Wenn ein neuer Tarif auf den Markt kommt, gibt es unterschiedliche Erwartungshaltungen. Die Ausschließlichkeit fragt: „Sind wir besser als vorher?“ Makler wollen wissen: „Ist das ein Top-Tarif? In Leistung oder Preis?“ Und ich frage mich: „Gibt es hier etwas Interessantes zu berichten?“

Spoiler: Alle bekommen etwas ab.

1,2 Prozent Marktanteil klingt klein, reicht aber für die Top-20 und fast eine halbe Milliarde Prämienaufkommen. Was in dieser Sparte auch fast genauso viel Schadensaufkommen bedeutet. Somit: ein relevanter Tarif, wenn auch deutlich eher für die eigenen als für freie Vermittler. Damit ist klar: Das ist nicht nur „Tarifpflege“. Das betrifft spürbar viele Verträge und Vermittler.

Abgrenzung: Es geht um den Einzeltarif, nicht um „Flotte“

Im Flottengeschäft ist praktisch alles verhandelbar: Konditionen, Sondervereinbarungen, Haftungsbausteine, Selbstbehalte, Prämienlogik. Da haben die großen Player oft eigene Vertragswerke, unabhängig vom ursprünglichen Standard-Wording. Einzeltarife sind dagegen „von der Stange“: leicht modular, direkt in Vergleichsrechnern hinterlegt und für Kunden einsehbar.

Der neue Aufbau, laut eigener Darstellung:

Basis: ein solider Grundschutz, der modular ausbaubar ist.

Premium: Rundum-sorglos, wo das meiste „inklusive“ ist.

Und direkt kommen wir zu dem Punkt, den ich immer wieder bemängle: Wenn man diese Unterscheidung macht, dann muss der Unterschied sauber in Leistung und Prämie abgebildet sein. Sonst verwässert das die Auswahl. Versicherung ist Ausgleich im Kollektiv. Schlechte Abgrenzungen sorgen für negative Auslese.

Wie sieht es hier aus? Die Leistungsunterschiede sind gewaltig. Aber die Prämie unterscheidet sich nur um circa 10 Prozent, wie meine Beispielberechnungen ergeben haben. Für so große Unterschiede ist das kaum plausibel.

Das ist genau die Tariflogik, die im Alltag Ärger produziert: Für den Vertrieb deutlich mehr Erläuterungen, Beratungsbedarf und Dokumentationsaufwand. Aber dann auch in Betrieb beim Policieren, in Schulungen und in der Leistungsbearbeitung.

Final für Kunden dann im Schadensfall eine negative Erfahrung, wenn das benötigte Modul fehlt, das für wenige Euro mehr mitversichert gewesen wäre.

So ist in Basis zum Beispiel der Zusammenprall nur mit „Haarwild“ abgedeckt, ein Thema, das seit vielen Jahren in allen guten Tarifen besser geregelt ist.

Was ist neu: die harten Fakten im Tarif

Darf man von einem Versicherer der „das Handwerk versteht“ erwarten, dass er auch sein Handwerk versteht? Ich schaue bei Updates auf drei Ebenen und suche die interessantesten Punkte raus:

  • Was konnte der alte Tarif nicht / nur über Extra-Baustein?
  • Was kann Basis nicht, Premium aber schon?
  • Was behauptet das Marketing, und was steht wirklich in Bedingungen/Angebot?

Natürlich gibt es diverse Verbesserungen im neuen Tarif, vor allem in der Premium-Variante. Summen und Sublimits wurden teils drastisch erhöht. Das bisher optionale Modul „Autoschutz“ wurde dankenswerterweise direkt integriert.

Nur: Das meiste ist nicht innovativ, sondern mit Blick auf den Markt schlicht eine nötige Anpassung. Beispielsweise die Neu- und Kaufwertanhebung von 24 auf marktübliche 36 Monate. Oder Tierbissfolgeschäden von 5.000 Euro auf 20.000 Euro, wo andere teils bereits „unbegrenzt“ stehen haben.

Dazu eine ganze Reihe wichtiger neuer Werbe-Buzzwords wie die Mitversicherung der Dashcam, Ausgleich im Carsharing (maximal 1.000 Euro), pauschale Wertminderung (maximal 3.000 Euro). Ein bisschen Smart-Repair und Cyber- beziehungsweise Hacker-Schutz – und die Wallbox ist nach wie vor bis 3.000 Euro gegen Diebstahl versichert.

Überhaupt sind in der E-/Hybrid-Thematik „Akku All Risk“ die meisten Sublimit-Erhöhungen zu finden: Kurzschluss, Überspannung, Schäden durch Blitz und Tierbisse sind hier nicht mehr bis 20, sondern 30 Tausend Euro mitversichert. Der Restwert des Akkus einschließlich Zustandsdiagnostik kann im Schadensfall bis 3.000 Euro ermittelt werden.

Realitätscheck & Marktvergleich

Das meiste ist nicht „innovativ“, sondern schlicht überfällige Marktangleichung. Preislich ist man im oberen Drittel mit dabei. Deswegen wahrscheinlich auch der Kunstgriff mit dem eigentlich unvermittelbaren Basistarif: 10 Prozent helfen dabei, viele Plätze im beliebtesten Filter „sortiere nach Preis“ wettzumachen.

Doch zumindest der unabhängige Markt geht seit Jahren immer mehr auf Leistung statt möglichst billig, da Kfz-Kunden auch sehr empfindlich auf nicht abgedeckte Schäden reagieren.

Meine Einschätzung

Ein neuer, guter Tarif. Die Ausschließlichkeit darf sich freuen, deutlich mehr Leistung anbieten zu können. Jeder, der Vollkasko braucht, sollte einen Bogen um den Basistarif machen. Makler werden selten die Signal Iduna empfehlen. Somit bleibt alles grundsätzlich wie vorher, nur auf einem leistungsstärkeren Niveau.

Ich hätte mir mehr Mut zu Innovationen gewünscht, behalte die weitere Entwicklung aber gerne im Auge.

Über den Autor:

Florian D. Schulz ist seit 1999 in der Finanzbranche. Er ist unter anderem Inhaber von Finanzmakler F. Schulz & Team. Mit seinen Mitarbeitern hat er sich früh auf Gewerbe, Industrie & Verbände spezialisiert. Als Experte für Gruppen- und Rahmenverträge ist die Privathaftpflicht im Belegschaftsgeschäft eine wichtige Sparte. Schulz engagiert sich in diversen Vermittlerverbänden, arbeitet als Trainer und Dozent für Fach- und Betriebswirte und auf Firmenveranstaltungen. Er betreibt den privaten Podcast „#FragFinanzFlorian“.