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Deka-Chefvolkswirt über Deflationsspirale „Ölpreisanstieg setzt sich fort - bis 65 Dollar je Barrel“

Ulrich Kater

Ulrich Kater

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DAS INVESTMENT.com: Die jährliche Inflationsrate in den 19 Euro-Ländern liegt wieder im Minusbereich. Hat die EZB versagt - trotz ihrer expansiven Geldpolitik?

Ulrich Kater: Die aktuell negative Inflationsrate in den 19 Euro-Ländern ist zum großen Teil energiepreisbedingt. Die konjunkturelle Erholung im Euroland reicht gegenwärtig einfach nicht aus, um die schwache Energiepreisentwicklung auszugleichen. So hat sich der Ölpreis in der zweiten Jahreshälfte 2014 halbiert und ist zuletzt nur leicht angestiegen. Verstärkend kam hinzu, dass die schwache Entwicklung der Weltkonjunktur mit dem Plan der EZB kollidierte, durch einen schwachen Euro für importierte Inflation zu sorgen. Denn der Wechselkurs des Euro zog durch die Schwäche der Emerging-Markets-Länder zuletzt wieder an. 

Expansive Geldpolitik alleine kann die strukturellen Probleme Europas nicht lösen, denn auch der konjunkturelle Ausblick entscheidet, ob Unternehmen Investitionen tätigen.  Zwar nimmt die Kreditvergabe seit 2013 zu, das heißt der Transmissionsmechanismus zwischen Geldpolitik und Realwirtschaft funktioniert für sich genommen. Zugleich haben aber die globalen Unsicherheiten im Zuge der Griechenlandkrise und die Sorge um die Konjunktur der Schwellenländer wieder stark zugenommen und tragen zur Verschlechterung des Investitionsklimas bei.

Schlittert Europa gerade in eine Deflationsspirale?

Kater: Es ist durchaus denkbar, dass Europa sich an der Kante zur Deflation befindet. Das volle Ausmaß der Auswirkungen der Emerging-Markets-Schwäche auf den Euroraum bleibt abzuwarten.  Gegenwärtig sind noch keine negativen Zweitrundeneffekte zu beobachten und der schwache Euro wird die Exportwirtschaft auch noch in den kommenden Quartalen stützen. Trotz vieler Konjunkturstimuli bleibt das Wachstum hinter den Erwartungen zurück, was für eine gefährliche Unterauslastung der Produktionskapazitäten spricht. 

Gegenwärtig stehen die Chancen für eine positive Entwicklung aus unserer Sicht jedoch noch etwas höher. Zum einem stabilisiert sich der Euroraum selbst. Der private Konsum wuchs seit Mitte 2013, unter anderem auch durch Aufholeffekte bei den Reformstaaten der Peripherie und den osteuropäischen EWU-Mitgliedern. Zum anderen erwarten wir eine von den USA ausgehende Zugkraft für die Konjunktur im kommenden Jahr und einen in der Summe positiven Effekt durch moderat steigende (Energie-)Rohstoffpreise.