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Degussa-Chefvolkswirt erklärt Warum das Wort „Währungskrieg“ Anleger in die Irre führt

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Zentralbanken drücken die Marktzinsen

Im heutigen ungedeckten Papiergeldsystem, in dem die staatlichen Zentralbanken das Geldproduktionsmonopol innehaben, ist der Anreiz groß und die Möglichkeiten besonders weit gespannt, mittels geldpolitischer Tricksereien die Wechselkurse nicht nur direkt, sondern auch indirekt zu beeinflussen. Ein gutes Beispiel dafür liefert die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Politik der Anleihekäufe, die sie mit neu geschaffenem Geld bezahlt.

Die EZB drückt die Marktzinsen auf künstlich niedrige Niveaus. Das wiederum senkt die ausländische Nachfrage nach Euro. Die Folge ist ein nachgebender Euro-Außenwert. Verstärkt wird diese Wirkung dadurch, dass die EZB die kurzlaufenden Zinsen in den Negativbereich abgesenkt hat. Nun sollte man aber nicht meinen, durch eine Währungsabwertung ließe sich quasi per Knopfdruck eine positive Wachstums- und Beschäftigungswirkung erzielen.

Auffälliger Gleichlauf zwischen EZB-Bilanz und Goldpreis

Bilanzsumme der EZB in Mrd. Euro und Goldpreis (Euro/oz); Quelle: Thomson Financial. Gepunktete Linie: Entwicklung der EZB-Bilanzsumme, wenn die Anleiheaufkäufe wie geplant bis Ende 2017 fortgeführt werden.

Selbstschädigung für alle Beteiligten

Exportunternehmen profitieren zwar von einer Abwertung der heimischen Währung, weil die Auslandserträge (in heimischer Währung gerechnet) steigen. Gleichzeitig verteuern sich jedoch die Güter, die sie aus dem Ausland erwerben (wie zum Beispiel Energie, Computerteile und anderes mehr), und die Produktionskosten steigen. Ob eine Währungsabwertung Unternehmen begünstigt, ist daher sehr fraglich, gerade in einer zusehends verflochtenen Weltwirtschaft.

Und selbst wenn eine Währungsabwertung kurzfristig die Konjunktur belebt, bräuchte es immer stärkere Geldmengen- und Inflationsschübe, um die gewünschte Wechselkursabwertung und Wirtschaftsbelebung in Gang zu halten. Eine unheilvolle Abwärtsspirale ist die Folge: Der Währungswert wird ruiniert. Und das nicht nur in dem Land, das den Abwertungswettlauf beginnt, sondern auch in allen anderen, die sich daran beteiligen.

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