Nikolas Kreuz (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Vermögensverwalter über den Dax 40 „Der Dax wird sportlicher“

Porsche 911 in Action
Porsche 911 in Action: Der Hersteller gilt als heißer Kandidat für den Dax 40, der Aktienkurs läuft deshalb im Vorfeld schon stark. | Foto: imago images / PanoramiC

Der deutsche Leitindex Dax wird größer: Statt derzeit 30 Werten werden ab September 40 Unternehmen enthalten sein. Der M-Dax schrumpft im Gegenzug von 60 auf 50 Mitglieder. Doch die deutsche Börse vergrößert den Dax nicht nur, sie verschärft auch die Aufnahmeregeln und zieht damit Konsequenzen aus dem Wirecard-Skandal.

Seit der Einführung des Dax 1988 hat sich das wichtigste deutsche Börsenbarometer deutlich mehr als verzehnfacht. Wer vor mehr als dreißig Jahren eingestiegen und seither investiert geblieben ist, konnte bis Ende 2020 eine jährliche Rendite von knapp 7,6 Prozent erzielen. Selbst Skandale und die Hybris einzelner CEOs konnten dem Dax in der Vergangenheit wenig schaden, wenn man sich das jüngst erzielte Allzeithoch vergegenwärtigt. Daher sollte auch jetzt nicht abgewartet werden, bis die Neuankömmlinge im Dax eingetroffen sind.

Erfahrungsgemäß steigen die Kurse der vermuteten Aufsteiger bereits vor der Dax-Aufnahme, weil Institutionelle und Semi-Institutionelle sich schon vorher eindecken. Gut zu sehen ist das an der Kursentwicklung beispielsweise von Symrise, Zalando, Airbus und der Porsche SE. Doch das Gebot der Stunde ist: antizyklisch vor der Herde auf den Trend setzen, die Welle reiten und die Aktien bei abnehmendem Momentum abstoßen, sofern kein langfristiges Investitionsinteresse besteht.

Ist der Trend hingegen einmal gestartet, unterliegen viele Marktteilnehmer dem Anchoring- und Dispositionseffekt, der den Aufnahmekandidaten erst allmählich kurstechnisch erwachen lässt. Fängt die Anlegerherde auf dem rationalen Anpassungspfad dann an zu traben, befeuern Endowment- und Overconfidence-Effekte, Herding und Performance Chasing den Trend, es kommt zu deutlichen Überreaktionen und das Kurskorrekturpotenzial nimmt wieder zu. Spätestens an diesem Punkt sollte der Neocortex aktiviert und antizyklisch Positionsreduktion vorgenommen werden.

Auch in Bezug auf selektive Wahrnehmung ist es wichtig, die Auswirkungen der Neuro-Finance im Blick zu behalten: Wenn man die in der Kursentwicklung unterstellten Reinvestitionen der Dividenden im Dax ausblendet, wie es bei den meisten Marktindizes gilt, dann liegt der Dax bereinigt auf dem Niveau von März 2000 und damit auf dem Niveau von vor 21 Jahren. Rechnet man hingegen die Dividenden mit ein, kommt man auf eine Performance von 90 Prozent seit dem März-Hoch vor dem Platzen der Dotcom-Blase.

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