiben die beiden Ökonomen in einem aktuellen Research-Papier.

Alimi und Signori gehen davon aus, dass die niedrige Inflation vor allem zyklische und weniger strukturelle Ursachen hat. „Wir erwarten, dass die Inflationsrate sich im Jahr 2015 schrittweise wieder der Spanne zwischen 1 und 1,5 Prozent nähern wird.“ Ein wesentlicher Faktor für den starken Rückgang der Teuerung sei die Tatsache, dass die Preise auf dem globalen Rohstoffmarkt zur selben Zeit gesunken seien wie die Kerninflationsrate in Europa. So hätten Preissteigerungen bei Rohstoffen noch im Jahr 2012 0,7 Prozentpunkte zur Inflationsrate beigetragen.

Derzeit dagegen drückten Rohstoffe das Preisniveau sogar nach unten. Auch die Inflation bei Nahrungsmitteln sei aufgrund stark gesunkener Preise für Agrarrohstoffe zurückgegangen. Dar-über hinaus hätten steuerliche Effekte im Jahr 2012 die Inflationsrate um 0,4 Prozentpunkte erhöht, während sie aktuell nur zu einem Anstieg von 0,1 Prozent führten. Die um Steuereffekte bereinigte Kerninflationsrate sei dagegen lediglich von 1,0 Prozent zu Beginn des Jahres 2013 auf 0,8 Prozent im Februar 2014 gefallen.

Sinkende Preise bei einem Fünftel der Güter im Warenkorb

Auch eine andere Betrachtungsweise lege nahe, dass die Deflationsrisiken begrenzt seien: Angesichts der Definition von Deflation als nachhaltigem Rückgang der Verbraucherpreise auf breiter Front sei es entscheidend, bei wie vielen Warengruppen die Preise sänken, so die Experten. Derzeit sei dies bei etwa einem Fünftel der 93 Güter im Warenkorb zur Berechnung des Verbraucherpreisindex der Fall.

„Dies ist – gemessen an historischen Standards – ein relativ hohes Niveau“, erläutern Alimi und Signori. „Einzigartig ist es allerdings nicht.“ So seien Anfang des Jahres 2010 sogar bei rund 30 Prozent der Güter im Warenkorb die Preise gefallen. Aktuell seien dagegen nur einzelne Länder wie etwa Spanien stärker von fallenden Preisen betroffen. Die Schlussfolgerung der beiden Autoren: „Deflation ist ein Risiko für bestimmte Länder der Eurozone, allerdings nicht für die Region insgesamt.“ Wie sich die Inflation im weiteren Jahresverlauf entwickle, hänge nun von verschiedenen Faktoren ab, etwa von den Erzeugerpreisen und Löhnen oder den Inflationserwartungen der Verbraucher.

Mithilfe ihres Modells, das auf diesen Faktoren beruht, prognostizieren Alimi und Signori, dass die Inflation im Euroraum bereits im März 2014 ihren Tiefpunkt erreicht: „Anschließend wird sich die Inflationsrate knapp unter 1 Prozent halten und sich im Verlauf des Jahres 2015 wieder in Richtung der 1,5-Prozent-Marke bewegen.“ Durch ein Anziehen der Weltwirtschaft oder steigende Rohstoffpreise könne es sogar zu stärkeren Preissteigerungen kommen. Dies hat auch Implikationen für Investoren. Alimi und Signori verweisen darauf, dass die Inflationserwartungen des Marktes, gemessen an den Inflationsswap-Sätzen derzeit sehr niedrig sind, vor allem im längerfristigen Bereich. So betrage der Swap-Satz für fünfjährige Laufzeiten aktuell 1,2 Prozent, der für zehnjährige Laufzeiten 1,6 Prozent.

„Die Bewertungen sind also niedrig. Wir raten langfristig orientierten Investoren daher dazu, allmählich Inflationsschutz einzukaufen“, so die Experten. Für kurzfristig orientierte Anleger sei es dagegen schwieriger, das richtige Timing zu finden – auch wenn inflationsindexierte Anleihen zunehmend attraktiver würden.

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