Im Januar noch herrschte Katerstimmung auf dem Investmentmarkt für Immobilien in Deutschland. Das EY-Parthenon-Trendbarometer meldete für 2025 einen Rückgang um sechs Prozent des deutschen Transaktionsvolumens auf 32,8 Milliarden Euro und sprach von „ambivalenten Erwartungen“ für das neue Jahr.
Imaxxam-Geschäftsführer Christoph Geißler formulierte es damals so: „Neue Impulse für den Immobilienmarkt erwarten wir weder von der Zinsseite noch von Seiten der Politik.“ Der Chef des Immobilienfondsanbieters vermisst mit Blick auf die Bauregulierung „tiefgreifende Maßnahmen für mehr Neubau und Marktaktivität“.
Ein halbes Jahr später zeigt sich ein anderes Bild. Laut CBRE, einem Asset Manager für Gewerbeimmobilien, stieg das deutsche Investmenttransaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2026 auf 16,2 Milliarden Euro – ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Immobilienagentur JLL kommt für den gleichen Zeitraum sogar auf 17,6 Milliarden Euro, ein Anstieg von 15 Prozent. Besonders der Büromarkt legte laut CBRE zu: Mit knapp 3,5 Milliarden Euro lag das Volumen 66 Prozent über dem Vorjahresniveau. München war laut Deloitte der aktivste Standort mit Blick auf Büroimmobilien.
Auch Logistikimmobilien zogen deutlich an, mit einem Plus von 24 Prozent auf 3,26 Milliarden Euro. Wohnimmobilien entwickelten sich leicht rückläufig, blieben jedoch die stärkste Assetklasse am deutschen Investmentmarkt. Sie machen mit 5,8 Milliarden Euro einen Anteil von 33 Prozent am deutschen Immobilienmarkt im ersten Halbjahr 2026 aus.
Auch international wird der deutsche Immobilienmarkt von Anlegern geschätzt. Eine Deloitte-Umfrage zählt Deutschland – nach dem Vereinigten Königreich und Indien– zu den drei bevorzugten Zielmärkten institutioneller Investoren 2026.
Steigende Mieten auf dem deutschen Immobilienmarkt in 2026
Sandro Höselbarth, Leiter Bewertungen und Dienstleistungen für Deutschland bei CBRE, sagt: „Während die Spitzenrenditen 2026 tendenziell stabil bleiben dürften, werden die Gesamterlöse durch steigende Mieten getrieben.“ Er prognostiziert Aufwind „bei Prime-Offices in Core-Lagen, Wohnen und im Segment der Big-Box-Logistik, also Fertigbauten.“
Commerz-Real-Chef Henning Koch sieht vor allem private Investoren am Zug: „Privates Geld von Family Offices und sehr vermögenden Personen wird auch 2026 den geringen Wettbewerb um hochwertige Immobilien nutzen, um sich diese langfristig zu sichern.“ Der Leiter des Immobilienvermögensverwalters der Commerzbank ergänzt: „In den Entscheidungsgremien von institutionellen Investoren ist die Risikoeinstellung naturgemäß deutlich konservativer.“ Immobilienexperte Marc Drießen von Berenberg bestätigt dies: „Klassische institutionelle Investoren sind oftmals ausreichend allokiert.“
Silvester Plotka, Leiter Private Markets bei der Nord-LB, mahnt zu der Bewertung der Jahresrenditen der vergangenen fünf Jahre zur Vorsicht. Störungen in den Lieferketten, die Covid-Pandemie und der Krieg in der Ukraine hätten eine „normale“ Marktentwicklung überlagert, sodass sich Renditen im aktuellen Umfeld bestenfalls schätzen und durch Gutachterausschüsse oder Maklerunternehmen näher bestimmen ließen.
Er fasst die Umstände gelungener Transaktionen zusammen: „Größere Agglomerationen sowie wirtschaftlich starke, dynamisch wachsende Regionen mit positiver demografischer Entwicklung weisen in der Regel eine höhere Marktliquidität und damit eine attraktivere Renditeentwicklung auf.“