Uwe Zimmer (Gastautor)Lesedauer: 2 Minuten

Schlechtes Gewissen oder Angst? Der Krypto-Dieb mit dem weißen Hut

Gutschrift über rund 93 Millionen Dollar in Ether auf der von Poly Network angegebenen Adresse
Gutschrift über rund 93 Millionen Dollar in Ether auf der von Poly Network angegebenen Adresse: Hacker gaben ihre Beute zurück. | Foto: Screenshot

Kryptowährungen im Wert von 600 Millionen US-Dollar hatte ein immer noch unbekannter Dieb von Poly Network gestohlen. Etwa 273 Millionen US-Dollar von Ethereum, 253 Millionen Dollar aus der Binance Smart Chain und 85 Millionen Dollar in USD Coin verschwanden aus dem Polygon-Netzwerk. Der größte Krypto-Coup der Welt. Doch dann überkam den oder die Hacker ein schlechtes Gewissen: Mittlerweile wurden die gestohlenen Kryptos erstattet.

Dabei nutzte der Dieb eine Schwachstelle beim Tausch der Kryptowährungen. Poly Network gehört zur wachsenden Zahl von Plattformen, die mehrere Blockchains kombinieren. Der Tausch zwischen Bitcoin, Ether & Co. wird so einfacher, das Kryptoversum wächst zusammen. Und es entstehen neue Angriffspunkte. Einen davon nutzte der Dieb aus, stahl die Kryptos – und gab sie dann zurück. Ein White-Hat-Hacker also?

Als „White Hat“ werden Hacker bezeichnet, die ohne böse Absicht handeln und keinen Schaden anrichten wollen. Die auch vielleicht nur auf Sicherheitslücken aufmerksam machen wollen. Oder auf ein Kopfgeld aus sind, das von angegriffenen Firmen oft ganz gerne für den Hinweis auf gefährliche Schwachstellen bezahlt wird.

Möglich, aber es könnte auch eine andere Erzählung dahinterstecken. Denn während viele Jahre lang Krypto-Erpresser oder Diebe oft ungeschoren, weil unerkannt davonkamen, hat sich mittlerweile etwas getan. So schlug Poly Alarm, informierte die Unternehmen der Branche und die Community. Schnell waren Wallets identifiziert, die mit dem Fall in Verbindung standen, ebenso schnell auch Beträge eingefroren.

Es kann also gut sein, dass der Dieb zwar die Kryptos hatte, aber nichts damit anfangen konnte. Und dann den Weg der Rückgabe wählte, um zumindest noch den Ruhm und das Kopfgeld zu ernten.

Soweit handelt es sich um ein interessantes Gaunerstück. Doch die Auswirkungen auf die Kryptowährungen und den Umgang mit digitalen Assets könnten weit größer sein. Denn zum ersten Mal haben in diesem Umfang Schutzmaßnahmen funktioniert, konnte der Dieb nicht mit der Beute entkommen. Für Investoren ist das eine sehr gute Nachricht. Denn nicht nur in den Umfragen unter institutionellen Anlegern stand die Angst vor Betrug oder Diebstahl immer ganz oben, wenn es um Gründe für Nicht-Investments ging.

Wenn klar wird, dass nicht nur die Regulierung in den kommenden Jahren strenger wird, sondern auch die Selbstverteidigungsmechanismen der Unternehmen, öffnet das den Kryptos den Weg in die Breite der Gesellschaft. Und immer wäre damit ein deutliches Plus bei der Nachfrage nach den Kryptowährungen verbunden – auf die heute schon gewettet werden kann.

Diesen und weitere Vermögensverwalter mit ihren Meinungen und Online-Anlagestrategien finden Sie hier.

Mehr zum Thema
Wahlprogrammcheck des BVIWie die Parteien zu Finanzthemen stehen
Erst eine Lizenz erteiltSo viele Anträge auf Kryptoverwahrung liegen der Bafin vor
Altersvorsorge-FintechHacker greifen Raisin Pension an