Deutschlands Banken und Sparkassen haben im vergangenen Jahr so viele neue Mitarbeiter eingestellt wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Die Zahl der Beschäftigten in der Finanzbranche stieg 2024 um 1,1 Prozent auf rund 554.000 Menschen. Das geht aus einer exklusiven Analyse der Beratungsgesellschaft Barkow Consulting hervor, die „Bloomberg“ vorliegt.

Der Anstieg markiert eine Wende: Es ist erst das dritte Mal seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1999, dass die Mitarbeiterzahlen überhaupt gestiegen sind – und zugleich der stärkste Zuwachs in diesem Zeitraum.

Trendwende nach Jahren des Stellenabbaus

Die deutsche Bankenbranche hat über zwei Jahrzehnte einen massiven Personalabbau erlebt. Von den rund 772.000 Beschäftigten im Jahr 1999 sind über 200.000 Stellen weggefallen. Digitalisierung, Online-Banking und Filialschließungen führten zu einem kontinuierlichen Rückgang der Mitarbeiterzahlen.

Bereits 2023 deutete sich mit einem Plus von 0,3 Prozent eine vorsichtige Wende an. Mit dem deutlichen Anstieg 2024 scheint sich dieser Trend nun zu verfestigen. Peter Barkow, Geschäftsführer von Barkow Consulting, zeigt sich gegenüber Bloomberg optimistisch: In der Analystenwelt gelte zwar die Regel, dass erst drei Datenpunkte einen Trend ergeben. Mit etwas gutem Willen lasse sich aber bereits jetzt eine Beschäftigungswende erkennen.

Demografischer Wandel zwingt zum Umdenken

Ein wesentlicher Treiber der Neueinstellungen ist der demografische Wandel in der Branche. Viele Institute sehen sich mit einer alternden Belegschaft konfrontiert. Um Wissensverluste und Personallücken zu vermeiden, besetzen viele Banken und Sparkassen bereits jetzt Stellen doppelt. Die jüngeren Mitarbeiter sollen von den erfahrenen Kollegen lernen, bevor diese in den Ruhestand wechseln.

Neben dem demografischen Wandel treiben auch neue Geschäftsfelder und regulatorische Anforderungen den Personalbedarf. Künstliche Intelligenz, verschärfte Regulatorik und Nachhaltigkeitsthemen erfordern zusätzliche Experten. Banken müssen in diese Bereiche investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Deutschland ist kein Einzelfall

Der Personalaufbau beschränkt sich nicht auf Deutschland. Laut der Analyse von Barkow Consulting, die auf Daten der Europäischen Zentralbank basiert, stieg die Beschäftigtenzahl 2024 in der Hälfte aller Eurozone-Länder im Bankensektor an. Die deutsche Entwicklung fügt sich damit in einen europaweiten Trend ein.