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Hollywood-Schauspieler Joaquin Phoenix spricht vor Fracking-Gegnern auf einer öffentlichen Veranstaltung: Der Angriff der sogenannten Opec+ könnte der US-Fracking-Industrie sehr schaden und Gegnern und Umwelt in die Karten spielen. | © imago images / UPI Photo / Jim Ruymen Foto: imago images / UPI Photo / Jim Ruymen

Der große Ölpreis-Kollaps

Über die Hintergründe und wie es weitergeht

Der Ölpreis ist erfahrungsgemäß vergleichsweise preisunelastisch. Schon ein kleines Überangebot setzt die Notierungen unter Druck. Genau das ist derzeit der Fall. Die weltweite Produktion beläuft sich aktuell auf 100,5 Millionen Barrel pro Tag. Dem steht eine Nachfrage von etwas weniger als 100 Fass gegenüber. Weil sich die Opec+ nicht auf eine weitere Förderkürzung einigen konnte, befürchten die Marktteilnehmer jetzt eine Ausweitung der Produktion und damit des Überangebots.

Für die weitere Entwicklung des Ölpreises sind im Wesentlichen zwei Stellschrauben verantwortlich: Zum einen die amerikanische Fracking-Industrie und zum anderen die Nachfrage aus China. Vor allem Russland sind die Produzenten von Schieferöl aus den USA ein Dorn im Auge. Denn im Gegensatz zur Opec+ sind sie nicht reguliert. Konkret heißt das, dass die amerikanischen Onshore-Ölproduzenten in den vergangenen Jahren die Welt zunehmend mit Öl überschwemmt haben. Von ihnen stammen mittlerweile mehr als 10 Prozent der weltweiten Produktion.

Der durch Russland verursachte Preissturz zielt wahrscheinlich in erster Linie auf die amerikanischen Fracking-Unternehmen. Vereinfacht ausgedrückt soll die ungeliebte Konkurrenz möglichst aus dem Weg geschafft werden. Das könnte durchaus gelingen.

Die amerikanischen Schieferöl-Förderer produzieren mit variablen Kosten von in etwa 40 bis 50 Dollar je Fass. Das bedeutet, dass sie derzeit defizitär arbeiten. Dazu kommt die hohe Verschuldung der entsprechenden Unternehmen. Sie hatten schon vor dem Scheitern des Opec+-Treffens zunehmend Schwierigkeiten, notwendige Anschlussfinanzierungen zu bekommen.

Angesichts der Corona-bedingten Risikoaversion halten sich immer mehr Investoren zurück, Probebohrungen zu finanzieren. Den Fracking-Unternehmen fehlt damit Geld, um neue Vorkommen zu explorieren und zu erschließen, denn die selbst erwirtschafteten Mittel brauchen sie zur Bedienung von Zinsen und für Tilgungen. Nach Angaben des Ölservice-Unternehmens Baker Hughes beläuft sich die Zahl der sogenannten Rigs für Probebohrungen in den USA derzeit nur noch auf 793. Zum Vergleich: Das waren 290 oder über ein Viertel weniger als Anfang 2019. Sollte es hier zu einer Pleitewelle kommen, würde dies die Rezessionssorgen weiter hochtreiben.

China fährt Wirtschaft wieder hoch

Gleichzeitig scheint sich allerdings die Lage in der Volksrepublik schon wieder zu beruhigen. Nach Angaben der chinesischen Statistikbehörde haben mehr als 90 Prozent der mittleren und großen Betriebe die Arbeit wieder aufgenommen. Das ist für die Nachfrage nach Öl entscheidend. Denn der asiatisch-pazifische Raum, mit China als der dort mit Abstand größten Volkswirtschaft, verbraucht deutlich mehr als ein Drittel der weltweiten Ölproduktion.

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