Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Deutsche Bank: Streumunition statt Agrarwetten

//
Nachdem sie in der Vergangenheit aufgrund ethisch fragwürdiger Investments in die öffentliche Kritik geriet, arbeitet die Deutsche Bank nun verstärkt an ihrem Image. Im Februar gab das Finanzinstitut bekannt, Anlegern einen Ausstieg aus dem umstrittenen Todeswetten-Fonds zu ermöglichen.

In Ihrem kürzlich erschienenen „Corporate Responsibility Report“ verspricht die Bank, „keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf Basis von Grundnahrungsmitteln aufzulegen“. Bestehende Produkte werden zwar fortgeführt. Trotzdem spricht dieser Schritt für den Willen der Deutschen Bank, sich in Richtung ethisch und sozial vertretbarer Anlagen zu bewegen. Schließlich könne die Bank langfristig nur dann erfolgreich bleiben, wenn die Menschen sie als verantwortungsbewusst wahrnehmen und ihr Vertrauen entgegenbringen, merkte der Vorstandschef Josef Ackermann in einer Mitteilung anlässlich der Report-Veröffentlichung an.

1,4 Milliarden Euro in Streumunition-Geschäften

„Um zu gewährleisten, dass die Produkte und Dienstleistungen der Deutschen Bank der realen Wirtschaft und der Gesellschaft als Ganzes dienen, hat die Bank im vergangenen Jahr […] die Geschäftsbeziehungen zu Kunden aufgekündigt, die an der Produktion von Streubomben beteiligt sind“, so die Mitteilung weiter. Das Vorhaben ist nicht neu: Bereits im November vergangenen Jahres versprach die Deutsche Bank Gruppe, ihre Geschäfte mit Streubomben-Produzenten einzustellen.

Das klingt gut – stimmt aber nicht ganz. Denn die Recherchen der Anti-Streubomben-Initiative Facing Finance und des niederländischen Analyseinstituts Profundo ergaben, dass die Deutsche Bank nach wie vor Geschäftsbeziehungen zu Herstellern von Streumunition unterhält. In einem „Zeit“-Interview spricht Thomas Küchenmeister, Koordinator der Organisation, von 1,4 Milliarden Euro, die in solchen Geschäften angelegt sind.

Als Beispiel führt Küchenmeister den US-Streumunitionshersteller L-3 Communications an, der von der Deutschen Bank am 3. Februar einen Kredit in Höhe von 47,5 Millionen Euro bekommen haben soll. „Es grenzt schon an Zynismus“, kommentiert Küchenmeister. Schließlich habe Ackermann einen Tag zuvor auf der Bilanzpressekonferenz die Ausstiegserklärung nochmal wiederholt.

L-3 gelobt Besserung

Der Deutsche-Bank-Sprecher hingegen kann in dem Sachverhalt keinen Zynismus erkennen. Die Deutsche Bank finanziere bereits seit 2008 keine Firmen, die sich auf Herstellung, Verbreitung und Handel mit Streubomben spezialisieren, erklärte er auf Nachfrage von DAS INVESTMENT.com. Anders sähe es auch, wenn das Unternehmen die international geächteten Waffen zusammen mit anderen Produkten herstellt. Die Bank habe im Herbst 2011 entschieden, keine Geschäftsbeziehungen zu solchen „Mischkonzernen“ mehr aufzunehmen.

„Neue Geschäftsbeziehungen zu solchen Unternehmen kommen nur dann in Frage, wenn die Kunden sich dezidiert verpflichten, so schnell wie möglich aus diesem Geschäftsbereich auszusteigen“, sagt der Bank-Sprecher. Auch L-3 habe der Bank gegenüber erklärt, dass sie sich aus der Herstellung von Streumunition zurückziehen werde. Was die Bank unter „so schnell wie möglich“ versteht und ob es eine Frist gibt, erklärte der Sprecher indes nicht.

„Bestehende vertragliche Verpflichtungen gegenüber Kunden erfüllt die Deutsche Bank selbstverständlich", so der Sprecher weiter. Soll heißen: Langjährige Geschäftskunden, die unter anderem Streumunition herstellen, haben nichts zu befürchten: Die Deutsche Bank pumpt nach wie vor Geld in ihr Geschäft.


Hintergrundinfo: Streubomben zählen zu den gefährlichsten Waffen der Welt. Sie enthalten viele kleinere Bomben, die sich in der Luft über einer riesigen Fläche ausbreiten. International sind sie seit August 2010 geächtet, in Deutschland ist ihre Herstellung im Sommer 2009 verboten worden.

Mehr zum Thema
Ausstieg aus der Todeswette: Deutsche Bank lenkt einStirb schnell: Bankenverband rügt Wetten der Deutschen BankSkrupellose Spekulationen: Barclays für Schmähpreis nominiert