Der Praxisfall Jung, dynamisch, sparsam – Vermögensprofi entwirft passendes Portfolio

Sven Nowroth übernahm 2009 Kundenbetreuung und Geschäftsführung der heutigen nVest Vermögensberatung. 2018 trat er zudem in die Geschäftsführung von Hammonia Asset Management ein. | © nVest

Sven Nowroth übernahm 2009 Kundenbetreuung und Geschäftsführung der heutigen nVest Vermögensberatung. 2018 trat er zudem in die Geschäftsführung von Hammonia Asset Management ein. Foto: nVest

Der Fall

Peter Bender, 31, arbeitet als Informatik-Spezialist mit Verantwortung für ein kleines Team. Das bringt ihm monatlich ein Gehalt von rund 4.000 Euro netto. Er ist ledig und hat keine Kinder, aber eine Freundin. Er hat noch einen Ratenkredit für ein Auto über 9.000 Euro abzustottern, 60 mal 150 Euro im Monat.

Nun will er seine Finanzen regeln.

Seine flüssigen Reserven liegen bei 5.000 Euro, er könnte sich aber auch erste Schritte in Richtung Altersvorsorge vorstellen und will Rücklagen für die schönen Dinge im Leben schaffen. Nach allen Ausgaben hat er jeden Monat locker 800 Euro übrig. Er kann ein paar Risiken vertragen, will aber nicht spekulativ unterwegs sein oder einen großen Teil seines Vermögens verlieren. Innerhalb des kommenden Jahres will er 6.000 Euro für seine Wohnung (Möbel, Waschmaschine und so weiter) ausgeben.

                                 Illustrationen: Freepik

Anmerkung: DAS INVESTMENT weist darauf hin, dass hier stark vereinfachte Modellfälle dargestellt sind. Sie sollen Anhaltspunkte liefern, können aber eine umfassende und sorgfältige Beratung nicht ersetzen.

Der Vorschlag

Zuerst würde ich den Ratenkredit prüfen. Anhand der vorliegenden Zahlen hat er einen Zinssatz von 4,9 Prozent. Da könnte es Sinn ergeben, ihn vorzeitig aus der Welt zu schaffen. Darlehen der Haspa zum Beispiel kann man immer sofort mit Sondertilgung ohne Vorfälligkeitsentschädigung beenden.

Über eine Laufzeit von fünf Jahren wird der Kunde nirgends einen garantierten Ertrag von 4,9 Prozent bekommen. Somit geben wir folgenden Rat: Herr Bender legt weitere sechs Monate je 800 Euro auf einem Girokonto zur Seite. Danach hat er inklusive bisheriger Reserven 9.800 Euro flüssig. Die Restschuld beim Ratenkredit sollte dann bei 7.288 Euro liegen, was man sofort tilgen kann. Anschließend hat er eine Liquiditätsreserve von 2.500 Euro.

Dazu erwähnt er Anschaffungen in Höhe von 6.000 Euro in den weiteren sechs Monaten. Die nun monatlich zur Verfügung stehenden 950 Euro (800 Euro plus die frei gewordenen 150 Euro aus der Kreditrate) sollte er in einer Sichteinlage parken, bis die Käufe durch sind.

Nach diesen Schritten befassen wir uns mit Altersvorsorge und Rücklagen. Wenn der Kunde keine konkreten Ideen hat, empfehlen wir ihm als Kurzfristrücklage zwei Netto-Monatsgehälter. Bei einem Netto von rund 4.000 Euro liegt sein Brutto bei Steuerklasse 1 ohne Kinder bei knapp 7.350 Euro, je nachdem, ob er in der Kirche ist oder nicht. Er sammelt damit jedes Jahr zwei Entgeltpunkte (EP) in der deutschen Rentenversicherung, da er weit über der Beitragsbemessungsgrenze liegt.

Je nachdem, wie viele Punkte er schon vorher hatte, wird er dann bis zum Renteneintritt, laut aktuellem Bescheid mit 67 Jahren, mindestens 72 Entgeltpunkte erreicht haben. Falls er zwischenzeitlich nicht länger ausfällt. Dem aktuellen Rentenfaktor entsprechend mit 2 Prozent Steigerung wird er einen Rentenanspruch von 4.854 Euro brutto haben, zuzüglich eventueller früherer Entgeltpunkte.

Von seinem derzeitigen Netto kann man die Sparrate abziehen, da er sie im Alter nicht mehr braucht. Bleibt ein Einkommen von rund 3.000 Euro, das dann mit 2 Prozent Inflation hochgerechnet bei etwa 6.119 Euro liegen wird (ohne jegliche Gehaltserhöhung). Demnach müsste er eine Lücke von 1.265 Euro nach Steuern schließen (6.119 Euro minus 4.854 Euro).

Um im Alter dabei seinen Kapitalstock zu erhalten und von dann angenommenen 3,5 Prozent Rendite im Jahr die Kapitallücke zu schließen, benötigt er knapp 450.000 Euro. Um das zu erreichen, braucht er bei einer angenommenen Rendite von 6 Prozent im Jahr in der Ansparphase über 36 Jahre eine monatliche Rate von zirka 300 Euro. Damit kann er 650 Euro monatlich für andere Ziele sparen.

Für die Ansparphase empfehlen wir unsere Vermögensverwaltungsstrategie Hammonia nVest A. Sie ist auf eine Rendite von 6 Prozent im Jahr ausgelegt bei zugleich geringeren Schwankungen als mit einzelnen Aktienanlagen. Wir wollen den Maximalverlust auf 10 bis 15 Prozent begrenzen. Wir steuern die Aktienquote und sichern in Extremsituation mittels Short-Positionen ab.

Für den Teil des Geldes, den der Kunde dann im Rentenalter benötigt, empfehlen wir eine Umschichtung in unsere Strategie Hammonia nVest R. Der Maximalverlust soll bei 5 bis 10 Prozent liegen, die Rendite bei 3 bis 4 Prozent im Jahr. Schwerpunkte sind Zinskupons und Bonitätsmanagement.

Bei Sparzahlungen von 300 Euro für die Altersvorsorge und 650 Euro für Sonstiges wird Herr Bender sich über 36 Jahre zusätzlich zu seiner Altersvorsorge einen stattlichen Kapitalstock von zirka einer Million Euro angespart haben, falls er zwischenzeitlich keine anderen Ziele verfolgt.

Auf jeden Fall befindet er sich aktuell in der komfortablen Situation, dass er seinen Lebensstandard noch nicht direkt an sein Einkommen angepasst hat und dadurch viel Spielraum für planbare Veränderungen hat.

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