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„Der Begünstigte muss das seiner Oma erklären können“ Willis-Towers-Watson-Experte: 3 Dinge zur Verbesserung der bAV

Reiner Schwinger, Leiter des nordeuropäischen, österreichischen und deutschen Geschäfts bei Willis Towers Watson, macht Vorschläge zur weiteren Verbreitung von betrieblichen Altersvorsorge
Reiner Schwinger, Leiter des nordeuropäischen, österreichischen und deutschen Geschäfts bei Willis Towers Watson, macht Vorschläge zur weiteren Verbreitung von betrieblichen Altersvorsorge
Allen Unkenrufen zum Trotz: So schlecht ist es um die betriebliche Altersvorsorge in Deutschland gar nicht bestellt, sagt Reiner Schwinger von Willis Towers Watson. Immerhin habe diese Säule der Altersvorsorge den Markt schon zu 60 Prozent durchdrungen.

Allerdings sieht der Leiter des nordeuropäischen, österreichischen und deutschen Geschäfts bei dem Beratungsunternehmen auch noch Verbesserungspotenzial. Im Gespräch mit der Börsen-Zeitung benennt Schwinger drei maßgebliche Punkte als die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft des Modells. Er betitelt sie mit den Schlagwörtern „Budget“, „Incentive“ und „Kommunikation“. An diesen Themen müsse laut dem Experten noch gefeilt werden:

  1. „Budget“: Um sinnvoll betriebliche Altersvorsorge zu betreiben, müsse grundsätzlich genügend Geld zur Verfügung stehen, sonst habe das Modell schlechte Karten. Für schwierig erachtet es Schwinger, wenn Unternehmen unter starkem Kostendruck bei den Lohnkosten stünden oder wenn Arbeitnehmern kaum Geld für eine Vorsorge übrig bliebe.

  2. „Incentive“: Es müsse ein finanzieller Anreiz bestehen, so Schwinger. Wer Vorsorge betreibt, sollte im Alter auch mit mehr Mitteln rechnen können. Beträge, die einmal in die finanzielle Vorsorge geflossen seien, dürften später nicht einfach mit der Grundsicherung verrechnet werden, wie es derzeit der Fall ist. Ansonsten bestehe weniger Anreiz zum Sparen.

  3.  „Kommunikation“: Dritter Kernpunkt sei die Verständlichkeit. Mitarbeiter sollten die Modelle der betrieblichen Altersvorsorge verstehen, fordert der Experte von Willis Towers Watson. „Der Begünstigte muss zu Hause seiner Oma erklären können: Das ist meine Versorgung, das leistet mein Arbeitgeber, das kommt für mich am Ende heraus“, so Schwinger.

Um die betriebliche Altersvorsorge weiter zu etablieren, schlägt Schwinger außerdem vor, einen Teil des Gehalts von Mitarbeitern standardmäßig automatisch in Vorsorgeaufwendungen umzuwandeln – falls Mitarbeiter dem nicht ausdrücklich widersprächen.

Das Ministerium für Arbeit und Soziales arbeitet derzeit an einer umfassenden Rentenreform. Die Vorschläge, die Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles im Herbst vorlegen möchte, werden unter anderem auch die betriebliche Altersvorsorge betreffen.
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