Lesedauer: 6 Minuten

Manuel Heyden im Gespräch „Der reflektierte Anleger ist mein Ideal“

Manuel Heyden gründete 2014 den Neobroker Nextmarkets.
Manuel Heyden gründete 2014 den Neobroker Nextmarkets. | Foto: Nextmarkets

Herr Heyden, Sie wollen mit Nextmarkets die Menschen für Aktien begeistern. Was unterscheidet Ihre Plattform zum einen vom Broker der klassischen Hausbank und was von anderen Neobrokern?

Manuel Heyden: Bei uns steht das kuratierte Investieren im Vordergrund. Bei Nextmarkets veröffentlichen mittlerweile über 20 Börsen-Coaches bis zu 300 kostenlose Analysen im Monat. Die meisten haben einen institutionellen Background als Investmentbanker oder Fondsmanager. Alle haben langjährige Börsenerfahrung, an der sie die Privatanleger teilhaben lassen. Anders als beim Social-Trading sind sie als Signalgeber nicht anonym, sondern erklären ihre Ansätze transparent.

Ihre Berater begleiten also die Anleger. Wie funktioniert das genau?

Heyden: Relativ unkompliziert. Der jeweilige Coach analysiert regelmäßig den Markt nach neuen Investitionschancen. Wird er fündig, teilt er seine Investment-Idee mit den Nutzern auf Nextmarkets, die dann eine Push-Nachricht erhalten. Wer möchte, kann mit einem Klick parallel zum Coach investieren oder auch einfach nur die Anregung für spätere Investments mitnehmen.

Dadurch entsteht intuitiv ein Lerneffekt, indem man sich mit den transparenten Strategien und Argumenten der Coaches beschäftigt und dabei das eigene Anlegerprofil schärfen kann. Als Dauerlösung für passive Anleger gibt es auch die Möglichkeit, die Transaktionen der Coaches automatisiert nachzuvollziehen.

Nach welchen Kriterien wählen sie diese Berater aus?

Heyden: Bei der Auswahl gibt es für uns mindestens drei entscheidende Kriterien, die jeder Coach erfüllen sollte. An erster Stelle steht natürlich die Fachexpertise, die sich auf eine gute Finanzausbildung und langjährige Berufserfahrung, etwa als Fondsmanager anerkannter Bankhäuser oder Fondsgesellschaften, stützt. Nicht weniger wichtig ist aber auch, dass der Coach eine klare und profitable Handelsstrategie hat.

So erleichtern wir unseren Anlegern die Auswahl, welche Coaches für sie interessant sein können und schaffen bestmögliche Transparenz. Schließlich ist gerade für das kuratierte Traden von Bedeutung, dass die Coaches auch in der Lage sind, ihre Ansätze und Ideen verständlich zu präsentieren und die Community mitzunehmen.

Welche Investments stehen bei Ihren Beratern zurzeit besonders hoch im Kurs?

Heyden: Durch ihre unterschiedlichen Strategien decken die Coaches ein breites Spektrum an Werten ab – nicht nur Aktien, sondern auch Rohstoffe, Währungen oder Indizes. Viele Coaches betonen momentan etwa das weiter große Potenzial von Tech-Werten und nehmen diese in ihre Handelsideen auf.

Auch Kryptowährungen finden bei einigen Coaches zunehmend ihren Platz im Portfolio. Trotzdem hat jeder Coach ein individuelles Konzept und daher ganz unterschiedliche Favoriten, beispielsweise bei deutschen oder US-amerikanischen Nebenwerten, die der breiten Masse eher unbekannt sind.

Welcher Anlegertyp ist Ihnen am liebsten? Doch sicherlich der Trader-Typ, der morgens die Börsennachrichten liest und bis zum Mittag sein Depot einmal auf links dreht.

Heyden: Das würde ich so pauschal gar nicht sagen. Unsere Motivation ist es vor allem, den Börsenhandel – wie wir es gerne beschreiben – zu demokratisieren. Gerade in Deutschland sind weiterhin verhältnismäßig wenig Privatanleger auf dem Aktienmarkt investiert, obwohl sich mit dem richtigen Risiko-Management gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase echte Vorteile ergeben.

Die irrationale Angst vor einem Investment wegen fehlender oder schlechter Erfahrungen, etwa aus dem Platzen der Dotcom-Blase, wollen wir mit unserem Modell überwinden. Aus dieser Sicht ist für mich der reflektierte Anleger, der gerne dazu lernt, seine Entscheidung rational begründet und informiert trifft, das Ideal.

Sind Kostolanys Schlaftabletten noch zeitgemäß?

Heyden: Es gibt gute Gründe, warum Buy-and-Hold bis heute eine der beliebtesten Investment-Ansätze ist: positive Erfahrungen aus der Vergangenheit oder die Möglichkeit mittel- bis langfristige Trends abzubilden zum Beispiel. Ein zentrales Argument gegen höherfrequentes Trading entfällt aber zumindest dann, wenn Ordergebühren wie etwa bei Nextmarkets nicht mehr groß ins Gewicht fallen.

Mehr zum Thema
ETF-BillionenmarktInvesco und State Street Global Advisors prüfen Fusion
GeldanlagenDas denken die Deutschen über Aktien
Frisch aufgelegtDas sind die Produktneuheiten der Woche