Wie würde sich eine nachhaltige und signifikante Deflation auf die Anlageklassen Aktien, Anleihen, Immobilien, Gold und Cash auswirken und wie sollten Investoren, die von einem solchen Szenario ausgehen, ihre Asset Allocation gestalten? 

Kater: In diesem Worst-Case-Szenario wären die Ertragschancen fast aller genannten Assetklassen denkbar schlecht. Durch den Preisverfall und die sinkenden Unternehmensgewinne würden Aktien und Immobilien eher an Wert verlieren, der Goldpreis korreliert ohnehin positiv mit Inflationserwartungen. Investoren, die von einem solchen Szenario ausgehen, sollten auf langlaufende Staatsanleihen von Staaten guter Bonität setzen, da diese selbst bei den aktuell extrem niedrigen nominalen Zinsen höhere reale Zinsen in der Zukunft abwerfen würden. Letzterer Punkt gilt zwar im Prinzip auch für Unternehmensanleihen. Nur wird es im Laufe einer Deflation immer selbst für solide Unternehmen schwieriger, die steigende reale Schuldenlast bedienen zu können. 

Ein weiterer zu berücksichtigender Aspekt ist allerdings, dass die EZB das Wertpapierankaufprogramm bei Anzeichen für eine solche Entwicklung höchstwahrscheinlich  auf weitere Assetklassen, wie etwa Anleihen halbstaatlicher Emittenten und Unternehmensanleihen, ausweiten würde – am Ende sogar auf Aktien. Erstere profitieren in der Kursentwicklung bereits jetzt von negativen Konjunkturüberraschungen und auch für Aktien würde eine negative Deflationsperformance durch die EZB zumindest abgeschwächt.

Wann rechnen Sie damit, dass die Inflation in Europa wieder zumindest in die Nähe der EZB-Zielmarke von 2 Prozent herankommen wird?

Kater: Wir können uns eine moderate Beschleunigung der Inflation in Europa frühestens ab dem Jahr 2017 vorstellen, die angetrieben würde durch die Signalwirkung inflationärer Tendenzen in den USA und steigenden Rohstoffpreisen. 

„Dividenden sind der neue Zins“ - stimmen Sie dieser Aussage zu?

Kater: Im aktuellen Niedrigzinsumfeld führt kein Weg vorbei an Aktien. Allerdings ist gerade auch in den USA der Verschuldungsgrad vieler Unternehmen hoch, während die Gewinne stagnieren, so dass wenig Luft nach oben für Dividendenausschüttungen bleibt. Und die Kursbewertungen sind oft ausgereizt. Für den europäischen und deutschen Aktienmarkt bewerten wir die Lage positiver, da hier die Unternehmensgewinne zuletzt leicht angestiegen sind und die Bewertungen sich im neutralen Bereich bewegen.