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Depotbanken: Offen für Nebenjobs

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"In Deutschland sind derzeit etwa 60 Depotbanken am Markt vertreten“, schätzt Clemens Schuerhoff, dessen Firma Kommalpha seit vergangenen Herbst Depotbanken mit Ratings bewertet. Genaue Zahlen gebe es jedoch nicht, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter und vermutet, dass einige Banken über die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) früher mal eine Lizenz erhalten haben, aber nicht mehr sonderlich aktiv sind. Marktführer in Deutschland ist wohl die amerikanische Gesellschaft State Street, die hier etwa 145 Milliarden Euro in Publikumsfonds als Depotbank betreut. Allerdings existieren zu diesem Thema lediglich Umfragen, zentral wird nichts erfasst. Dienst nach Gesetz bringt wenig Depotbanken übernehmen in erster Linie Aufgaben, die ihnen das Investmentgesetz vorschreibt. Sie geben Fondsanteile aus, nehmen sie zurück, verwahren die ins Portfolio gekauften Anlagen, schütten Gewinne aus und rechnen alle Geldbuchungen ab. Depotbanken müssen im Sinne der Anleger handeln und notfalls sogar rechtlich gegen die Fondsgesellschaft vorgehen – so schreibt es das Gesetz vor. Die Margen, die Depotbanken mit diesen Leistungen erzielen, liegen im einstelligen Basispunkt-Bereich. Das sind also lediglich ein paar Hundertstel Prozent. Deshalb verdienen sich nahezu alle Anbieter etwas hinzu, indem sie beispielsweise gegen Gebühr Wertpapiere aus den Fondsvermögen für Leerverkäufe verleihen. Damit wird auch klar, wo sich Leerverkäufer die dafür notwendigen geliehenen Aktien besorgen. Die Leihgebühr teilen sich Anleger und Bank. Depotbanken werden zu Mädchen für vieles Seit Ausbruch der Finanzkrise hat Branchenkennern zufolge die Nachfrage nach Systemen deutlich zugenommen, die Risiken von Portfolios messen, abbilden und kalkulieren und entsprechende Stress-Szenarien entwickeln. Zunehmende Skepsis gegenüber Derivatehäusern führe auch dazu, dass Depotbanken neuerdings deren Produkte im Auftrag der Fondsgesellschaften noch einmal nachrechnen – natürlich ebenfalls gegen Bares. Auf internationalem Parkett bieten Depotbanken zudem ihre Kenntnisse über die Steuergesetze vor Ort an. Sie führen Quellensteuern ab und erledigen den Papierkram. Natürlich sind diese Extras nicht in der schmalen Marge enthalten, die im Fondsprospekt als Depotbankvergütung auftaucht. Nach Auskunft von Kommalpha-Mann Schürhoff fließen sie nicht einmal immer in die offizielle Gesamtkostenquote (TER = Total Expense Ratio) eines Fonds ein. Hier kann also eine Dunkelziffer entstehen, die der Anleger nur im Rechenschaftsbericht findet. Nähere Information zum Madoff-Skandal lesen Sie in der neuen Ausgabe von DAS INVESTMENT, die am 19. Februar am Kiosk liegt.

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