Foto: Paribus Capital

Foto: Paribus Capital

Der Eurotunnel: Unter Wasser nach England – und zurück

Eine „trockene“ Verbindung zwischen England und Frankreich zu schaffen – diese Idee spukte schon Mitte des 18. Jahrhunderts in den Köpfen einiger Ingenieure herum. Erst im Juni 1994 wurde sie Wirklichkeit, als der erste Güterzug durch den Eurotunnel unter Coquelles/Calais und Folkestone/Dover fuhr. Dazwischen lagen teils fantastische Pläne, den Ärmelkanal ohne Schiff zu überwinden – vom unterseeischen Postkutschenverkehr bis hin zur futuristischen Hängebrücke. Nun fährt die Eisenbahn unter dem Ärmelkanal.

Der längste Unterseetunnel der Welt

Der Bau des heutigen, ausschließlich für den Zugverkehr zugelassenen Eurotunnels begann im Dezember 1987 mit Bohrungen auf der englischen Seite. Bis zur Fertigstellung waren rund 15.000 Arbeiter über sieben Jahre lang mit dem Bau beschäftigt. Die Baukosten waren mit 15 Milliarden Euro doppelt so hoch wie ursprünglich geplant und machten den Kanaltunnel zum bisher teuersten privaten Bauprojekt aller Zeiten.

Investieren Sie in die Zukunft des Schienentransports.

>> weitere Informationen

Mit einer Länge von 50,45 km, davon 38 km unter Wasser, ist der Eurotunnel der derzeit längste Unterseetunnel der Welt. In 45 bis 75 m Tiefe unter dem Meeresboden verlaufen zwei eingleisige Haupttunnel und ein zweispuriger Servicetunnel. Alle 375 Meter sind die Röhren miteinander verbunden. Zudem gibt es zwei unterseeische Kreuzungen, auf denen Züge bei Bedarf von einer Schienenseite zur anderen wechseln können.

Alle drei Minuten ein Zug

270 Züge fahren täglich durch den Eurotunnel, in Spitzenzeiten mit nur drei Minuten Zeitabstand und bis zu 12 Züge gleichzeitig. Dabei sind vier Arten von Zügen zugelassen:
  • Der Eurostar-Passagierschnellzug zwischen London und Paris, mit 160 km pro Stunde Höchstgeschwindigkeit und einer Gesamtreisezeit von rund 2,5 Stunden.
  • Der Eurotunnel-Shuttle zwischen Coquelles und Folkestone für bis zu 120 Autos und 12 Busse. Er ist mit nur 35 Minuten Fahrtzeit durch den Tunnel die schnellste Verbindung für Pkw-Reisende nach England.
  • Der Eurotunnel Freight Shuttle mit 140 km pro Stunde Höchstgeschwindigkeit. Diese 800 m langen Züge befördern bis zu 30 Lkw mit 44 Tonnen Gewicht gleichzeitig.
  • Herkömmliche Güterzüge, bisher nur der Unternehmen DB Schenker Rail (UK) Ltd. und Freight Europe (SNCF).
Seit Fertigstellung ist die Bedeutung des Eurotunnels im europäischen Güter- und Personenverkehr stetig gewachsen. Rund 120 Millionen Tonnen Transportvolumen und fast sieben Millionen Passagiere jährlich machen ihn zum meist frequentierten Bahntunnel der Welt.