Degussa-Chefvolkswirt Thorsten Polleit

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Darum ist Gold besser als Euro-Bankguthaben

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Der jüngste Goldpreisanstieg – am 11. Februar 2016 erreichte er kurzzeitig einen Preis von 1.263 US-Dollar je Unze – ist einhergegangen mit einem deutlichen Zuwachs der Goldnachfrage seitens der „Exchange Traded Funds“ (ETFs).



Gold-ETFs werden vor allem auch von institutionellen Investoren nachgefragt. Dass gerade sie wieder Interesse am Gold haben, lässt sich durch die jüngst wieder nachlassenden Zinssteigerungserwartungen in den USA erklären.



Niedrige Zinsen sind prinzipiell positiv für die Goldnachfrage, weil sich die Goldhaltung verbilligt (dem Goldhalter entgehen keine Zinsen, die er andernfalls mit dem Erwerb von zinstragenden Wertpapieren erzielen kann). Dabei ist jedoch zu beachten, dass der US-Dollar seit Herbst 2011 gegenüber allen wichtigen Währungen aufwertet. Das war verbunden mit einem Rückgang des Goldpreises in US-Dollar.



Solange der Greenback seine Funktion als „sicherer Hafen“ noch erfüllt, wird er ein ernster Konkurrent zum Gold bleiben. Der Anstieg des Goldpreises in US-Dollar wäre damit zwar nicht ausgeschlossen, er bliebe aber „gedeckelt“.

Goldpreis in Euro


Anders stehen die Dinge für den Goldpreis in Euro gerechnet. Er dürfte insbesondere von den wachsenden Problemen im Euro-Bankensektor beeinflusst werden.

Der überdimensionierte Euro-Bankapparat leidet nicht nur unter geringer Profitabilität. Viele Euro-Banken könnten noch durch Kreditausfälle in eine äußerst schwierige Lage geraten.



Um die Zahlungsfähigkeit der Banken zu gewährleisten und ihre Kreditkosten niedrig zu halten, wird die Europäische Zentralbank (EZB) die (Basis) Geldmenge immer weiter ausweiten müssen. Ein solches Anschwellen der Euro-Basisgeldmenge hat das Zeug dazu, den Euro-Außenwert weiter abwerten zu lassen ? weil sie vermutlich noch viel stärker ausgeweitet wird, als es derzeit erwartet wird.



Der negative Einlagenzins der EZB macht zudem Auslandsanlagen attraktiv(er). Euro werden daraufhin auf den Devisenmärkten verstärkt gegen Auslandswährungen angeboten, der Euro-Außenwert gibt nach.



Die Zentralbankpolitiken lösen nicht etwa die Probleme in der internationalen Finanzarchitektur. Sie übertünchen sie allenfalls kurzfristig ? schwören aber damit längerfristig eine noch größere Krise herauf.

Für Anleger im Euroraum bietet das Gold nicht nur eine attraktive Alternative zu Euro-Bankguthaben, sondern mittlerweile auch zu längerfristigen Euro-Bankguthaben, die wohl früher oder später einen Negativzins tragen werden.

Angesichts der wachsenden Spannungen in den Finanzmärkten scheint der Goldpreis nicht nur seinen Boden gefunden zu haben, er scheint nunmehr auch auf seinen langfristigen Aufwärtstrend eingeschwenkt zu sein.

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