Depotbanken Raus aus der Steinzeit

Besucher mit VR-Brillen bei einer Autopräsentation in Detroit: Auch Depotbanken wollen ins digitale Zeitalter | © Getty Images

Besucher mit VR-Brillen bei einer Autopräsentation in Detroit: Auch Depotbanken wollen ins digitale Zeitalter Foto: Getty Images

Stellen Sie sich vor: Ein Vermögensverwalter führt das Erstgespräch mit einem Interessenten und erfasst alle Daten direkt auf seinem Tablet. Gemeinsam füllen sie den digitalen WpHG-Bogen aus und stellen Anlageziele, Kenntnisse, Erfahrungen sowie die Risikobereitschaft und -tragfähigkeit des Kunden fest. Im Anschluss empfiehlt der Vermögensverwalter die Anlagestrategie und fragt weitere zur Vertragsschließung erforderliche Kundendaten ab.

Die im Hintergrund laufende IT-Landschaft erstellt sogleich Vertragsdokumente und Antragsformulare mit den individuellen Kundendaten. Nachdem der Kunde elektronisch unterschrieben hat, übermittelt das System die Dokumente an die Depotbank und den Vermögensverwalter digital. Ein solcher Standard für das sogenannte Onboarding von Neukunden wurde der Branche gerade präsentiert. Auf seiner Digital-Konferenz im April stellte der Verband Unabhängiger Vermögensverwalter (VUV) im April einen neuen IT-Service vor, der den Neukundenprozess digital durchführt.

Ein Endkunde, der bei einem Vermögensverwalter und somit auch bei einer Depotbank Kunde werden möchte, kann dies künftig mittels des „VUV-Kunden-Onboarding-Systems“ (VUV-KOS) allein über Klicks und elektronische Unterschrift völlig papierlos erledigen. Das Systerm lässt sich zudem direkt in die Website des Vermögensverwalters integrieren.

Der VUV liegt damit voll im Trend, denn die Branche wird auf breiter Front digitaler. Und dort wird der Kampf um die Kunden in den nächsten Jahren neu entschieden. „Derzeit haben voll digitalisierte Vermögensverwalter hierzulande erst einen Marktanteil von weniger als einem halben Prozent und gerade einmal 2,5 Milliarden Euro an Anlagevolumen“, weiß Michael Gillessen. Der ehemalige Leiter des Berenberg Vermögensverwaltungs-Office berät heute mit der Gesellschaft Proboutiquen Vermögensverwalter bei der strategischen Aufstellung, der Wahl der richtigen Kooperationspartner und unterstützt bei Marketing und Vertrieb.

„Viele Institute sind noch nicht richtig auf die kommenden Herausforderungen der Digitalisierung eingestellt“, so Gillessen, der momentan die Baader Bank, die Deutsche Bank sowie DAB BNP Paribas und V-Bank als Vorreiter im Markt bei der Digitalisierung mit unabhängigen Vermögensverwaltern sieht.

„Wir möchten alles voll digital nutzen“, bestätigt Eric Wiese, Vorstand der Hamburger Vermögen, die mit elf verschiedenen Depotbanken zusammenarbeitet. „Insbesondere manche Privatbanken befinden sich noch in der Steinzeit, da muss man mitunter noch mit Telefon und Fax agieren“, so Wiese, der den digitalen Eröffnungsprozess der FIL Fondsbank und der DAB BNP Paribas positiv hervorhebt. Und ergänzt: „Eine elektronische Postbox für den Kunden und auch eine Kunden-App halten wir ebenfalls für zielführend.“

Damit können noch nicht alle Wettbewerber aufwarten. Aber es ist viel Bewegung im Markt der Depotbanken und Verwahrstellen. Als größte Anbieter für die Vermögensverwalter gelten die DAB BNP Paribas und die V-Bank. Die auf Institute mit Volllizenz spezialisierte V-Bank will ab Sommer Vermögensverwaltern die Technik an die Hand geben, damit diese ihre Dienstleistung digitalisieren können.