Deutscher Bürgerfonds Ifo-Präsident Fuest fordert Rosskur der Altersvorsorge

Clemens Fuest: Der Präsident des Ifo-Instituts in München fordert einen schuldenfinanzierten „Bürgerfonds“. | © ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V.

Clemens Fuest: Der Präsident des Ifo-Instituts in München fordert einen schuldenfinanzierten „Bürgerfonds“. Foto: ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V.

Das Münchner Ifo-Institut hat mit dem so genannten Deutschen Bürgerfonds jetzt ein neues Instrument vorgestellt, das die Vermögensbildung für die gesamte Bevölkerung stärken soll. Insbesondere bei Geringverdienern könne es die Versorgungslücke verringern. Denn: „Wegen des seit Jahren niedrigen Zinsniveaus fällt es vielen Menschen heute schwer, privates Vermögen aufzubauen“, erklärt Clemens Fuest. „Gleichzeitig werden bei vielen die Leistungen der umlagefinanzierten Rentenversicherung kaum ausreichen, um eine gute Versorgung im Alter zu sichern“, so der Präsident des Ifo-Instituts weiter.

„Hier könnte das Instrument eines ‚Deutschen Bürgerfonds‘ einspringen“, ist der Co-Autoren der Studie „Das Konzept eines deutschen Bürgerfonds“ überzeugt. „Da die Bürger selbst keine zusätzlichen Einzahlungen aus ihrem Einkommen leisten müssten, um das Vermögen aufzubauen, ist der ‚Deutsche Bürgerfonds‘ vor allem für Menschen interessant, die wenig verdienen“, ergänzt Fuest. Die Verwaltung des Fonds sollte dem politischen Tagesgeschäft entzogen sein und beispielsweise durch die Bundesbank erfolgen.

16.000 Euro pro Kopf

Die gute Bonität der Bundesrepublik Deutschland als Schuldner ermögliche es, Kredite günstig aufzunehmen und bei einer Reinvestition eine erhebliche Renditedifferenz zu erzielen. Das Ifo-Institut rechnet vor: Wenn der Bund die Staatsschulden langsamer abbauen und ab heute 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro Jahr für alle Erwerbsfähigen anlegen würde, ergäbe sich nach 50 Jahren bei einer durchschnittlichen Renditedifferenz von 2 Prozentpunkten ein Ertrag von gut 16.000 Euro pro Kopf, der mit dem Erreichen von 67 Jahren ausgezahlt werden könnte.

Die deutschen Staatsschulden haben mittlerweile die europäische Verschuldungsgrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts unterschritten, stellt Fuest fest. Für die Dauer hoher Renditedifferenzen zwischen Bundesanleihen und anderen Kapitalmarktanlagen könne der Bund im Rahmen der geltenden Verschuldungsregeln Schulden aufnehmen oder den Schuldenabbau verlangsamen, um die Mittel international breit diversifiziert anzulegen. Denn mit Aktien und Immobilien seien „weiterhin ansehnliche Renditen erzielbar, wenngleich aufgrund von Kurs- und Wertschwankungen nicht in jedem Jahr“.