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Deutsche Standorte Immobilien mieten statt kaufen

Stephan Schörnig und Markus Knab vom Bankhaus Ellwanger & Geiger
Stephan Schörnig und Markus Knab vom Bankhaus Ellwanger & Geiger
Ob Maschinenbau oder Automobilwirtschaft – die deutsche Industrie gilt als innovativ und geschäftstüchtig, ihre Exportstärke ist als ein Beleg genannt. Die deutsche Industrie hat gerade in Krisen immer wieder gezeigt, dass sie sich neu erfinden kann. Das gilt neuerdings offensichtlich auch mit Blick auf ihre Immobilien.

Lange hielten Industrieunternehmen und auch viele Dienstleister und Zulieferer ihre Grundstücke, Lager-, Verwaltungs- und Produktionsgebäude im Eigentum. Nun lösen sie sich jedoch zunehmend vom Eigentumsgedanken. Die Industrie denkt ihre Immobilien neu und begreift sie immer häufiger als Mietlösung. Einer der maßgeblichen Gründe hierfür liegt in der größeren Flexibilität von angemieteten Immobilien.

In einer global vernetzten Wirtschaft werden die Produktionszyklen immer kürzer, und gerade der Mittelstand kann sich nicht mehr sicher sein, über lange Zeiträume am gleichen Standort operieren zu können. Oft genug ist die Dynamik der Produktions- und Lieferprozesse so groß, dass alle zwei Jahre eine grundlegende Produktions- oder gar Geschäftsumstellung erfolgen muss. In einem derart schnelllebigen Umfeld müssen sich Unternehmen auf ihre Kernkompetenz konzentrieren – die Produktion, die Vorproduktion oder auch Logistikdienstleistungen. Das Verwalten oder gar der Bau eigener Immobilie zählt im Regelfall nicht dazu.

Weitere Vorteile liegen natürlich darin, dass Mietlösungen die Bilanz schonen. Sicherlich ist der Weg noch lang, bis das Umdenken sich auch auf breiter Front im Handeln niederschlägt. Mit den nachrückenden neuen Managergenerationen, die internationalen Wind in deutsche Unternehmen bringen, dürfte der Prozess aber eher an Dynamik gewinnen als abzuebben. Denn im Ausland begreift die Industrie ihre Immobilien längst als Faktor, der das Kerngeschäft stützt – und nicht davon ablenkt.

Ein Hemmschuh könnte allerdings das Flächenangebot sein. Zwar wurden in den vergangenen Jahren vielerorts neue Projekte realisiert. Die entsprechenden Industrie-, Logistik- oder Multifunktionsimmobilien sind aber mittlerweile überwiegend vermietet, und in der jüngeren Vergangenheit kamen wenige neue Flächen nach.

Vor allem im Süddeutschen Raum (und hier vor allem in den Metropolregionen wie München und Stuttgart) ist die Situation angespannt: Industrie und Zulieferer erwarten ein stabiles Jahr, so dass die vorhandenen Flächen nur in Ausnahmefällen frei werden dürften.

In den übrigen Metropolregionen Deutschlands zeigt sich nur teilweise ein besseres Bild mit Blick auf das Flächenangebot. Vor diesem Hintergrund sollten nun auch Investoren umdenken. Der industrielle Mittelstand fragt häufig multifunktional nutzbare Flächen in der Größenordnung 2.000 bis 5.000 Quadratmeter nach. Kommt noch ein Verwaltungsanteil hinzu, der im Gebäude abgebildet werden soll, sind es maximal 7.000 Quadratmeter. Für diese Größenordnung gibt es gegenwärtig praktisch keine Investoren.

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