Der Putin-Faktor

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(Quelle: Das INVESTMENT) Es war keine Überraschung: Erwartungsgemäß endete die Wahl eines neuen Parlaments in Russland Anfang Dezember mit einem klaren Sieg der Partei des Präsidenten Wladimir Putin. Wenige Tage später wurde bekannt, wer Putin im Amt des Präsidenten im Februar dieses Jahres nachfolgen soll: Gazprom-Aufsichtsratschef Dmitrij Medwedew gilt nach seiner Nominierung durch Putin auch vor den Wahlen im Februar schon als gewählt und hat zudem bereits angekündigt, Putin zum Regierungschef machen zu wollen.

Die Wahl, die westliche Regierungen und Regierungsorganisationen angesichts eines unfairen und undemokratischen Verlaufs scharf kritisiert haben, ist für Russland-Anleger ein Segen. „Für die Börse ist Putin ein Garant für Stabilität, die Reformen gehen weiter", kommentiert Amalia Ripfl, Osteuropa-Expertin der österreichischen Fondsgesellschaft Espa. Demokratische Werte dagegen zählen für Wirtschaft und Börse nur am Rande.

Der russische Aktienindex quittierte die Bekanntgabe der Medwedew-Kandidatur mit einem Plus von fast 2 Prozent. Über das Jahr stieg der russische Leitindex RTS um rund 11 Prozent, seit Putin an der Macht ist, also seit 2000, sind es stolze 880 Prozent.

Dass der russische Markt 2007 teilweise deutlich hinter anderen Schwellenländern zurückgeblieben ist, erklären Experten mit der großen Gewichtung von Öl- und Gaswerten im Leitindex. Der Sektor hat ein Gewicht von rund 50 Prozent im Index und ist für ein Viertel des russischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. Doch trotz des hohen Ölpreises haben russische Ölunternehmen ihre Gewinne allenfalls mäßig steigern können. Grund dafür ist, dass der russische Staat mitkassiert: Regelmäßig passt Russland die Abgaben an, die die Konzerne auf ihre Ölexporte zahlen müssen. So bleiben nur rund 20 Prozent der Erlöse bei den Ölfirmen.

Aber auch wenn Öl und Gas bislang Russlands wichtigster Wirtschaftsfaktor sind: Immer mehr andere Branchen boomen dank des kontinuierlich hohen Wirtschaftswachstums, das sich angesichts der geklärten Machtfrage fortsetzen sollte. Die Russlandexperten der Deutschen Bank gehen von einem Wachstum von jeweils mehr als 6 Prozent für die kommenden zwei Jahre aus, ähnliches schätzen die Volkswirte anderer Institute.

Die meisten Aktienstrategen sehen daher Chancen am russischen Aktienmarkt, und zwar gerade auch abseits der Öl- und Gasbranche. Andere Rohstoffe, die Baubranche und der Konsum sollten der Börse Auftrieb geben. Zumal die meisten Aktien günstiger zu haben sind als in anderen Schwellenländern. Thies Ziemke von Parus Kreml Capital Management, einem der erfolgreichsten Manager von Russland-Hedge-Fonds, ist von Nickelproduzenten, Telekomfirmen und Düngemittelherstellern überzeugt: „Hier kann man eigentlich investieren, ohne groß nachzudenken.“ Für besonders aussichtsreich hält er zudem ein Investment in kleinere russische Unternehmen: „Gerade Nebenwerte sind in Russland häufig noch für einen Apfel und ein Ei zu haben.“