ETF-Wetten Der lange Leidensweg des Carmignac Patrimoine

Carmignac-Gründer Edouard Carmignac: Die schwache Performance seines Flaggschiffs Carmignac Patrimoine könnte am Ende eine der drei ETF-Wetten von DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf entscheiden. | © Carmignac

Carmignac-Gründer Edouard Carmignac: Die schwache Performance seines Flaggschiffs Carmignac Patrimoine könnte am Ende eine der drei ETF-Wetten von DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf entscheiden. Foto: Carmignac

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So einen Fonds möchte man momentan eigentlich lieber nicht im Depot haben. „Im Vergleich zur Konkurrenz ist die Wertentwicklung des Carmignac Patrimoine in der jüngeren Vergangenheit katastrophal“, heißt es auf FAZ Online, die Kollegen von Handelsblatt Online sprechen gar von einem „Leidensweg“. Die dazugehörigen Zahlen: Im vergangenen Jahr lag das Minus bei 11,3 Prozent, während der Durchschnitt der Vergleichsgruppe (Mischfonds Global Ausgewogen) lediglich 6,9 Prozent einbüßte. Selbst über längere Zeiträume hinkt der einstige Vorzeigefonds inzwischen hoffnungslos hinterher. Seit zwei Jahren bröckelt deshalb das Volumen, von 24 Milliarden Euro Ende 2016 auf aktuell noch 15 Milliarden Euro.

Nun, DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf hat den Carmignac Patrimoine im Depot. Zumindest virtuell, im Rahmen seiner Ende 2016 mit dem „Capital“-Kollegen Christian Kirchner geschlossenen ETF-Wette (siehe ETF-Wette 1). Und auch da macht der 1989 von Edouard Carmignac gegründete Mischfonds-Klassiker momentan keine gute Figur: Das fiktive Startkapital von 25.000 Euro, Anfang 2017 investiert, ist zum Stichtag 8. Januar 2009 auf 22.157 Euro zusammengeschmolzen. Da mit dem Nordea Stable Return auch der zweite Baustein schwächelt, ist Wett-Partner Kirchner mit seinem aus einem Aktien- und einem Renten-ETF zusammengesetzten Depot weit davongezogen (siehe Tabelle 1 auf der nächsten Seite).

Zeichnet sich also ab, dass Kirchner mit seiner Überzeugung „Passiv schlägt Aktiv“ langfristig richtig liegt? Dieser Schluss wäre acht Jahre vor Wett-Ende natürlich etwas voreilig. In einer Einschätzung darf sich der „Capital“-Redakteur allerdings bestätigt fühlen: Auf Dauer schafft es kaum ein Fondsmanager, besser abzuschneiden als der breite Markt. Ein Problem vor allem für Anleger, die ihre Kaufentscheidungen prozyklisch treffen, wie Kirchner in seiner jüngsten Kolumne „Bitte keine Gewinnerfonds jagen“ anschaulich ausführt.

Doch es sind keineswegs die guten Leistungen der Vergangenheit und insbesondere im Krisenjahr 2008, die den Carmignac Patrimoine für Wachtendorfs Wett-Depot qualifiziert haben. Einzig ausschlaggebend für seine Nominierung und die des Nordea Stable Return war die Tatsache, dass es sich bei ihnen Ende 2016 um die beiden größten Mischfonds mit deutscher Vertriebszulassung gehandelt hat. Verbunden mit der Botschaft: Es braucht für den Zeitraum 2017 bis 2026 keine Super-Fonds, um ein je zur Hälfte aus ETFs auf den Aktienindex MSCI World und den europäischen Anleihe-Index I-Shares Euro Aggregate Bond zu schlagen. Zwei angesichts ihres Volumens mitunter etwas schwerfällige, aber dafür aktiv gemanagte Super-Tanker reichen völlig aus. Denn nur mit einem aktiven Management lassen sich zwei der großen Herausforderungen meistern, die Wachtendorfs Überzeugung zufolge im genannten Zeitraum lauern: eine nachhaltige Zinswende an den Rentenmärkten und die Abkehr vieler Anleger vom hoch bewerteten amerikanischen Aktienmarkt.

Ob es bis 2026 so kommt und in welchem Ausmaß, bleibt natürlich ein Stück weit Spekulation. Ebenso, ob David Older – der neue starke Mann beim Carmignac Patrimoine – das Steuer herumreißen und das angeschlagene Flaggschiff der Franzosen wieder zum Erfolg führen kann. Wie auch immer: Der Versuchung, den gefallenen Hoffnungsträger abzustoßen und gegen einen besser laufenden Wettbewerber auszutauschen, kann Wachtendorf nicht erliegen, das lassen die Wett-Bedingungen nicht zu. Somit bleibt ihm wie auch Kirchner nichts weiter übrig als die weitere Entwicklung in den folgenden acht Jahren aufmerksam zu verfolgen.