Ihr Ausblick: Wie könnte sich der Markt nach der Rally der Mega-Caps im Jahr 2021 weiterentwickeln?

Kim: Dass die Tech-Werte nun insgesamt unter großer Volatilität ein wenig Dampf abgelassen haben, sollte langfristig orientierte Anleger nicht davon abhalten, ihnen im Portfolio einen wichtigen Platz einzuräumen. Angesichts der derzeit hohen Inflation übersehen viele Investoren alle anderen Faktoren, die Tech-Werte am Ende wieder nach oben bringen. So liefen Sektoren wie E-Commerce und E-Teaching schon vor der Pandemie gut, sie hatten Umsatz- und Kurszuwächse von jährlich 30 Prozent. In der Krise steigerten sich die Aktienkurse um 100 Prozent und mehr. Doch jetzt müssen E-Commerce- und Telemedizinunternehmen sowie Videokonferenz-Anbieter, um nur einige Beispiele zu nennen, die von Covid-19 profitierten und zuletzt starke Abflüsse hatten, mit weiterhin starken Umsätzen glänzen, was vielen angesichts der hohen Vorschusslorbeeren nicht leichtfällt.

Halbleiterhersteller hingegen wachsen weiterhin…

Kim: Sie stehen vor weiteren Zuwächsen, weil sie der Schlüssel für alle Tech-Anwendungen sind. Wir versprechen uns viel von Branchen, die mit Elektrofahrzeugen, Batterietechnologie, autonomen Fahrzeugen, Silizium-Photonik, Laser-Technologien, Wasserstoff und Quantencomputing zu tun haben – alles Themen, für die Chips gebraucht werden.

Ganz klar, Halbleiter und Software sind fundamental…

Kim: Und zwar in einem so hohen Maß, dass die Europäische Union angesichts der anhaltenden Halbleiterknappheit die Finanzierung neuer Chipfabriken in Europa plant. Aufgrund des Chipmangels und der Vorreiterrolle von USA und China will die EU führende Konzerne zum Bau einer Megafabrik in Europa bewegen.

Weitere Wachstumstreiber entstehen in den Bereichen Content-Infrastruktur und Gaming. Der Tech-Aufschwung wird sich unweigerlich fortsetzen, auch im Bereich neuer Kommunikationsstandards, die über 5G hinaus gehen. Und schließlich gibt es neue Branchen, die durch die Konvergenz von Technologie und anderen Industrien entstehen und an Dynamik gewinnen, unter anderem Edtech in der Bildung, Agtech in der Landwirtschaft und Digital Health.

Sie gehen demnach davon aus, dass viele Tech-Firmen mit ihren Umsätzen und Erträgen die Inflation kompensieren können?

Kim: Sobald die Inflation abflaut, werden sich Tech-Aktien erholen. Technologie ist bislang über ein, drei, fünf, zehn, 15 und 20 Jahre der Sektor mit der besten Performance im Aktienindex MSCI ACWI gewesen. Ihr Anteil stieg in den vergangenen 20 Jahren im marktbreiten S&P 500 ebenfalls von rund 20 auf 40 Prozent. Der Sektor ist damit mittlerweile der größte der Welt. Und warum? Es hängt mit der überragenden Innovationskraft der Branche zusammen.

Neue Trends gewinnen zunehmend an Stärke. Jetzt hören Anleger immer öfter vom Metaverse. Inwiefern müssen sie diesen möglichen Gamechanger im Blick behalten?

Kim: Cloud Computing, Fintech und E-Mobilität sind Themen, die bereits von der Wirtschaft in der Breite adaptiert werden. Mit Metaverse sprechen wir über einen eigenen Wirtschaftsraum, der die digitale Welt mit der physischen verbindet. Die Piraten, Rebellen und Avantgardisten in der Unternehmenslandschaft werden das Wirtschaftsleben weiter vorantreiben und neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen. Unsere Beobachtung: Alle zehn Jahre kommt etwas ganz Neues. Sehen Sie sich an, wie Technologie die Welt verändert: Immer mehr junge Menschen kündigen ihren Job, ziehen dorthin, wo es ihnen gefällt, und arbeiten von hier aus als Freelancer, weil sie die IT-Möglichkeiten dafür nutzen.

Letzte Frage: Wie sieht Ihr Fazit aus? Die Tech-Aktien pausieren, aber danach geht es weiter nach oben?

Kim: Fortschritt und Disruption sind die Treiber unserer modernen Gesellschaft, die sich auf Technologie stützt; ohne diese gäbe es viele Triebkräfte der Wirtschaft gar nicht. Es ist nicht zu erwarten, dass sich das Tempo der Veränderungen in der Welt verlangsamen wird. Schließlich haben wir es mit dem größten Wirtschaftssektor zu tun, der durch seine kreative Disruption vielfältiger und dynamischer als alle anderen ist. Anleger sollten gespannt den zu erwartenden Rückgang der Inflation abwarten. Innovationen werden sich weiterhin unweigerlich ihren Weg bahnen. Die Verbraucherpreisindizes, die aktuell eine Überhitzung signalisieren, werden daran ganz bestimmt nichts ändern.

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