Robert Halver über Börsenbarometer „Der M-Dax ist der bessere Dax“

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Zudem hat Bundeskanzlerin Angela Merkel sogar in China für Wirecard geworben. War es die Sehnsucht nach einem modernen Vorzeigeunternehmen, die so viele erfahrene Akteure geblendet hat?

Halver: Ja, Wirecard war der Beweis, dass Deutschland abgesehen von SAP auch auf der Top-Ebene Digitalisierung und Hightech kann, nicht nur die USA und China. Das könnte ein Grund für die Beteiligten gewesen sein, nicht so genau hinzuschauen. Und Unterstützung aus der Wirtschaft, wie etwa von Wirecard-Kunden im Einzelhandel, die berichteten, wie super alles mit dem Bezahlsystem laufe.

Die manipulierten Bilanzzahlen sahen gut aus und die EY-Wirtschaftsprüfer segneten diese ab. Außerdem machte die Bafin mit ihrem Verbot von Leerverkäufen der Wirecard-Aktie und der Strafanzeige gegen Redakteure der „Financial Times“ mehr als deutlich, dass dort kein Ungemach zu befürchten sei. Wenn alle Aufsichtsstellen ihr Plazet geben, sollten Analysten dem eigentlich vertrauen können.

Das ist breiter Konsens in der Finanzindustrie. Aber sollten bei jahrelangen Gerüchten über falsche Bilanzen nicht doch alle Alarmglocken schrillen?

Halver: Ja, das ist vollkommen richtig. Gerade wenn ein renommiertes Finanzblatt – nicht die Apothekenrundschau wohlgemerkt – wiederholt darauf hinweist, dort stimme etwas nicht, dann muss man dem nachgehen. Dennoch hat die Aufsicht versagt, was auch ihrer personellen Knappheit zuzuschreiben ist. EY hat übrigens tatsächlich in Asien versucht nachzuforschen. Dort allerdings haben Wirecard-Verantwortliche mit viel Schauspielkunst und krimineller Energie potemkinsche Dörfer aufgebaut.

Ist alles Notwendige auf der Schiene, um solche Debakel künftig zu verhindern?

Halver: Ja, die Aufsicht wird künftig früher Alarm schlagen. Der Leitsatz muss sein: Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Man sollte sich an der amerikanischen Börsenaufsicht orientieren. Die greifen hart durch, aber sie lassen unternehmerische Entfaltung grundsätzlich zu. Deutschland denkt ja dort ganz gerne in Schwarz und Weiß. Auf der einen Seite Blauäugigkeit mit wenig kritischer Distanz und auf der anderen Seite, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, die Wasserversorgung einstellen. Deutschland darf jetzt auf keinen Fall, um von Versäumnissen abzulenken, mit vorbeugendem Gehorsam alles kaputtregulieren.

Die Wertzuwächse sprechen gegen große Dax-Firmen und für Mittelständler, wie sie in M-Dax und S-Dax gelistet sind. Deckt sich das mit Ihrer Analyse?

Halver: Absolut, gerade der M-Dax ist der bessere Dax. Die zweite Unternehmensreihe ist hierzulande bestens aufgestellt. Wir haben dort zahlreiche Patente und sind selbst im Hightech-Bereich mit dabei, wenn auch nicht ganz auf US-Niveau. Die großen Investoren sehen die Chancen und steigen trotz der geringeren Liquidität ein, sobald die Konjunktur Fahrt aufnimmt.

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