Lesedauer: 3 Minuten

Der Kroko-Deal

Durch Krokodilangriffe stirbt statistisch gesehen in Australien Jahr für Jahr ein Mensch. Entsprechende Versicherungen sind ein begehrtes Souvenir bei Touristen. Foto: Getty Images
Durch Krokodilangriffe stirbt statistisch gesehen in Australien Jahr für Jahr ein Mensch. Entsprechende Versicherungen sind ein begehrtes Souvenir bei Touristen. Foto: Getty Images
Kann man sich dagegen versichern, von einem Krokodil gefressen zu werden? Diese Frage wird sich der Bundesbürger wahrscheinlich noch nicht gestellt haben. Für einen Australier hingegen ist sie gar nicht so abwegig. Im Norden des Landes treibt das berüchtigte Salzwasserkrokodil sein Unwesen – mit einer Länge von bis zu sieben Metern und einem Gewicht von bis zu einer Tonne das größte lebende Reptil auf Erden. In Australien tötet es immerhin jedes Jahr einen Menschen. Unter diesem Blickwinkel mutet das Angebot des Territory Insurance Office (TIO), eine „Croc Attack Insurance“ abzuschließen, gar nicht mehr so merkwürdig an.

Versicherungsmesse: Die DKM 2012 in Bildern


Seit über 20 Jahren hat der staatliche Versicherer des Northern Territory den Vertrag im Programm. Stirbt ein Versicherter innerhalb von 30 Tagen nach einer Krokodilattacke im Northern Territory, erhalten seine Hinterbliebenen eine Summe von 50.000 Australischen Dollar (40.432 Euro). Die Police kostet 10 Australische Dollar (8 Euro) und ist ein halbes Jahr gültig. Der Versicherungsschein, auf dem ein bösartig aussehendes Krokodil prangt, gilt unter Touristen als begehrtes Souvenir. Zu den Versicherten zählte immerhin auch schon US-Präsident Barack Obama.

Bei seinem Australien-Besuch Ende vergangenen Jahres überreichte ihm die Regierung des Northern Territory eine entsprechende Versicherung als Geschenk – nach Obamas Bekunden das ungewöhnlichste Präsent, dass er je in seiner Amtszeit als US-Präsident bekommen hat. Hierzulande müssen sich Spaziergänger eher vor randalierenden Wildschweinen in Acht nehmen. Die Tiere sind in Deutschland immer zahlreicher anzutreffen, auch in Randgebieten von Städten.

Eine „Wildschweinangriffs-Police“ sucht der Interessierte aber vergeblich. Doch die Gothaer beruhigt: Eine schnöde Unfallversicherung tut es auch. Der Versicherer muss es wissen. Schließlich bietet er Haftpflichtpolicen für Jäger an, betreibt einen eigenen Jagd-Shop mit Vogel-Galgen und künstlichen Rehschädeln und sollte damit Expertise in Sachen Wildtieren haben.

Wildschweinrempeleien inklusive


„Nach unserer Definition liegt ein Unfall vor, wenn ein plötzlich von außen auf den Körper der versicherten Person wirkendes Ereignis eine unfreiwillige Gesundheitsschädigung hervorruft“, sagt Ralf Mertke, Unfallexperte der Gothaer. Wildschweinrempeleien und -bisse seien solche Ereignisse. Auch wer vor dem Tier flüchtet und sich durch einen Sturz bleibende Schäden zuzieht, ist abgesichert.

Warum ein Wildschwein auf einen Passanten losgeht, ist dabei nicht von Bedeutung. „Ob sich das Wildtier durch einen Radfahrer, Jogger oder Spaziergänger provoziert gefühlt hat oder ob der Angriff auf einen Jäger erfolgt, der es vorher angeschossen hat, spielt letztlich keine Rolle“, sagt Mertke.

>>Vergrößern
Mehr zum Thema
Aus persönlichen GründenHaftpflichtkasse verliert Vorstandsmitglied
Clubhouse-Talk mit Franklin TempletonZwischen Sozialismus und Elend – Die Bundestagswahl und Altersvorsorge
Fehlzeiten-ReportAOK warnt vor psychischen Folgen der Corona-Pandemie