Der Puzzle-Spieler

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(Quelle: DAS INVESTMENT) „Bei der Auswahl einer Aktie ist es wie mit einem Puzzlespiel“, erklärt Alexander Scurlock. „Eine Aktie kommt für mich nur dann für eine Investition in Frage, wenn das Unternehmen zusammen mit den umliegenden Faktoren ein stimmiges Bild ergibt.“ Damit meint der Fondsmanager des Fidelity European Growth Fund zum einen die Kunden und Zulieferer der Firma. Zum anderen beobachtet er ihre bestehenden und potenziellen Wettbewerber. „Die fundamentale Unternehmensanalyse ist der Dreh- und Angelpunkt meiner Titelauswahl“, so Scurlock, der sich selbst als Stockpicker bezeichnet. „Ich durchkämme den gesamten europäischen Aktienmarkt auf der Suche nach den besten Anlagechancen.“

Die Unternehmensgröße spielt für Scurlock keine Rolle. Sein Fonds besteht aktuell zum größten Teil aus Unternehmen mit hohem Börsenwert. „Die Standardwerte sind zu günstig geworden, um sie links liegen zu lassen“, so Scurlock. Bereits 2007 habe sich ein Favoritenwechsel von kleinen und mittleren hin zu großen Unternehmen abgezeichnet. „Dieser Trend wird sich 2008 festigen.“ Denn die Branchenschwergewichte seien internationaler aufgestellt als die Kleinunternehmen. „Dadurch profitieren sie von der Entwicklung aufstrebender Märkte in Asien und Lateinamerika.“ Aber auch in der Eurozone hält Scurlock die Konjunkturaussichten für gut. Zwar hinterließ die US-Finanzkrise seit dem Sommer 2007 ihre Spuren an der Börse. „Durch die jüngsten Kursschwankungen sind aber neue Chancen entstanden“, meint der Fondsmanager.

Scurlock sucht Firmen, die er für günstig bewertet hält. Die findet er zurzeit vor allem im Finanzsektor, dem mit rund 22 Prozent derzeit größten Posten in der Branchengewichtung des Fondsportfolios. Bei Scurlocks Länderanteilen dominieren Deutschland und Großbritannien mit jeweils mehr als einem Fünftel des Fonds. Doch das ist nicht das Ergebnis einer gesamtwirtschaftlichen Analyse der aussichtsreichsten Branchen und Regionen Europas: „Ich stelle das Portfolio Titel für Titel zusammen“, so Scurlock. Dabei zählen nur die Fundamentaldaten der Unternehmen. „Allerdings mache ich danach immer noch einen Realitäts-Check, indem ich das Ganze noch einmal aus der Makro-Perspektive betrachte.“ Der Fondsmanager fragt sich dann, wie weltwirtschaftliche Entwicklungen auf die Kurse der Aktien im Fonds Einfluss nehmen. „Das zeigt mir, ob ich richtig in der Spur liege.“

Anfang 2007 hat Scurlock den Fidelity European Growth übernommen. Bis Mitte Dezember stieg der Wert des Fonds um knapp 10 Prozent. „90 Prozent der Rendite in den vorigen zwölf Monaten sind das Ergebnis unserer Titelauswahl“, so Scurlock. „Zu den besten Positionen gehören derzeit die Aktien von Eon, Nokia und Bayer.“ Jede von ihnen macht bis zu 4 Prozent des gesamten Fondsvolumens von derzeit rund 15 Milliarden Euro aus. Den Vergleichsindex FTSE Europe Index schlug Scurlock 2007 aber auch dank seiner Untergewichtung des britisch-schwedischen Pharmariesen Astra Zeneca. Scurlock: „Ich investiere in Aktien, die nicht im Portfolio sind, ebenso viel Zeit wie in solche, die ich im Depot halte.“