Michael Reuss, geschäftsführender Gesellschafter der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung in München

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Der niedrige Leitzins und seine Folgen

Investieren ist das neue Sparen

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Sparer in Deutschland stecken in der Klemme: Die EZB hat die Leitzinsen auf nun 0,15 Prozent gesenkt, und ab 2015 verringert sich der Garantiezins für neue Lebensversicherungen auf 1,25 Prozent.

Gleichzeitig lassen die Notenbanken dank lockerer Geldpolitik die Aktienmärkte haussieren. Anleger, die Rendite suchen, kommen daher an Investitionen in Produktivkapital nicht vorbei – an gewissen Grundsätzen für ihre Aktienanlage aber auch nicht.

Seien wir ehrlich: Schon vor der jüngsten Zinssenkung machte Sparen keinen Spaß mehr! Wie auch – bei maximalen Zinssätzen von 1,3 Prozent fürs Tagesgeld und 2,5 Prozent für fünfjährige Geldanlagen? Wer derzeit an gute Schuldner Geld verleiht, muss sogar mit Zinsen nahe dem Nullpunkt leben.

Auch Lebensversicherungen sind keine Alternative mehr: Bei Neuverträgen sinkt der Garantiezins ab dem kommenden Jahr auf 1,25 Prozent. Altverträge garantieren zwar noch höhere Zinsen, doch schrumpft die erhoffte Überschussbeteiligung zusammen. Klar ist: So lässt sich Vermögen nicht erhalten, geschweige denn vermehren.

Zinsen werden über Jahre niedrig bleiben

An dieser Situation wird sich so schnell nichts ändern – im Gegenteil: Neueste Inflationsprognosen der EZB deuten darauf hin, dass die Zinsen lange niedrig bleiben werden. Frühestens im Jahr 2017 – also in rund drei Jahren (!) – wird mit einer ersten Zinserhöhung gerechnet.

Gleichzeitig zeigen sich nach der Federal Reserve und der Bank of Japan nun auch Europas Zentralbanker bereit, die monetären Zügel zu lockern und Zentralbankgeld in das Finanzsystem zu pumpen. Die Erfahrungen mit dem Quantitative Easing von Fed und BoJ belegen, dass die Aktienmärkte von dieser reichlich vorhandenen Liquidität profitieren.

Jährliche Renditen zwischen 5 und 15 Prozent


Hinzu kommen gute News von der Konjunktur. Nach einem Plus von 2,8 Prozent im vergangenen Jahr soll die Weltwirtschaft nach Prognosen der Deutschen Bank 2014 mit 3,3 Prozent und 2015 sogar mit 3,9 Prozent wachsen. Daher führt trotz geopolitischer Gefahren unseres Erachtens derzeit kein Weg an der Aktienanlage vorbei.

Schließlich verunsichern Krisen in einzelnen Weltregionen die Aktienmärkte in der Regel nur kurzfristig. Doch auf lange Sicht spielen Aktien ihre Stärke aus: Wer 20 Jahre in deutsche Standardwerte investiert war, erzielte bisher – egal wann er eingestiegen ist – eine jährliche Durchschnittsrendite von im schlechtesten Fall 5 Prozent. Im besten Fall belief sich die jährliche Rendite auf 15 Prozent.

Breite Streuung bewahrt vor üblen Folgen

Freilich ist mit den höheren Erträgen auch ein höheres Risiko verbunden. Doch mit wenigen Kniffen können Ableger die Stabilität ihres Aktiendepots erhöhen: Wer sein Depot international ausrichtet und sein Aktienvermögen auf unterschiedliche Werte, Branchen und Märkte aufteilt, legt ein festes Fundament für seinen Erfolg. Eine gute Möglichkeit bieten börsengehandelte Fonds (ETFs), die einen umfassenden Index – etwa den MSCI World mit rund 1.500 Werten – abbilden.

Stabil wachsende Dividenden sind ein gutes Zeichen

Will man die Einzeltitel selbst auswählen, sollte man auf eine hohe und über die Jahre stabile Dividendenrendite achten. Denn eine stabile Auszahlung gilt als Zeichen von Stärke: Hat ein Unternehmen die Dividende kontinuierlich gezahlt und angehoben, darf man davon ausgehen, dass das Geschäftsmodell funktioniert und die Zahlungsströme sicher sind. Die besten Dividendenzahler sind meist bekannte Unternehmen aus konjunkturunabhängigen Branchen wie Nahrungsmittel, Kosmetik oder Pharmazie.

Fazit: Nur die Investition in Produktivkapital bietet Anlegern derzeit die Chance auf nennenswerten Vermögenszuwachs. Und all denen, die Freude daran haben, die Unternehmen mit den nachhaltig erfolgreichsten Geschäftsmodellen ausfindig zu machen, kann Anlegen auch heute noch richtig Spaß machen.

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