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Londons Finanzdistrikt, rechts im Bild

Londons Finanzdistrikt, rechts im Bild "The Gherkin", Foto: Getty Images

Deutsche Fonds Holding prophezeit Saure-Gurken-Zeit

„The Gherkin“-Fondsanleger verlieren vier Fünftel ihres Geldes

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Der oval-spitze Büroturm „The Gherkin“ („Essiggurke“) im Londoner Finanzdistrikt wird Anleger eines Immobilienfonds vermutlich kein Geld einbringen, dafür umso mehr kosten. Über den Stand im Streit um Anteile aus einem Immobilienfonds berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Die Vorgeschichte

Das von Stararchitekt Sir Norman Foster entworfene Bürogebäude wurde 2004 eröffnete. Ursprünglich gehörte das Gebäude dem Rückversicherungskonzern Swiss Re. Der verkauftes es 2007 an die deutsche Immobiliengesellschaft IVG mit Sitz in Bonn und die Londoner Investmentbank Evans Randall. Die neuen Eigentümer steckten Gebäudeanteile in einen Immobilienfonds, den IVG EuroSelect 14. Fondsanteile wurden unter anderem über die Deutsche Bank und die Commerzbank verkauft, auch deutsche Privatanleger griffen zu.

Diese Anteile geraten ihnen nun zum finanziellen Desaster: Die Finanzkrise ließ die Preise für Büroobjekte in der Londoner City sinken. Zudem geriet der Neueigentümer IVG aufgrund von Währungsschwankungen in Zahlungsschwierigkeiten gegenüber den Gläubigerbanken, die den Immobilienkauf finanziert hatten. Eine Investition in ein Frankfurter Bürogebäude („The Squaire“) trieb 2013 das Eigentümerunternehmen IVG endgültig in die Insolvenz. „The Gherkin“ wurde für geschätzte 726 Millionen britische Pfund (rund 987 Millionen Euro) an den brasilianischen Großinvestor Joseph Safra verkauft.

„Saure Gurke“ für die Anleger

Die Immobilienfonds-Anleger werden ihr Geld wohl zum größten Teil trotzdem nicht wiedersehen: Je 1.000 investierte Euro haben sie laut F.A.Z. bislang gerade einmal 80 Euro an Ausschüttungen erhalten. Es sollen noch einmal 115 bis 120 Euro hinzukommen, schlägt die heutige Eigentümerin des glücklosen Immobilienfonds, die Deutsche Fonds Holding, vor. Bei rund 200 Euro Ausschüttungen pro 1.000 Euro investierten Kapitals wären damit für die Anteilseigner vier Fünftel der angelegten Summe verloren. Bis zum 29. Oktober können sie dem Vergleich zustimmen.

Pikantes Detail: Rund die Hälfte des Überschusses aus dem Verkauf des Gebäudes an Milliardär Safra soll ein Partner erhalten, der seinerzeit den Immobilienfonds mit Risikokapital unterstützt hatte. Er will das Geld direkt an einen eigenen Gläubiger weiterreichen: die IVG, die heute von ihren ehemaligen Geldgebern weitergeführt wird. Damit wäre das Geld wieder bei dem Unternehmen angelangt, das den Anlegern durch unvorsichtiges Handeln das Verlustgeschäft erst bereitet hat.

Anlegeranwalt Dietmar Kälberer zeigt sich empört: „Es ist ein starkes Stück, dass die Deutsche Fonds Holding, die die Verwaltung des Fonds vom Immobilienkonzern IVG übernommen hatte, die Anleger so lange – wider besseres Wissen – im Unklaren lässt und hinter deren Rücken diesen Vergleich zu Gunsten der IVG AG aushandelt. Am Ende nun stehen die Anleger trotz einer Londoner Immobilie in herausragender Lage bei guter Vermietung und einem unerwartet hohen Verkaufserlös mit einem Verlust von voraussichtlich etwa 80 Prozent ihres Einsatzes da.“

Erfolge des Klägeranwalts

Der Anlegeranwalt war in einigen Fällen bereits erfolgreich: In mehreren Verfahren gegen die Immobilienfonds-Vertriebspartner Commerzbank und Deutsche Bank wurde Anlegern Schadensersatz zuerkannt. Jetzt hat Kälberer ein Kapitalanleger-Musterverfahren gegen die Banken beantragt, um kollektiv Schadensersatz wegen Falschberatung der Kunden einzufordern.

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