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Simon Frank Foto: Pictet AM

Interview zu Kapitalmarktthemen

„Der Halbleitersektor ist für die Energiewende immens wichtig“

Herr Frank, Tech-Aktien aus den USA hatten durch Covid-19 besonders starken Schub erhalten. Aufgrund der jüngsten Sektor-Rotation stecken sie nun leicht zurück. Was müssen Anleger wissen?

Simon Frank: Sieht man sich die entsprechenden Indizes näher an, fällt auf: Obwohl es sehr viele Tech-Unternehmen gibt, dominieren aktuell nur zwei Werte – Apple und Microsoft. Zusammen machen sie ungefähr ein Drittel des einschlägigen Sektorindex MSCI World Information Technology aus. Apple hat aktuell ein Gewicht von 20 Prozent und Microsoft liegt bei 15 Prozent. Deutlich dahinter folgen dann die nächsten, bei Anlegern ebenfalls sehr gefragten IT-Werte wie Visa, Nvidia und Mastercard, die zusammen noch einmal 10 Prozent ausmachen. Nur fünf Werte stehen damit also für 45 Prozent des globalen Tech-Index MSCI World Information Technology – das erscheint beim besten Willen nicht besonders gut diversifiziert. Hier gilt also Vorsicht. Wer passiv in den Index investiert, erwirbt bei Licht besehen hauptsächlich diese fünf Aktien und sollte daher ganz konkrete Erwartungshaltungen hinsichtlich derer zukünftigen Kursentwicklungen haben.

Wie könnte es in Zukunft bei Technologie-Werten weitergehen?

Frank: Zur Zukunft von Tech-Werten, von denen sich Anleger ordentliche Renditen erhoffen: Glücklicherweise tummeln sich hinter dem Spitzenfeld einige sehr interessante „kleinere“ Unternehmen mit Marktkapitalisierungen von bis zu 100 Milliarden US-Dollar, doch auch hier gibt es aktuell Unternehmen, deren Bewertungen kaum noch rational zu rechtfertigen sind. Dabei ist der Tech-Bereich sehr innovativ, es gibt hier fortwährend neue Ideen und Technologien, doch nicht alle werden auch erfolgreich sein. Erfahrung, Experten-Know-how und Selektion sind also Trumpf, wenn man hier als Investor erfolgreich sein möchte. Dieser ständige Fluss von Innovationen und technologischen Disruptionen wird dieses Marktsegment unseres Erachtens auch zukünftig anschieben – und Anlegern auch zukünftig und unabhängig von kurzfristigen Sektor-Rotationen einige Chancen für langfristige Investitionen bieten.

Für Innovationsfreudigkeit steht auch der Gesundheitssektor. Gesundheitstitel waren in den vergangenen Monaten von Investoren ebenfalls gesucht – ungeachtet politischer Unsicherheiten. Was müssen Anleger jetzt über die Zukunftsaussichten der Branche wissen?

Frank: Analog zum Tech-Sektor gibt es auch in der Gesundheitsbranche eine ganze Reihe von Unternehmen mit vielversprechenden, stabilen und profitablen Geschäftsmodellen, die den Markt anführen und gerade mit Blick auf die insgesamt alternde Weltbevölkerung und der daraus folgenden zunehmenden Nachfrage nach Gesundheitslösungen sehr aussichtsreich scheinen. Aber natürlich ist auch diese Branche sehr heterogen: Bspw. lassen wir die derzeit gehypten und hoch-spekulativen Covid19-Impfstoffunternehmen mit ambitionierten Bewertungen bei unseren Investments weitgehend außen vor. Es bleibt fraglich, ob diese Unternehmen die erhofften großen Gewinne mit ihren potenziellen Impfstoffen erzielen können, die die aktuellen Börsenkurse fundamental untermauern würden.

Insgesamt aber hat der Gesundheitssektor einige bei Anlegern hoch geschätzte Eigenschaften…

Frank: In der Tat. Dieses Marktsegment verhält sich wenig zyklisch, weil Gesundheit immer ein Thema ist, egal, ob die Konjunktur gerade gut oder schlecht läuft. Zugleich entsteht auch hier strukturelles, überdurchschnittliches Wachstum durch medizinische Innovation. Es gibt inzwischen Behandlungen, von denen vor zehn oder zwanzig Jahren noch nicht einmal zu träumen war, beispielsweise mit Blick auf neuartige personalisierte Krebstherapien. Auch bei der Entwicklung der Covid-19-Impfstoffe kommen höchst innovative Technologien zum Einsatz.

Covid-19 hat daher auch etwas Gutes: Die rasche Entwicklung von Impfstoffen hat die Branche wieder in ein besseres Licht gerückt, oder?

Frank: In der Tat! Zuvor kochte immer wieder die Diskussion über Preissetzungsmarkt von Medikamenten im Hinblick auf die teils gewaltigen Margen der Pharmakonzerne hoch, die sie aus ihren Tätigkeiten ziehen. Jetzt sehen selbst Kritiker ein, dass die Branche einen ganz wesentlichen Teil dazu beiträgt, die Pandemie zu bewältigen. Gesundheitsunternehmen sind profitabel, wachstumsstark – sie wachsen schneller als die Weltwirtschaft – und sind unserer Einschätzung nach weiterhin ein langfristig aussichtsreiches Segment.

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