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Menschlicher und künstlicher Arm. Im Jahr 2025 werden viel mehr Abläufe im Versicherungsvertrieb digital sein, sagt Karsten Allesch vom DEMV. | © Getty Images

DEMV-Chef Karsten Allesch Ein Tag im Versicherungsvertrieb des Jahres 2025

8.30 Uhr

Frisch in meinem Büro angekommen lese ich mir die digitale To-do-Vorschlagsliste meines Selbstverwaltungsprogramms durch. Früher gab es dafür die Bezeichnung Maklerverwaltungsprogramm. Ja genau, es geht nicht mehr ausschließlich um die Kunden, sondern auch darum, mich selbst digital effizient durch den Tag zu lotsen. Durch die stetig zunehmende Informationsflut gibt es inzwischen Priorisierungsprogramme, die Kommunikationskanäle wie E-Mails und Social-Media-Plattformen mit meinem Terminkalender abgleichen. Auf Basis vorhandener Kundendaten machen sie dann Vorschläge für meinen Arbeitstag.

Karsten Allesch 
Foto: DEMV

Heute starte ich mit der Bearbeitung einer der vielen Kundenselektionen: Durch sie erhalten zum Beispiel solche Kunden eine automatische Push-Nachricht, deren Versicherungsschutz nicht mehr aktuell oder ausreichend ist. Per Web-App kann der Kunde mit einem Knopfdruck die neuen Versicherungsbedingungen annehmen. Herkömmliche Apps gibt es nicht mehr, weil diese aus dem App-Store heruntergeladen und ständig aktualisiert werden müssten. Wenn Daten für den Vertragsabschluss fehlen, kann der Kunde diese direkt eingeben. Im Hintergrund läuft der komplette Verwaltungsvorgang ohne menschliches Zutun ab. Das System reicht automatisiert den Antrag ein, erstellt die Beratungsdokumentation, kündigt die Vorversicherung, gleicht Policen miteinander ab und kontrolliert den Eingang der Courtage sowie die Abrechnungen der Mitarbeiter.

Früher habe ich 70 Prozent mit Verwaltungsaufgaben verbracht. Dies hat sich komplett gedreht. Die Fehlerquote ist übrigens geringer als früher bei der manuellen Verarbeitung. Und durch die gewonnene Zeit kann ich mich deutlich mehr um meine Kunden kümmern.

9.30 Uhr

Ich bitte mein Selbstverwaltungsprogramm mittels Sprachsteuerung, alle ausgewählten Kunden aufzulisten, damit ich diese kontaktieren kann. Es ist wirklich angenehm, sich nicht mehr durch die oft unübersichtlichen Oberflächen klicken zu müssen. Warum ich die Kunden jetzt kontaktiere? Das Bewusstsein der Kunden für die möglichen Risiken bei fehlendem oder nicht ausreichendem Versicherungsschutz ist auch heute noch sehr gering. Versicherungen werden weiterhin verkauft und nicht gekauft, und ein Mensch ist hier immer noch überzeugender als eine Maschine.

Die Kontaktaufnahme zum Kunden findet bei mir häufig digital statt. Meist nutze ich dabei Messenger-Dienste, Social Media oder Video-Beratungen in 3-D. Zum Glück ist im vergangenen Jahr in Deutschland endlich flächendeckend das schnelle Internet mit dem Standard 5G eingeführt worden. Dies ermöglicht mir wesentlich mehr Kundentermine als früher. Laut meinem Selbstverwaltungsprogramm habe ich durchschnittlich etwa 18 Kundenkontakte pro Tag. Sie dauern meist jeweils nur einige Minuten.

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