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Geschlagenes Amazonas-Holz Foto: imago images / Agencia EFE

Biodiversität

Der Verlust der Artenvielfalt – ein oft unterschätztes Risiko

Er steht zwar weniger im Fokus der Öffentlichkeit als der Klimawandel, ist aber ebenfalls eine massive Umweltbedrohung: Der Verlust der biologischen Vielfalt.

Durch Rodungen geht weltweit jede Sekunde Wald in der Größe eines Fußballfelds verloren – insbesondere der artenreiche Regenwald ist betroffen. Die Umweltzerstörung könnte dazu führen, dass der Amazonas bald vom globalen Kohlenstoffspeicher zu einer Kohlenstoffquelle wird. Das wäre katastrophal, denn dem Regenwald kommen noch weitere Funktionen zu, darunter die Regulierung des Wasserkreislaufs und die Verhinderung von Bodenerosion und Wüstenbildung.

Was die Ozeane betrifft, so haben Erderwärmung und Versauerung erhebliche Auswirkungen auf empfindliche Ökosysteme wie Korallenriffe. Bei einem Anstieg der Temperatur um 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau werden praktisch alle Riffe durch Korallenbleiche verloren gehen. Selbst eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius würde dazu führen, dass 70 Prozent bis 90 Prozent der Riffe verschwinden.

Korallenriffe stellen nicht nur ein faszinierendes Ökosystem mit einer geschätzten Vielfalt von bis zu einer Million Arten dar, sie sind auch für die Menschheit von herausragender Bedeutung. So repräsentieren sie natürlichen Küstenschutz, eine wertvolle Nahrungsquelle, eine pharmazeutische Ressource sowie einen enormen Wirtschaftsfaktor.

Ökosysteme: Leistungen im Wert von 140 Billionen US-Dollar

Gerade Covid-19 zeigt, wie der menschliche Einfluss auf Lebensräume von in freier Natur lebenden Tieren mit der Verbreitung von Infektionskrankheiten verknüpft ist. Mit der Zunahme der Bevölkerungsdichte und dem immer größeren Eingriff in natürliche Lebensräume, nicht nur durch den Menschen, sondern auch durch Nutztiere, erhöht sich das Pandemierisiko.

Die Leistungen der Ökosysteme, darunter Wasserreinigung, Bestäubung von Nutzpflanzen, Hochwasserschutz und Kohlenstoffbindung, werden jährlich auf 125 bis 140 Billionen US-Dollar geschätzt – das entspricht etwa dem 1,5-fachen des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Wie bei vielen Aspekten der Nachhaltigkeit sind Datenerhebungen aber auch bei der Bestimmung von Biodiversitätsrisiken ein Problem. Daher wurden im Juli 2020 die Vorbereitungen für eine „Task Force on Nature-related Financial Disclosures“ (TNFD) gestartet.

Ziel der Initiative, die von den Regierungen Großbritanniens und der Schweiz sowie von Banken unterstützt wird: Unternehmen durch die Entwicklung von Rahmenwerken für die Berichterstattung über naturbezogene Risiken besser in die Lage zu versetzen, diese in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Die TFND soll im Jahr 2022 weltweit eingeführt werden.

Die Bedeutung des Verlusts der Biodiversität

Angesichts des Klimawandels und des Verlusts von Biodiversität ist sofortiges Handeln von größter Bedeutung. Während TNFD auf den Weg gebracht wird, sollten Finanzinstitutionen und die Unternehmenslandschaft bereits über die Abhängigkeiten und Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf die Umwelt nachzudenken. Dabei erweisen sich Instrumente wie beispielsweise „Encore“ der Natural Capital Finance Alliance (NCFA) als nützlich. Es hilft dabei, zu erkennen, inwieweit Unternehmen Naturkapital-Risiken ausgesetzt sind und welche Chancen sich durch Investments in Biodiversität ergeben.

Die Integration von Nachhaltigkeit in Geschäftsentscheidungen und Investitionen ist von zentraler Bedeutung. Zu wissen, welche Unternehmen an der massiven Rodung von Wäldern beteiligt sind, ist ein wichtiger Schritt zur Verringerung der Risiken für die biologische Vielfalt. Sowohl Anleger als auch Vermögensverwalter können einen gewissen Druck auf die Unternehmen ausüben und diese zum Umdenken bewegen.

Da sich die meisten artenreichen Gebiete in Entwicklungs- und Schwellenländern befinden, sollte ein Aspekt dabei unbedingt beachtet werden: Die Bedürfnisse der Menschen vor Ort.

Wichtige Informationen:

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge kann sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

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