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Depotbanken Raus aus der Steinzeit

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„Der Preiskampf ist geführt und abgeschlossen, viel günstiger geht es nicht“, sagt V-Bank-Experte Grenzebach. Bei der Untergruppe der reinen Fondsdepotbanken gilt der Preisdruck als besonders hoch: „Sie leben von der Bestandsprovision und sind immer mehr mit Anlageklassen konfrontiert, mit denen sich kaum Geld verdienen lässt, wie Clean Share Classes und ETF“, beobachtet Hamburger-Vermögen-Vorstand Wiese und sagt voraus, dass sich deswegen künftig Preiserhöhungen wie bei der FIL Fondsbank häufen werden.

Zum Preis gehört aber noch mehr. So sollten sich Vermögensverwalter stets alle Kostenkomponenten ansehen, die reine Verwahrstellengebühr ist wenig aussagekräftig für das Gesamtangebot. „Eine gute Ausführungsqualität der Wertpapieraufträge kann für den Kunden durchaus ein bis 2 Prozentpunkte mehr an Performance ausmachen“, weiß Experte Michael Gillessen. Dazu zähle die Schnelligkeit der Orderausführung und die Fähigkeit der Depotbank, gerade bei marktengeren Titeln für Liquidität zu sorgen.

Und: „Der Preis, den der Kunde für die Transaktionen bezahlt, ob das nun 15 oder 20 Basispunkte sind, spielt letztendlich eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist es, zu welchem Preis er die Aktie oder das festverzinsliche Wertpapier bekommt“, betont Gillessen. Bei festverzinslichen Wertpapieren gebe es derzeit abgesehen von Staatsanleihen fast keine Liquidität, daher sei der Vermögensverwalter hier auf Depotbanken und Broker mit einem großen Netzwerk angewiesen, die zu vernünftigen Preisen entsprechende Volumina kaufen und verkaufen können.

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Eine fehlerfreie Orderabwicklung gehört längst zum Standard der Depotbanken. Darüber hinaus bieten sie in der Regel auch unterschiedliche Zusatzdienstleistungen wie Marketing und Research an (siehe Kasten unten). Dazu gehört die Entlastung bei regulatorischen Anforderungen. „Wir bieten die Übernahme von Mifid-II-Verpflichtungen bei Meldewesen, Ex-Post-Kostenausweis, Reporting und Verlustschwellenüberwachung“, nennt Gabriel von Canal, Vertriebsleiter der Augsburger Aktienbank, einige Punkte.

„Gut nachgefragt wird unser Nachfolgeplaner, der für Vermögensverwalter abrufbar ist und insbesondere auf Unternehmer und große Familienverbände spezialisiert ist“, nennt Grenzebach von der V-Bank einen weiteren Zusatzservice seines Hauses. Der Experte begleitet Vermögensverwalter bei Beratungsgesprächen in Sachen Nachfolge und Erbschaft, tritt bei Kundenveranstaltungen auf oder hält Mitarbeiterschulungen ab.

                                     Quelle: Consileon

Praktisch von allen für diesen Artikel befragten Anbieter wird der persönliche Zugang als entscheidendes Differenzierungsmerkmal genannt. „Im Mittelpunkt stehen unverrückbar die persönliche und fachlich versierte Betreuung im Tagesgeschäft und bei der Bewältigung der regulatorischen Herausforderungen“, bestätigt Lorenz Behnke, Leiter Vermögensverwalter-Office bei Berenberg. „Die Erreichbarkeit ist sehr wichtig. Man muss im Notfall schnell und effektiv Unterstützung bekommen“, betont Udo Schindler, Portfoliomanager der KSW Vermögensverwaltung. „Ich erwarte keine Hotline, sondern direkte Ansprechpartner im Backoffice und den Fachabteilungen.“ Neben der Nachfolgeplanung nennt er ein Reporting für Betriebsvermögen als sinnvolle, aber längst noch nicht flächendeckend angebotene Ergänzungen der Service-Plattformen der Depotbanken.

Auch zentrale Funktionen lassen sich verbessern, etwa der Wechsel der Depotbank: „Die Berater scheuen oft den Aufwand mit all den Auskunftsbögen und Unterlagen beim Kunden. Das wird hoffentlich einfacher, wenn sich der digitale Eröffnungsprozess bei den Depotbanken durchgesetzt hat. Dann wird der Konkurrenzkampf erst so richtig losgehen“, erwartet Hamburger-Vermögen-Vorstand Wiese. Sein Wunsch: Mobile IT-Lösungen, die eine Vergleichbarkeit zwischen Banken herstellen und einfache Wechselmöglichkeiten etwa über eine ITAN auf dem Smartphone bieten. „Das wäre eine schöne Vision: innerhalb von 30 Minuten die Depotbank zu wechseln.“

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