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Gleichberechtigung Der unterschätzte Rentenfaktor

Idyllische Ausnahme
Idyllische Ausnahme: Im Westen Deutschlands wird Männern eine Altersrente von durchschnittlich 1.140 Euro ausgezahlt, Frauen hingegen erhalten nur 728 Euro, also rund ein Drittel weniger. | Foto: imago images / photothek
Carsten Roemheld, Fidelity

Die Rente ist sicher. Das versprach Minister Norbert Blüm (CDU) im Jahr 1997, als sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung die gesetzliche Rentenversicherung zunehmend belasteten. Trotz aller Bedenken hielt der damalige Arbeits- und Sozialminister am Generationenvertrag fest, bei dem die Jungen mit ihren Beiträgen die Renten der Älteren finanzieren. 

Ein Vierteljahrhundert später ist die Debatte weiter aktuell. Denn wenn bald die geburtenstarken Jahrgänge, die bis Anfang der 1960er-Jahre geboren wurden, peu à peu in den Ruhestand gehen, wird sich das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern so sehr verschlechtern, dass das Umlageverfahren an seine Grenzen stößt. Die Lage ist also ernst — und die neue Bundesregierung hat eine Mammutaufgabe vor sich. 

Gleichberechtigung als Schlüssel

Die Lösungen, die Politiker derzeit debattieren, konzentrieren sich mehrheitlich auf die Frage, wie lange Menschen, die länger leben, wohl arbeiten müssen. Das liegt nahe und greift doch zu kurz. Denn eine Ausweitung der Lebensarbeitszeit ist nur eine vergleichsweise kleine Stellschraube, um die Rentenlast solidarisch aufzufangen. Ein viel wichtigerer Baustein zur Lösung liegt an anderer Stelle: Bei der Gleichberechtigung von Frauen im Job.

Warum? Nun, in einem Umlagesystem schlägt sich die tatsächlich geleistete Arbeit der Erwerbsfähigen unmittelbar im Versicherungsaufkommen für die Rente nieder. Zugleich sind die Erwerbsbiografien unmittelbar mit dem späteren Renteneinkommen verknüpft. Schließlich sammeln Beitragszahler Rentenpunkte an, aus denen sich ihre späteren Altersbezüge berechnen. 

Vom Gender-Pay-Gap zur Rentenlücke

Wenn Frauen in ihrem Leben mehr arbeiten und mehr verdienen, hat das also gleich einen doppelten Effekt auf das Rentensystem. Tatsächlich ist hier jede Menge Luft nach oben: 2019 bekamen nach Daten der Deutschen Rentenversicherung Männer im Westen Deutschlands durchschnittlich eine Altersrente von 1.140 Euro ausgezahlt — Frauen dagegen nur 728 Euro, also rund ein Drittel weniger. Im Osten, wo die Erwerbstätigkeit von Frauen traditionell immer schon höher lag, ist fast kein Unterschied erkennbar. Hier bekommen Männer im Schnitt 1.100 Euro gesetzliche Rente und Frauen 1.034 Euro. 

Der sogenannte Gender Pension Gap, also die Lücke zwischen den Rentenansprüchen von Mann und Frau, ist im Westen also immens. Das hat auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung im Jahr 2019 in einer Untersuchung verschiedener Länder Europas festgestellt. Die Forscher konnten zeigen, dass die geschlechtsspezifischen Rentenlücken europaweit vor allem mit der Lage auf den jeweiligen Arbeitsmärkten zusammenhingen, und zwar konkret mit der Erwerbstätigen- und Teilzeitquote der Frauen. Fazit: Wer die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert, kann den Gender-Pension-Gap schließen. Die Politik kann dazu steuerliche und familienpolitische Anreize schaffen, so dass alle Arbeitnehmer gleichermaßen die Chance bekommen, voll ins Umlagesystem einzuzahlen.

Das Münchener ifo-Institut leitet daraus in einer neuen Analyse passend zum Wahlkampf auch gleich einen konkreten wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf ab: „Es gilt, das Erwerbspersonenpotenzial auf dem Arbeitsmarkt besser auszuschöpfen“, heißt es in einem jüngst veröffentlichten Beitrag. Und das betrifft vor allem Frauen: In Deutschland arbeitet nämlich fast jede zweite Frau in Teilzeit. Durchschnittlich sind Frauen hierzulande 30,5 Stunden pro Woche beschäftigt, rund vier Stunden weniger als beispielsweise in Schweden oder Frankreich. Nach der Geburt eines Kindes bricht die Erwerbstätigkeit besonders stark ein.  

Die Lösung der Rentenfrage liegt also nicht im höheren Rentenalter, sondern in besserer Kinderbetreuung. Dazu gehören für die Ifo-Experten auch Grundfreibeträge, die zu niedrigeren Grenzsteuersätzen beim Wiedereinstieg in den Job führen. Die neue Regierung sollte außerdem das Ehegattensplitting überdenken, das zusammen mit der beitragsfreien Mitversicherung nicht erwerbstätiger Ehepartner in der gesetzlichen Krankenversicherung das traditionelle Modell mit nur einem Erwerbstätigen begünstigt. 

Kurzum: Die beste Rentenpolitik heißt Gleichberechtigung. Und nebenbei bemerkt: Dem Wirtschaftswachstum täte das sicherlich auch gut.

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