Jörg W. Stotz, Geschäftsführer bei Hansainvest

Jörg W. Stotz, Geschäftsführer bei Hansainvest

„Der Graumarkt ist Geschichte“

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DAS INVESTMENT: Hansainvest will sich als externe Fondsverwaltung positionieren. Mit wie vielen Emissionshäusern arbeiten Sie bereits zusammen?

Jörg Stotz: Mit fünf, sechs stehen wir  in Verhandlungen, mit einem stehen wir unmittelbar vor Vertragsunterzeichnung. In den kommenden Monaten wird in dieser Hinsicht noch einiges passieren. Im Herbst vergangenen Jahres waren bei einer Umfrage eine ganze Reihe von Fondsanbietern der Ansicht, selbst noch den Kapitalverwaltungsgesellschaft (KGV)- Status anstreben zu wollen. Seit Mai dieses Jahres steigt die Nervosität; bei uns gehen wöchentlich mehrere Neuanfragen ein.

Was meinen Sie: Wie viele Häuser werden am Stichtag 22. Juli eine KVG-Lizenz beantragen?

Stotz: Das werden unseres Erachtens wohl nicht mehr als 10 oder 12 sein.

Das liegt wohl nicht nur an den Pflichten, sondern vor allem auch an den Kosten.

Stotz: Ja. Wobei die Kosten für die Gründung und den Betrieb einer KVG natürlich  nicht fix sind, sondern von mehreren Faktoren abhängen – unter anderem von den Anlagen, die ein Haus in Fonds einbringt. Dennoch kann man im Schnitt rund 800.000 bis eine Million Euro für die  KVG-Gründung rechnen, und dann kommen jährliche Kosten von mindestens  750.000 Euro hinzu – etwa für Personal, Buchhaltung, interne Revision und Risikocontrolling übernimmt.

Was verlangen Sie für die Betreuung?

Stotz: Das hängt von der jeweiligen Komplexität, den Anlageklassen und den Transaktionsvolumina ab. Zudem schlagen bei größeren Fonds Skaleneffekte zu Buche.  

Ihr Modell funktioniert so, dass Sie als KVG bestellt werden und das Vermögensmanagement an den Partner auslagern. Dennoch ist Hansainvest in der Haftung.

Stotz:
Das stimmt, und darum prüfen wir in einer sorgfältigen Prüfung intensiv die Reputation der möglichen Partner. Wir fragen  uns unter anderem: Ist die Anlagekompetenz ausreichend? Ist das Geschäftsmodell nachhaltig angelegt, oder spielen Mode-Produkte eine Rolle?

Aber haben Sie die Kompetenz im eigenen Haus, wirklich alle Anlageklassen von geschlossenen Fonds in der Tiefe beurteilen zu können?

Stotz:
Als Portfoliomanager offener Fonds  sind wir bestens mit Immobilien- und Wertpapier-Investments vertraut. Und  als Tochter der Signal Iduna verwalten wir nicht nur für diese Sparten das Konzerngeschäft, sondern sind auch in Infrastruktur- und Private-Equity-nahe Anlageklassen eng eingebunden.

Weitere Kompetenzen bauen wir jetzt auf. Nehmen Sie die Parallele zur Hedgefonds-Zulassung im Jahr 2004: Zuvor hatte keine Fondsgesellschaft Erfahrungen mit dieser Materie, das Know-how konnte aber schnell geschaffen werden.

Passt der Begriff Emissionshaus Ihres Erachtens noch in die Landschaft?

Stotz: Eigentlich nicht mehr. In Zukunft  wird Arbeitsteilung der Regelfall sein: Die KVG verwaltet einen Fonds, und der Asset Manager betreut die Fondsobjekte. Das erhöht die Professionalität, was nicht zuletzt ein Argument für institutionelle und private Anleger sein wird. Am Fonds als sachwertorientierte Kapitalanlage führt kein Weg vorbei, und der Graumarkt ist  Geschichte. Das ist eine Riesenchance für die Branche.  


AIFM – das bringt die Regulierung: Ab 22. Juli tritt das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) in Kraft, das die europäische Richtlinie über Alternative Investmentfonds- Manager (AIFM) umsetzt. Jeder  neue geschlossene Fonds braucht dann eine Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG), die zahlreiche neue Pflichten – unter anderem beim Risiko- und Liquiditätsmanagement – beachten muss.  

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