Karina Litvack von F&C

Karina Litvack von F&C

„Den Regenschirm nicht erst rausholen, wenn der Sturm kommt“

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DAS INVESTMENT.com: BP, Deutsche Bank, Nestlé sind nur einige Beispiele für Firmen, die nachhaltige Investoren nicht in ihren Portfolios sehen wollen. Beim Engagement-Ansatz sind sie nicht per se ausgeschlossen. Was bringt mir das als nachhaltiger Investor dann überhaupt?

Karina Litvack: Viel. Es stimmt, dass wir eine Firma nicht sofort verkaufen, wenn sie beispielsweise umweltschädlich produziert oder die sozialen Standards zu wünschen übrig lassen. Wir sind lieber aktiv und langfristig unterwegs. Wir setzen da an, wo die Probleme sind. Das ist durchaus im Sinne nachhaltiger Investoren.

DAS INVESTMENT.com: Was heißt das genau?

Litvack: Statt in die Konfrontation zu gehen, suchen wir den Dialog. Wir wollen die Firmen-Lenker überzeugen, ihr Unternehmen nachhaltiger auszurichten – mit guten Argumenten, nicht mit Drohungen. Wir sind nicht Greenpeace oder Amnesty International. Wir sitzen im selben Boot und wollen, dass sich die Firma gut am Markt positioniert und Performance bringt. Wir sind die kritischen Freunde.

DAS INVESTMENT.com: Sind sie da nicht manchmal ein bisschen zu nett?

Litvack: Nein, das sehe ich nicht so. Es heißt zwar immer, man kann die Unternehmen nicht kritisieren, dann hören die Chefs nicht mehr zu, aber das stimmt nicht. Immer mehr Unternehmen holen sich inzwischen sogar Berater ins Haus, um sie zu kritisieren. Viele haben erkannt, dass es besser ist, den Regenschirm nicht erst rauszuholen, wenn der Sturm kommt.

DAS INVESTMENT.com: Hören die Unternehmen denn auf sie und werden tatsächlich nachhaltiger?

Litvack: Wir haben nicht die Macht, um die Firmen zu etwas zu zwingen. Aber wir haben viele Mandate von Pensionsfonds, Versicherungen und Banken. Das gibt uns durchaus mehr Einflussmöglichkeiten. Gute Argumente sind aber immer noch der beste Ansatz, etwas zu verändern.

DAS INVESTMENT.com: Werden die guten Argumente dann auch umgesetzt oder läuft das nach dem Motto „schön, dass wir mal drüber geredet haben“?

Litvack: Man darf sich nichts vormachen. Es ist ein langfristiger Prozess, der die Unternehmen oft auch Geld kostet. An erster Stelle steht die Business-Strategie und dann erst, wie minimiere ich die negativen Auswirkungen meiner Produktion. Gefahr erkannt, heißt noch lange nicht, Gefahr gebannt. Uns wäre es natürlich auch lieber, dass die Auswirkungen auf Umwelt und Mensch bereits im ersten Schritt berücksichtigt werden, also schon zur Business-Strategie zählen. Wir können aber durchaus Erfolge verbuchen.

DAS INVESTMENT.com: Welche zum Beispiel?

Litvack: BP beispielsweise preist den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid bei allen neuen Investmententscheidungen ein. Der Ölkonzern kalkuliert mit 40 Dollar pro Tonne Kohlendioxid. BP-Investoren gibt das etwas mehr Sicherheit, dass künftig strengere Klimagesetze dem Unternehmen weniger schaden.

DAS INVESTMENT.com: Sicher ist es wichtig, dass der Ausstoß von Kohlendioxid einen Preis bekommt, um den Klimawandel zu verlangsamen. Aber das macht BP noch lange nicht zu einem nachhaltigen Unternehmen.

Litvack: Nein, natürlich nicht. Es gibt noch einige offene Baustellen. Aber, warum sollte man als nachhaltiger Investor nicht da ansetzen, wo es Probleme gibt? Es gibt viele weitere Beispiele großer Firmen, die die ersten kleinen Schritte in Richtung Nachhaltigkeit gehen. Das ist sehr wichtig für den Markt. Denn vor allem die großen Firmen haben Einfluss und können Vorbild sein. Wenn wir es schaffen, dass diese Unternehmen die Notwendigkeit erkennen, ihre Produktionsprozesse zu ändern und nachhaltiger auszurichten, ist viel gewonnen.

DAS INVESTMENT.com: Gibt es dafür genug Anreize?

Litvack: Nein, noch nicht. Aber wir diskutieren mit den Unternehmen auch ihren politischen Einfluss. Wenn die zur Regierung gehen und Druck machen, Politik und Steuersystem so zu ändern, dass Unternehmen nicht bestraft werden, wenn sie in bessere Technologien investieren, dann passiert auch was. Der Markt braucht ein klares Signal – das aktuelle Bekenntnis zur Energiewende reicht da nicht.

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