„Der Süd-Süd-Handel wird der Wachstumstreiber der Schwellenländer sein“
DAS INVESTMENT.com: Kennen Sie als Stockpicker Ihre Hit-Ratio?
Strauss: Über die vergangenen 3 Jahre, das heißt von Februar 2010 bis Februar 2013, haben 70 Prozent der Aktien, die in unserem globalen Emerging-Markets-Fonds Magellan waren beziehungsweise heute noch sind, den Vergleichsindex um mindestens ein halbes Prozent geschlagen.
DAS INVESTMENT.com: Was würden Sie Anlegern sagen, die nicht in die Emerging Markets investieren?
Strauss: Wir glauben, dass das Gewicht der Schwellenländer an der weltweiten Marktkapitalisierung weiter strukturell wachsen wird, womit ein Druck zur Aktienallokation in diese Länder weiter besteht. Zurzeit beträgt das Gewicht globaler Schwellenländer am MSCI World All Countries rund 12 Prozent, während der Anteil der Schwellenländer am globalen Bruttoinlandsprodukt in Kaufkraftäquivalenten gemessen bei 50 Prozent liegt.
Das BIP-Wachstum der Schwellenländer war im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2011 2,1-fach so hoch wie das der entwickelten Länder. Somit gehen wir davon aus, dass in den kommenden 10 Jahren die globalen Schwellenländer von starken Mittelzuflüssen profitieren werden, was die Aktienkurse der dort ansässigen Unternehmen beflügeln sollte.
DAS INVESTMENT.com: Welcher Risiken sollten sich Anleger bei Emerging-Markets-Investments bewusst sein?
Strauss: Transparenz und Corporate Governance sind in vielen Unternehmen in Schwellenländern weniger ausgeprägt als in den entwickelten Ländern. Dies gilt weniger für Länder wie Brasilien, Indien oder Südafrika, in denen aufgrund von häufigen US-amerikanischen ADR-Notierungen (Anm. d. Redaktion: American Depositary Receipt, bei US-Depotbanken hinterlegte Aktienzertifikate oder ähnliches) sowie angelsächsischer Geschäftsgepflogenheiten recht strenge Regeln walten.
Daneben sind viele Geschäftsmodelle und Unternehmen zwar stärker wachsend als Unternehmen aus entwickelten Ländern, aber auch weniger reif in ihrer Geschäftsentwicklung. Das kann auch einmal zu kurzfristigen Kursauschlägen führen.
Für das höhere Risiko wird der Anleger langfristig mit höheren Renditen belohnt. So ist der Magellan über die vergangenen 10 Jahre um satte 15,6 Prozent pro Jahr gestiegen.
DAS INVESTMENT.com: Wann ist Ihnen klar geworden, dass dort die Zukunft liegt?
Strauss: Meine Erfahrung im Management von Schwellenländeraktien hat in den 80er Jahren mit dem asiatischen Aktienportfolio der Indosuez-Bank begonnen. Neben den Märkten Singapur, Taiwan und Korea hat mich der Kollaps des japanischen Marktes Ende der 80er Jahre dann recht schnell auf der Suche nach Alternativen nach Lateinamerika gebracht. Alles in allem würde ich nicht von einem Schlüsselerlebnis für die Schwellenländer sprechen, sondern eine lange und kontinuierliche Erfahrung mit Höhen und Tiefen.
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