Vegetarische Grillplatte Foto: imago images / agefotostock

Vermögensverwalter über Fleischersatz

Der Markt steckt noch in Kinderschuhen

Patrik Baboumian, bekennender Veganer und im Jahr 2011 mit dem Titel „Stärkster Mann Deutschlands“ gekürt, wurde einst gefragt, warum er so stark sei wie ein Ochse. Seine Antwort war so simpel wie überraschend: „Weil ich das gleiche esse wie ein Ochse.“

Trotz solcher prominenten Stimmen wurden Vegetarier und Veganer lange Zeit belächelt und als Öko-Spinner verspottet, doch nun ändert sich die Situation. Ob vegane Wurst oder Burger aus Erbsen: Immer mehr Menschen greifen zu Fleischersatzprodukten. Sie wollen keine Massentierhaltung mehr, sondern nachhaltig produzierte Lebensmittel genießen.

Für Investoren sollte dies Anlass genug sein, sich mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen. Dass immer mehr Bürger zu Pflanzen-Burgern greifen, hat mehrere Gründe. Umfragen zufolge wollen Verbraucher in erster Linie ihren Fleischkonsum reduzieren, gefolgt von ethischen Gründen, Umweltsorgen, Gesundheitsaspekten und nicht zuletzt, um ein Zeichen zu setzen gegen die schlechten Arbeitsbedingungen in der industriellen Fleischerzeugung.

Eine geringere Rolle spielt hingegen der Preis. Da die Fleischersatzprodukte relativ teuer sind konkurrieren sie eher mit Bioprodukten und nicht mit Billigfleisch vom Discounter. Vor allem die klassische Fleischproduktion wird zunehmend kritisch gesehen. Kein Wunder, wenn man sich die Treibhausemissionen aus der Tierhaltung näher betrachtet: Die rund 1,5 Milliarden Kühe weltweit scheiden alle 40 Sekunden Methangas aus und sind damit rund für 15 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich.

Weitere negative Folgen sind der hohe Flächenverbrauch für die Futtermittelproduktion, riesige Monokulturen mit katastrophalen Folgen für die Bodenbeschaffenheit, die Zerstörung des Regenwalds und der ineffiziente Einsatz von Wasser. So werden für die Produktion von 100 Gramm essbaren Rind 1.540 Liter Wasser verbraucht. Auch Haltung, Transport und Schlachtbedingungen sowie die Arbeitsbedingungen in der Billigfleischindustrie werden immer stärker kritisiert.

Fleischersatzprodukte bestehen meist aus Weizen sowie Hülsenfrüchten wie Soja oder Erbsen. Sowohl bei den CO2-Emissionen als auch beim Wasserverbrauch sind sie wesentlich sparsamer als die Zucht von Rind, Schwein und Geflügel. Für Vermögensverwalter stellt sich nun die Frage, ob es sinnvoll sein könnte, in Unternehmen aus dieser Boom-Branche zu investieren. Eine Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist.

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