„Der Innovationswahn ist weit vorangeschritten“

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Das Wiener Zertifikatehaus Raiffeisen Centrobank (RCB) fiel bisher nicht gerade durch eine Emissionsflut am deutschen Derivatemarkt auf. Zudem gibt es häufig Kritik an der Produktgestaltung der Österreicher. Verständlich, gibt die Produktverantwortliche Heike Arbter im Gespräch mit DAS DERIVAT zu – erklärt aber, warum das so ist.

DAS DERIVAT: Die Raiffeisen Centrobank ist in Deutschland bisher nur mit einzelnen Spezialprodukten am Markt vertreten. Wann kommt der Großangriff?

Heike Arbter: Ich denke, dass wir mit der Rolle eines Nischenanbieters mit innovativen Themen- und Marktzugangsprodukten bisher ganz gut gefahren sind. Deshalb werden wir auch nach wie vor keine große Werbekampagne starten, um unsere Zertifikate zu verkaufen. Unsere Vertriebsmaßnahmen beziehen sich weiter ausschließlich auf die einzelnen Produkte.

DAS DERIVAT: Ist der deutsche Markt nicht interessant genug?

Arbter: Er ist extrem wettbewerbsintensiv geworden. Ich glaube nicht, dass die Anleger ausgerechnet auf ein Dax-Zertifikat der RCB gewartet haben. Deshalb halten wir unsere Produktpalette bewusst kleiner, versuchen aber, mit sinnvollen Innovationen zu punkten.

DAS DERIVAT: Welche Nischen wollen Sie besetzen? Gibt es nicht schon alles?

Arbter: Der Innovationswahn ist tatsächlich sehr weit vorangeschritten. Wir wollen mit unseren Produkten zurück zu den Wurzeln. Sie sollen einfach und verständlich sein und den Anlegern Zugang zu bestimmten Märkten oder Themen bieten.

DAS DERIVAT: Zum Beispiel?

Arbter: Wir haben durch die sehr starke Präsenz von Raiffeisen in Osteuropa einen guten Draht zu den lokalen Börsen, können also die dort gehandelten Aktien sehr einfach in Zertifikate umsetzen. Das wird also weiter ein Schwerpunkt in unserer Palette bleiben.

DAS DERIVAT: Nur stoßen Ihre Produkte nicht immer auf ungeteilte Freude. Zertifikate auf Aktienkörbe rühren Sie nach dem Start nicht mehr an. Wäre es nicht besser, Sie würden die ursprünglichen Gewichtungen regelmäßig wieder herstellen, wie es die Konkurrenz häufig tut?

Arbter: Auf unserem Heimatmarkt Österreich wird noch sehr stark zwischen aktivem und passivem Management unterschieden. Zertifikate sind hier definitiv passiv, Investmentfonds dagegen aktiv. Und das setzen wir in unseren Produkten um, indem wir sie nach Erscheinen nicht mehr antasten.

DAS DERIVAT: Das führt bei starker Kursentwicklung eines Bestandteils automatisch zu einer höheren Gewichtung. Nicht sehr antizyklisch, oder?

Arbter: Bei internationalen Indizes jedoch üblich. Ich gebe aber zu, dass wir das Thema im Team schon oft diskutiert haben. Deshalb decken wir auch sehr viele Märkte und Investmentthemen mit Indexlösungen der Wiener Börse beziehungsweise der Börse Stuttgart ab.

DAS DERIVAT: Dabei verzichten Sie regelmäßig auf eine Managementgebühr, bekommen aber die Dividenden, was auf dem deutschen Zertifikatemarkt nicht mehr allzu üblich ist. Liegen die Dividenden nicht viel höher als beispielsweise eine 1-Prozent-Pauschale?

Arbter: Nicht zwangsläufig. Gerade in unseren Schwerpunktmärkten können zum Teil Dividenden recht niedrig liegen. Zudem sind sie dort teilweise nur sehr schwer zu bekommen. Ukrainische Dividenden beispielsweise werden häufig nicht einmal außer Landes gelassen. Das sind Schwierigkeiten, die wir den Zertifikate-Anlegern ersparen.