Deutsche Nebenwerte „Bei deutschen Aktien in die zweite Reihe schauen“

Dax-Kurstafel der Frankfurter Börse: Am Aktienmarkt dominiert aktuell die Angst vor steigenden Zinsen und einer schwächeren Weltkonjunktur. Das hat dieser Tage auch den deutschen Leitindex schwer belastet. | © Getty Images

Dax-Kurstafel der Frankfurter Börse: Am Aktienmarkt dominiert aktuell die Angst vor steigenden Zinsen und einer schwächeren Weltkonjunktur. Das hat dieser Tage auch den deutschen Leitindex schwer belastet. Foto: Getty Images

Täglich flimmert um kurz vor acht im Ersten der aktuelle Stand des deutschen Aktienindex Dax über die Bildschirme. Der Index gilt als Maßstab für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Doch diesem Anspruch wird er kaum gerecht.

Denn viele Unternehmen haben mit individuellen Problemen zu kämpfen. Die vier Automobilwerte, inklusive Continental, leiden unter den Drohgebärden des amerikanischen Präsidenten und dem Abgasskandal. Der Druck, Fortschritte im Bereich Elektromobilität zu liefern, steigt.

Aushängeschild der deutschen Industrie

Ralph Rickassel, PMP Vermögensmanagement

Beim Schwergewicht Bayer ist nach der Fusion mit Monsanto nicht abzusehen, was die Klagen gegen das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ergeben und bei Thyssen Krupp, dem ehemaligen Aushängeschild der deutschen Industrie, war zuletzt die Führung kaum handlungsfähig. Die verbliebenen Banken leiden noch immer unter der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Die Commerzbank verabschiedete sich gar in den M-Dax.

Verständlicherweise machen professionelle Investoren einen großen Bogen um diese Titel. Mit der Folge, dass der Index gehörig schwächelt und seit Jahresanfang ein dickes Minus von rund 9 Prozent ausweist. Für viele ist das ein Anzeichen, dass der seit 2008 anhaltende Börsenaufschwung vorbei ist und der nächste Crash bevorsteht.

Allerdings steht Europas stärkste Volkswirtschaft gar nicht so schlecht da. Die Arbeitslosenquote in Deutschland ist auf einem sehr niedrigen Stand, Fachkräfte sind Mangelware und die Auftragsbücher der Unternehmen immer noch gut gefüllt.

Familienunternehmen nicht an der Börse

Vielleicht ist der Dax darum nicht mehr der richtige Indikator, um den Wert einer Volkswirtschaft zu messen. Den größten Anteil am BIP haben in Deutschland traditionell die Familienunternehmen. Von denen sind die meisten jedoch tatsächlich in Familienhand und nicht an der Börse gelistet.

Ein Blick in die zweite und dritte Reihe der Indizes gibt ein optimistischeres Bild der heimischen Wirtschaft ab. Mit der Neuregelung der Indizes wurden diese Reihen zudem aufgestockt und damit aufgewertet.