Der Fall
Gabriele und Manfred Müller besitzen zwei Apotheken in einer deutschen Großstadt. Ihre verheiratete Tochter überraschte sie vor Kurzem mit folgender Nachricht: Sie werden Großeltern von Zwillingen. Die Müllers überlegen nun, finanziell für den Nachwuchs vorzusorgen. Ihnen schwebt ein Betrag von 20.000 Euro pro Kind für die Absicherung der Ausbildung vor. Das eigene Depot des Ehepaars hat sich jüngst rasch erholt. Die Müllers wollen deshalb vermeiden, jetzt zu teuer einzusteigen, auch wenn sich die Bedeutung des Einstiegszeitpunkts mit der Länge des Anlagehorizonts relativiert. Der Kompromiss: Zunächst wird der Betrag in einen Geldmarktfonds investiert und von da aus monatlich in Aktienfonds getauscht. So erreichen sie eine Grundverzinsung und nutzen gleichzeitig bei schwankenden Märkten den Cost-Average-Effekt.
Der Vorschlag
Die Grundlage für das Portfolio, welches das Ehepaar Müller für seine Enkel eröffnen möchte, bildet ein Geldmarktfonds, in den zu Beginn die kompletten 20.000 Euro für jeweils ein Enkelkind investiert werden. Damit von den aktuell vergleichsweise attraktiven Zinsen auch viel übrig bleibt, empfehlen wir den Amundi Euro Overnight ETF.
Aus dem ETF werden dann monatlich 500 Euro in fünf verschiedene Fonds mit jeweils 100 Euro getauscht. Daraus ergibt sich ein Zeitraum von mindestens 40 Monaten. Damit sollte auch der Fall einer Krise komplett überbrückt werden. Der erste Fonds, der Montrusco Bolton Global Equity, legt weltweit in Aktien an.
Die zugrunde liegende Strategie konnte seit Auflegung 2008 mit demselben Manager den MSCI World um durchschnittlich über 4 Prozent im Jahr schlagen. Dies gelingt durch die Fokussierung auf 30 bis 40 Aktien statt 1.500 Titel im Index. Zudem hat er in den vier negativen Jahren seit 2008 jeweils weniger als der MSCI World verloren.
Die großen Tech-Werte sind im globalen Fonds bereits enthalten, sodass wir uns zusätzlich für den DNB Technology entschieden haben. Die norwegischen Manager stellen das Portfolio vor allem aus defensiveren Tech-Unternehmen zusammen. Im Tech-Crash 2022 verlor der Fonds nur halb so viel wie der Nasdaq, konnte im Folgejahr aber ebenfalls fast 40 Prozent zulegen.
In einem breit gestreuten Depot dürfen Schwellenländer nicht fehlen. Wir empfehlen Müllers den New Capital EM Future Leaders, der China aktuell nicht im Portfolio hat und mit den Schwergewichten Brasilien, Indien und Mexiko drei deutlich besser laufende Märkte allokiert.





Was die Nachhaltigkeitskriterien angeht, sind die bisher aufgezählten Fonds alle hellgrün. Der Pictet Global Environmental Opportunities zählt zu den dunkelgrünen Fonds. Die Aktien stammen aus solchen Bereichen, die einen positiven Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der UN leisten.
Einen Mischfonds haben wir ebenfalls ausgesucht: den I-AM Green Stars Opportunities. Obwohl kein reines Aktieninvestment, konnte das Management durch einen recht hohen Anteil an Tech-Unternehmen und den richtigen Aktien aus dem Gesundheitssektor in den vergangenen fünf Jahren weit bekanntere Mischfonds renditemäßig hinter sich lassen.





Bei der Fondsauswahl haben wir darauf geachtet, die günstigen institutionellen oder Clean-Share-Klassen der Fonds zu verwenden. Es ist nur ein ETF dabei, da die gemanagten Fonds von Montrusco oder DNB Technology vor allem in schwierigen Situationen besser abgeschnitten haben und wir bei nachhaltigen ETFs trotz ESG oder SRI im Namen oftmals Greenwashing sehen.
Der Tauschplan sollte zur Monatsmitte erfolgen. Studien belegen, dass über einen langen Zeitraum die Aktienkurse zum Monatsersten ein paar Basispunkte höher liegen. Die Depots sollten auf die Enkel laufen. Die Eltern können den Müllers eine Vollmacht erteilen. Je nach Marktentwicklung empfehlen wir, sobald alles voll investiert ist, regelmäßig umzuschichten. Dadurch sind automatisch Gewinnmitnahmen gewährleistet und der Erlös wird gleich verwendet, um antizyklisch weniger gut laufende Fonds billiger nachzukaufen. Die regelmäßigen Verkäufe sind auch steuerlich sinnvoll, da auf diese Weise der jährliche Steuerfreibetrag besser genutzt wird und somit nicht der gesamte Kursgewinn am Ende versteuert werden muss.
Wenn das Kapital am Ende doch nicht für die Ausbildung benötigt wird, stünde es als Grundstock für die erste Wohnung oder die private Altersvorsorge zur Verfügung.
Über den Autor: Sebastian Zimmermann ist Leiter Investment und Research der Vermögensberatung SJB Fondsskyline 1989 in Korschenbroich.
