Der Banker, der keiner war: Das Anleihe-Phantom der RBS

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KK Ho tauchte aus dem Nichts auf.

Vergangenes Jahr drehte er ganz plötzlich seine Runden in der Handelsabteilung der Royal Bank of Scotland Group Plc (RBS) im britischen London. Er zückte frisch gedruckte Visitenkarten, denen zufolge er Anleihehändler war. Er traf sich mit Kunden. Er beeindruckte Bankmanager mit seinen Erzählungen über reiche Klienten, die er kennen würde. Das berichteten zwei Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind.

Und dann plötzlich verschwand der Mann genau schnell, wie er auf der Bildfläche aufgetaucht war – nach ein paar Monaten.

Bankmanager hatten angefangen, Fragen zu stellen, die den Kreisen zufolge zu dem Schluss führten, dass KK Ho gar kein Bond-Händler ist. RBS – die größte britische Bank, die vom Staat kontrolliert wird – informierte zwar damals die Aufsichtsbehörden, hielt den Fall aber ansonsten geheim, hieß es. Einige Details wurden öffentlich, als sie in einer arbeitsrechtlichen Klage eines anderen Mitarbeiters erwähnt wurden.

Wie informierte Personen weiter berichteten, war Ho vor seinem Auftauchen in der Handelsabteilung im Bereich Gebäude-Dienste der RBS tätig. Er stand demnach vor der Kündigung – die Bank habe ihm einen Schreibtisch gegeben, für die Suche nach einem neuen Job. Er wurde keinem Team zugeordnet, hatte keinen Chef. Ihm war es nicht erlaubt, Wertpapiere zu verkaufen oder sich mit Kunden zu treffen.

„Dies ist die Geschichte grundsätzlicher menschlicher Fehler auf vielen Ebenen“, sagte James Carlton, ein Anwalt für regulatorische Fragen bei Fox Williams LLP in London. „Es ist schwer nachvollziehbar, wie führende Mitarbeiter in der Handelsabteilung oder in der Personalabteilung eine solche Situation übersehen konnten.“

Banker, die Investments in Großbritannien verkaufen oder zu diesen beraten, müssen von der Financial Services Authority (FSA) – welche dieses Jahr von der Financial Conduct Authority (FCA) ersetzt wurde – bestätigt werden. Eine FCA-Sprecherin wollte keinen Kommentar abgeben.

Eine Sprecherin der Bank sagte, dass die RBS eine Situation, bei der ein Mitarbeiter außerhalb seines Aufgabenbereichs tätig wurde, identifiziert hatte: „Als wir das entdeckten, wurde eine vollständige Untersuchung eingeleitet. Angemessene Schritte wurden unternommen. Unserer Untersuchung zufolge wurden von dieser Person keine Schritte unternommen, die dem Aufsichtsrecht unterliegen würden.“

Die Beschäftigungs-Klage, über die Details des Falls ans Licht der Öffentlichkeit gelangten, war von RBS-Händler Alex Mallinson eingereicht worden. Er wollte sich so gegen seine Entlassung wehren. Bei einer Aussage im Februar beschrieb Mallinson einen Vorfall, der dazu geführt habe, dass die Compliance-Abteilung strenger wurde.

Die Bank „entdeckte eine Situation, in der ein RBS- Hausdienste-Mitarbeiter (Gebäude-Unterhaltung) die Handelsabteilung unterwandert“ und „sich als Anleihehändler ausgegeben hatte“, sagte Mallinson aus. In den Gerichtsunterlagen wird kein Name genannt. Aber fünf mit den Vorgängen vertraute Personen erklärten gegenüber Bloomberg News, dass es sich um einen gewissen KK Ho gehandelt habe.

Im sozialen Online-Netzwerk LinkedIn ist jemand mit dem Namen KK Ho zu finden. Dem Profil zufolge arbeitete er von Dezember 2003 bis April 2012 bei RBS als „Real Estate and Manufacturing Portfolio Manager“, was – grob übersetzt – so viel heißt wie Immobilien-Manager. Zuvor sei er beim Makler Jones Lang LaSalle Inc. gewesen.

Als Bloomberg News den Mann kontaktierte, erklärte er, er habe keinerlei Verbindungen zu den in der Klage von Mallinson beschriebenen Ereignissen. Er arbeitet jetzt bei Beehive Capital LLP in London – als Direktor Private Equity und Fondsmanager, ist bei LinkedIn zu erfahren.

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