Ende vorigen Jahres waren deutschlandweit 4,96 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI), berichtet aktuell das Statistische Bundesamt. Zum Vergleich: Im Dezember 2019 waren es erst 4,13 Millionen. Dieser Anstieg um etwa ein Fünftel ist aber auch darauf zurückzuführen, dass die Definition der Pflegebedürftigkeit geändert wurde und seit 2017 mehr Menschen als pflegebedürftig eingestuft werden als zuvor. Zudem rechnen die Wiesbadener Statistiker mit 160.000 Personen, die bisher nicht erfasst wurden. Denn Pflegebedürftige mit Anspruch auf Leistungen nach dem Pflegegrad 1 erhalten kein Pflegegeld.

Fünf von sechs Pflegebedürftigen zu Hause versorgt

84 Prozent der Pflegebedürftigen wurden zu Hause versorgt. Davon erhielten 2,55 Millionen Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend durch Angehörige gepflegt. Weitere 1,05 Millionen lebten ebenfalls in Privathaushalten und wurden zusammen mit oder vollständig durch ambulante Pflege- und Betreuungsdienste versorgt. Ebenfalls zu Hause versorgt wurden weitere 0,56 Millionen Pflegebedürftige im Pflegegrad 1. Davon erhielten 0,03 Millionen ausschließlich Entlastungsleistungen landesrechtlicher Angebote. Die übrigen 0,53 Millionen Pflegebedürftigen im Pflegegrad 1 haben keine Leistungen von Pflegeheimen oder ambulanten Diensten genutzt. Ob diese Personen jedoch weitere Hilfeleistungen abgerufen haben, wird in der Pflegestatistik nicht erfasst. 

Ein Drittel der Pflegebedürftigen war 85 Jahre und älter

16 Prozent der Pflegebedürftigen wurde in Pflegeheimen vollstationär betreut. Im Vergleich zu Dezember 2019 sank ihre Zahl um 3 Prozent. Die Zahl der zu Hause Gepflegten nahm dagegen um 26 Prozent zu. Ambulante Dienste betreuten 6,5 Prozent mehr Pflegebedürftige. Die Zahl der überwiegend durch Angehörige versorgten Pflegebedürftigen stieg um 21 Prozent. Zudem wuchs die Gruppe der Pflegebedürftigen im Pflegegrad 1 ohne Leistungen ambulanter oder stationärer Einrichtungen beziehungsweise mit ausschließlich landesrechtlichen Entlastungsleistungen um 171 Prozent. Ein Teil dieses Anstiegs um etwa 160.000 Pflegebedürftige ist auf die geänderte Statistik zurückzuführen: 2021 wurde diese Teilgruppe erstmals umfassend in den amtlichen Zahlen abgebildet.

 

Mit 62 Prozent war Ende 2021 die Mehrheit der Pflegebedürftigen weiblich. 79 Prozent der betreuten Männer und Frauen en waren 65 Jahre und älter, ein Drittel sogar mindestens 85 Jahre alt. Und mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, auf Pflege angewiesen zu sein: Während bei den 70- bis 74-Jährigen rund 9 Prozent betroffen waren, wurde für die ab 90-Jährigen die höchste Pflegequote ermittelt: In diesem Alter waren 82 Prozent der Menschen pflegebedürftig.